128 kbps-Hörtest: moderne VBR-Codecs sind top!
15.01.2006 | Von Dirk Bösel
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Sollte die undefinierte "CD-Qualität" bei 128 kbps aus der MP3-Frühzeit tatsächlich ein Comeback feiern? Präziser ist da schon die Frage: Wann liefert ein Audio Codec Ergebnisse, die sich beim Hören nicht mehr vom Original unterscheiden lassen? Moderne VBR-Codecs scheinen jedenfalls nicht weit davon entfernt zu sein, den alten Mythos wieder zu beleben. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Multiformat Listening Test @ 128 kbps. Der Test wurde im Umfeld der Hydrogenaudio.org Community durchgeführt, diesmal sogar unter deutscher Leitung von Sebastian Mares.
Testkandidaten und Kodiereinstellungen:
Der Nero AAC Encoder wurde im vergangenen Jahr intensiv weiterentwickelt. Auch bei Apple war man nicht untätig und spendierte iTunes AAC endlich variable Bitraten. Den Stand der Dinge beim MP3-Format vertritt LAME und für Ogg Vorbis kommt die für niedrige Bitraten optimierte AoTuV-Version zum Einsatz. Mit WMA Professional komplettiert Microsofts aktuellster, wenn auch gegenüber WMA Standard wenig verbreiteter Encoder, das Testfeld. Lediglich Shine, der Prototyp eines MP3-Encoders und ohne Qualitätsanspruch, benutzt konstante Bitraten. Dieser so genannte "Low Anchor" diente dazu, die Bewertungen zu eichen. Die jeweiligen Kodiereinstellungen der Probanden wurden so gewählt, dass sie über eine breite Auswahl von Alben im Durchschnitt etwa 128 kbps liefern. Dies bewahrt die Chancengleichheit, da sich qualitätsbasierte VBR-Codecs bei komplexen Passagen ganz im Sinne des Erfinders höhere Bitraten genehmigen. Testverfahren Das Testverfahren war, wie in vorangegangenen Tests, ein so genannter "doppelter Blindhörtest". Hier bewerten die Teilnehmer alle kodierten Proben sowohl miteinander, als auch gegen eine unkodierte Referenzprobe (das Original). Das ganze geschieht "blind". Das heißt, die Teilnehmer wissen weder welche Probe kodiert ist, noch mit welchem Codec. Dieses aufwendige Verfahren vermeidet die ansonsten auftretenden psychologischen Einflüsse. Insgesamt 18 Testsamples, Ausschnitte mit Musik verschiedener Stilrichtungen und teils mit bekannten Schwierigkeiten für Audio Codecs, standen den Hörtestern zur Verfügung. Eine spezielle Software diente dem Vergleichen und Bewerten der Proben. Sie verschlüsselte zudem die Ergebnisse, um Manipulationen auszuschließen. Der Test war offen für alle Interessierten. Sowohl Personen mit geschultem Gehör, als auch "Hörlaien" beteiligten sich in den vergangenen Wochen an der recht anstrengenden Lauscherei. Das Ergebnis Abgesehen vom "Low Anchor" Shine lieferten alle Kandidaten sehr gute Qualität. Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen den Codecs. Moderne VBR-Codecs sind nah daran, schon im Bereich um 128 kbps transparente, das heißt nicht mehr vom Original zu unterscheidende Qualität zu liefern. Angesichts der hohen Rankings (5 = transparent) ist davon auszugehen, das Teilnehmer nicht immer in der Lage waren, das kodierte Sample herauszuhören und volle 5 Punkte vergaben.
(Quelle) Das gute Abschneiden der aktuellen Version des LAME MP3-Encoders zeigt auch, wie leistungsfähig ein angeblich technisch veraltetes Audioformat sein kann, wenn es stetig weiterentwickelt und optimiert wird. Den "Urzustand" eines nicht optimierten MP3-Encoders demonstriert Shine hier recht eindrucksvoll. Eine sehr ärgerliche Panne betrifft Nero AAC. Die verwendete Version war erst kurz vor Testbeginn fertig geworden und enthielt, wie sich im Test herausstellte, einen Fehler. Dieser soll sich, nach Einschätzung eines Entwicklers, wenn überhaupt eher zu Lasten der Qualität auswirken. So gesehen gehört Nero AAC also mit ins Siegerquintett. Der Fehler ist inzwischen gefunden und bereinigt. |
KOMMENTARE / DISKUSSION
Re: 128 kbps-Hörtest: moderne VBR-Codecs sind top! (Onkel.Didi, 23.01.06 19:57)
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