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Wholetrain

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Kinostart
05.10.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
D/ PL

Verleih
Los Banditos Films, Starmedia Home Entertainment

Regie
Florian Gaag

Autor
Florian Gaag

Laufzeit
89 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Mike Adler
Florian Renner
Elyas M'Barek
Jacob Matschenz




Der totale Burner, Alter!

INHALT

Whole Train Als die HipHop-Kultur in den Großstädten der US-amerikanischen Ostküste in den Siebzigern langsam begann, sich in eine bedeutende Jugendbewegung zu entwickeln, verstand man unter HipHop eine Konstellation aus Breakdance, DJing, Rap und Graffiti. Heutzutage hat sich die einst so enge Verknüpfung zwischen den vier Grundelementen allerdings gelockert. Mainstream-Rap verbindet sich nicht mehr zwangsläufig mit den anderen Komponenten und auch Graffiti ist inzwischen über den HipHop-Rahmen hinausgewachsen. Wie die perfekte Old-School-Mischung, wo alle HipHop-Elemente noch zusammen wirken, aussieht, veranschaulicht Regisseur und Drehbuchautor Florian Gaag in "Wholetrain".

David (Mike Adler), Tino (Florian Renner) und Elyas (Elyas M’Barek) sind stolze Graffitikünstler. Das Trio, das sich selbst Keep Steel Burning (KSB) nennt, zieht gemeinsam durch das nächtliche München, um ihre Kürzel und Bilder auf Hauswänden und Betonpfeilern zu verewigen. Besonders heikel ist das Besprühen von Zügen, das von den Sprayern verlangt, sich eigenmächtig Zutritt zu Zugdepots zu verschaffen. Doch der Wettstreit mit der neuen Graffiti-Crew ATL, die ohne Zögern KSB-Bilder übermalt und verhöhnt, zwingt den geknickten David und seine Freunde dazu, sich auf ein waghalsiges Manöver einzulassen, um einen so genannten Wholetrain – einen komplett besprühten Waggon – fertig zu stellen. Für dieses Projekt riskieren die drei Jungs alles: David, der zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, muss damit rechnen, im Knast zu landen. Elyas lässt den familieneigenen Dönerladen im Stich. Tino drückt sich vor seiner Verantwortung für sein kleines Kind. Doch der Wholetrain-Plan geht trotz aller Vorbereitungen nicht auf. Und die Polizei ist den Jungs auch schon auf den Fersen.



KRITIK

Whole Train Wenn Szenesprache in Drehbücher Einzug hält, ist das Leinwandergebnis nicht selten schauderhaft. Völlig überdreht und realitätsfern sieht man Jungdarsteller dann schon mal Sätze hervorwürgen, die jeder Logik entbehren und sich jedem Versuch der Dechiffrierung verwehren. Wortverwurstungsprodukte wie "abfetzmäßig porno" und "endgeil" werden wahllos dahergeröhrt und lassen jegliches Szene-Feeling vermissen. Dass es auch authentischer geht, beweist Florian Gaag mit seinem Film "Wholetrain". Gaag war einst selbst ein aktives Mitglied des Münchener Graffiti-Milieus und so viel Praxisnähe zahlt sich aus: Zwar mag vielleicht nur ein Kenner der Sprayer-Szene wirklich immer verstehen, was die Protagonisten da genau von sich geben, dafür wirken die Dialoge jedoch erfrischend ungekünstelt und lassen vermuten, dass sie tatsächlich von einem Graffiti-Experten geschrieben wurden. Was "Writer", "Tag" und "Wholetrain" bedeuten, lässt sich außerdem recht einfach aus dem Kontext erschließen.

Neben einem gelungenen Drehbuch ist es vor allem Gaags Auswahl der Darsteller, die "Wholetrain" zu einem mitreißenden und empfehlenswerten Film machen. Sämtliche Hauptdarsteller sind Neulinge auf dem deutschen Filmmarkt, schauspielerisch stehen sie erfahreneren Jungschauspielern allerdings in nichts nach. Dass ihre Gesichter noch relativ unverbraucht sind, kommt "Wholetrain" in jedem Falle zugute. Der Film gewinnt damit an Authentizität und entwickelt als Schwerpunkt ein breit gefächertes Szeneporträt, statt sich auf einen bekannten Darsteller zu konzentrieren. Das Trio Mike Adler, Florian Renner und Elyas M’Barek ist somit Teil einer harmonischen Ode an die Graffiti-Kunst.

Weniger harmonisch ist selbstredend die Umgebung, der die Protagonisten David, Tino und Elyas entstammen. "Wholetrain" zeigt mehr als nur den Graffitikampf gegen die verfeindeten ATL-Leute, sondern umreißt auch großzügig das Leben der KSB-Crewmitglieder. Schnell wird dabei klar, dass so ein Sprayer-Leben alles andere als einfach ist. Nächtliche Kicks und künstlerische Selbstverwirklichung sind für David und Co. allenfalls kurzzeitige Abstecher, Ablenkung von ihren Problemen. Neben den obligatorischen Streitereien mit den Ordnungshütern zeigt "Wholetrain" auch, wie sich die drei Jungs vor allem mit beengten Wohnverhältnissen, Familienproblemen und Lustlosigkeit, was Bildung und Beruf betrifft, herumschlagen. Unschuldsengel sind sie dabei nie. Aggressiv und jegliche Verantwortung weit von sich schiebend bekleckern sich sie außerhalb ihrer Graffiti-Szene kaum mit Ruhm.

Whole Train Dass es sich bei Graffiti nicht unbedingt um ein Hobby von Unterschichtbengeln handelt, demonstriert schließlich noch Achim (Jacob Matschenz), der junge KSB-Aspirant aus gutem Hause, der das gefährliche und freie Gossenleben seines Mentors David beneidet. Drehbuchautor Florian Gaag erweitert durch diesen dramaturgischen Kniff, die Figur Achim dem Film beizufügen, das Spektrum von "Wholetrain" und schlägt so den direkten Bogen zu allen jugendlichen Zuschauern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Die Wertung "Prädikat: Besonders wertvoll" durch die Filmbewertungsstelle Wiesbaden hat sich "Wholetrain" also redlich verdient.



FAZIT

Unterstrichen von einem großartigen Soundtrack, den Allroundtalent Gaag selbst mitproduziert hat, ist "Wholetrain" ein wirklich stilechtes Porträt der hiesigen Graffiti-Kultur. Dieser Film ist so schlicht und effektiv wie sein Budget und darüber hinaus eine pädagogisch wertvolle Bereicherung für den deutschen Filmmarkt. Ein Geheimtipp für jeden Kinofan.

Von Therese Hopfmann



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