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World Trade Center

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Kinostart
28.09.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Oliver Stone

Autor
Andrea Berloff

Laufzeit
129 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Nicolas Cage
Michael Pena
Maggie Gyllenhaal
Maria Bello




Amerikanisches Trostpflaster

INHALT

World Trade Center 11. September 2001. Für Sergeant John McLoughlin (Nicolas Cage, "Adaptation", "Leaving Las Vegas") und Will Jimeno (Michael Pena, "Crash") beginnt der Tag schon sehr früh. Die zwei Polizisten des Port Authority Police Department (PAPD) aus Goshen, New York, und Clifton, New Jersey, sind jeden Tag lange unterwegs, um zu ihrer Dienststelle zu gelangen. Sie sind in New York City stationiert. Als ein Feuer im World Trade Center gemeldet wird, werden sie und ihre Kollegen dazu abkommandiert, zur Einsatzstelle zu fahren. Insgesamt fünf Polizisten der Einheit betreten das brennende Gebäude, um die Evakuierung voranzutreiben. Doch nach einer Reihe von Explosionen stürzt das Gebäude ein und begräbt die Ordnungshüter unter sich. Nur McLoughlin und Jimeno überleben den Einsturz. Begraben unter Betonbrocken harren die schwer verletzten Polizisten zwölf Stunden aus und kämpfen gemeinsam gegen die drohende Bewusstlosigkeit, die den sicheren Tod bedeuten würde. Währenddessen bangen ihre Familien um das Leben der beiden.



KRITIK

World Trade Center Dass Hollywood die Ereignisse des 11. Septembers 2001, an dem vier US-amerikanische Flugzeuge von Terroristen entführt und u.a. ins World Trade Center gesteuert wurden, irgendwann in Szene setzen würde, war absehbar. Fünf Jahre nach dem Terrorangriff, der ein ganzes Land traumatisierte, scheint die Zeit der medialen Aufarbeitung gekommen zu sein – das meint jedenfalls die Filmindustrie. Zahlreiche TV-Dokumentationen gab es schon, auch einen Film mit Doku-Charakter ("Flug 93"). Nun präsentiert Regisseur Oliver Stone ("Alexander", "Natural Born Killers", "JFK") den ersten Vollblut-Spielfilm zur World-Trade-Center-Katastrophe, bei der 2749 Menschen starben.

Amerika ist besessen von den zwei markanten Türmen des World Trade Centers. Dass die riesigen Gebäude innerhalb von nicht einmal zwei Stunden dem Erdboden gleichgemacht werden und einfach aus der Skyline Manhattans verschwinden könnten, war unvorstellbar. Der Schock saß entsprechend tief, als die Kolosse am 11. September 2001 in sich zusammenbrachen und ein gigantisches Trümmerfeld im Herzen New Yorks zurückließen, das den USA ihre eigene Verwundbarkeit grausam vor Augen führte. Mehr als alle anderen Katastrophenbilder des 11. Septembers ist das des brennenden World Trade Centers zum Wahrzeichen der Anschläge geworden. Und Amerika scheint sich nach der Zeit zu sehnen, als die Twin Towers noch standen. Hollywood lässt sie in "World Trade Center" wieder auferstehen. Und zögert nicht, sie bei jeder Gelegenheit in ihrer alten Pracht zu zeigen.

Als Nicht-Amerikaner mag einem das auffällig häufig wiederkehrende, für US-Bürger sicherlich stark emotional besetzte Bild der World-Trade-Center-Türme befremdlich erscheinen. Aber Aussöhnung und Aufbereitung bedeuten wohl manchmal dramaturgische Fehltritte. Viel mehr wird einem da vielleicht die stagnierende Handlung aufstoßen. Handlungsmittelpunkt sind schließlich die Polizisten McLoughlin und Jimeno – und die liegen nach anfänglichem Chaos ziemlich schnell flach. Genauso bewegungslos verharrt die patriotische Geschichte bei ihren zwei verletzten Protagonisten. Dass die beiden allein damit, im Geröll festzustecken, schon amerikanischen Heldenstatus erreicht haben, macht den Film deshalb nicht gerade sehenswerter.

World Trade Center Ablenkung vom eintönigen Dasein der Verschütteten bieten die rührseligen Erzählstränge rund um die Familien der Polizisten. Die zwei konservativen Vorort-Sippen können allerdings auch nicht viel zum Schicksal der Männer beitragen. Außer die Fassung zu verlieren und zu beten. Die vierfache McLoughlin-Hausfrau-Mutter (Maria Bello, "The Cooler", "Coyote Ugly"), deren abartig blau gefärbten Kontaktlinsen das Gesamtkonzept ihres Charakters empfindlich stören, verzweifelt, bleibt stark für die Kinder und schwelgt in Erinnerungen an ihren schnauzbärtigen Ehemann. Der schwangeren Angetrauten des ebenso bärtigen Will Jimenos (Maggie Gyllenhaal, "Secretary") geht es genauso.

Dass "World Trade Center" bei all der christlichen Familienidylle so unpolitisch sein soll, wie Oliver Stone selbst behauptet, ist mehr als unglaubwürdig. Die Filmmacher rufen schließlich eine weitere Figur auf den Plan, die dem Film eine geballte Ladung Patriotismus und Politik verpasst: Ex-Navy-Offizier Dave Karnes (Michael Shannon), der wie die anderen Charaktere auf einer realen Person basiert, entscheidet sich angesichts der Terroranschläge spontan, seine alte Uniform anzulegen und sich in Richtung Manhattan aufzumachen. Im Gepäck hat er neben viel christlichem Patriotentum auch einige verdächtig politische Weisheiten, die er dem Kinopublikum mit viel Ernsthaftigkeit kundtut. So verkündet er lautstark, Amerika müsse sich für die Anschläge rächen. Im Abspann wird erwähnt, der echte Dave Karnes habe heldenhafterweise im Irak gedient. Aber Moment mal – der Irakkrieg hatte doch offiziell gar nichts mit den Anschlägen des 11. Septembers oder den Taliban zu tun. Als Racheaktion verstand sich bisher nur der Militärschlag gegen Afghanistan. Ob dieses Verwirrungsmoment gewollt war?



FAZIT

World Trade Center "World Trade Center" soll vor allem die US-amerikanische Öffentlichkeit ansprechen. Der Film bestätigt auf sehr emotionale Art und Weise Heldenverehrung und kollektive Trauer, wie sie wohl nur in den USA existieren können. Die ur-amerikanische Zurückbesinnung auf Religion und traditionelle Familienwerte übertrug sich auf Europa bisher genauso wenig wie die Rachegelüste, die jenseits des Atlantiks seit fünf Jahren kultiviert werden. Ein Film, in dem dann genau solche Gefühle verarbeitet und auf den Gipfel getrieben werden, ist hierzulande also eine eher exotische Erscheinung. Man fragt sich, welche Form von Aufarbeitung aus dem Heldenepos "World Trade Center" überhaupt hervorgehen soll.

Von Therese Hopfmann



LINKS
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