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Water

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Kinostart
07.09.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2005

Land
Indien

Verleih
Universum

Regie
Deepa Mehta

Autor
Deepa Mehta

Laufzeit
117 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Sarala
Manorama
Lisa Ray
Seema Biswas




Hoffnung auf reißende Fluten

INHALT

Water Im kolonialen Indien von 1938 wird das achtjährige Mädchen Chuyia kurz nach ihrer Hochzeit schon Witwe und muss in ein Heim, in dem hinduistische Witwen ihr Leben in Buße fristen. Die Frauen werden dort hingeschickt, um „schlechtes Karma“ zu sühnen, aber nicht selten vor allem deshalb, um ihren Familien nicht finanziell und emotional zur Last zu fallen. Das lebhafte Mädchen bringt das Leben der Bewohnerinnen gehörig durcheinander, besonders das der schönen Witwe Kalyani, die sich in den jungen Gandhi-Anhänger Narayan verliebt. Doch ein trauriges Geheimnis, das Kalyani umgibt, zerstört die Zukunftspläne der beiden Liebenden, und verändert auch das Leben der kleinen Chuyia.



KRITIK

In einen Filmtitel wie „Water“ lässt sich immer jede Menge hineininterpretieren. Ist Wasser ein trauriges Element oder ein fröhliches? Wie immer kommt es auf den Standpunkt an, so mag der eine die fröhliche Bewegung eines Springbrunnens vor Augen haben, der andere denkt an einen dunklen See mitten in einer tristen Sumpflandschaft. In Deepa Mehtas Film „Water“ sind die Wasser still, fast so starr und unbewegt wie die festgefahrenen Traditionen im Indien der 30er Jahre. Und viel scheint sich seitdem nicht geändert zu haben: Die Regisseurin musste den Film heimlich und mit fünf Jahren Verzögerung unter einem anderen Titel auf Sri Lanka drehen, da hinduistische Fundamentalisten die früheren Dreharbeiten in Indien immer wieder mit Anschlägen zu stören versuchten. Nach ihren gesellschaftskritischen Filmen „Fire“ und „Earth“ (leider nie in Deutschland erschienen) hat Mehta vor allem den Ärger von Bal Thackeray, Anführer der rechtsextremen Shiv Sena, auf sich gezogen, der die Regisseurin einst als die Person bezeichnet, die er „am meisten auf der Welt hasst.“

Water Diese tiefe Traurigkeit, die von den stillen Wassern des Flusses ausgeht, zieht sich durch den kompletten Film. Gleich zu Beginn ist es nur schwer mit anzusehen, wie Chuyia, ein achtjähriges Mädchen, die Haare vom Kopf geschoren bekommt und schließlich in das Witwenhaus gebracht wird – im Gegensatz zum Zuschauer weiß das kleine Mädchen noch nicht, dass sie hier ihr komplettes Leben wird verbringen müssen. Und auch dieses Heim für Witwen ist ein todtrauriger Ort mit einer autoritären Ordnung, geleitet von einem alten Weib, das nichts übrig hat für die Energie eines achtjährigen Kindes, das von jetzt an das Leben im Witwenhaus auf den Kopf stellt. Langsam scheint Chuyia durch die ausweglose Situation ihre Kindlichkeit zu verlieren, als Hoffnungsschimmer bleibt nur die Freundschaft zu Kalyani, die als einzige Bewohnerin ihre Haare behalten darf, da sie in der Nacht über die stillen Wasser des Flusses gefahren wird und am anderen Ufer als Prostituierte arbeitet.

Auch optisch wissen Mehta und ihr Kameramann Giles Nuttgens die Atmosphäre des Films umzusetzen: Die tristen Bilder der schmutzigen Straßen und des Alltags im Witwenhaus wechseln sich ab mit dem leuchtenden Blau-Schwarz der Nächte, in denen der Fluss lebendiger erscheint als am Tage. Angesichts dieser atemberaubenden Atmosphäre fürchtet man immer wieder, dass das Kino-Erlebnis durch die Liebesgeschichte, ohne die auch diese indische Produktion nicht auskommt, zerstört wird. Doch Mehta schlägt auch hier den richtigen Ton an: Zwar passt dieser Teil der Geschichte am wenigsten in die traurige Gesellschaftskritik, die Liebe zwischen der Witwe und dem Gandhi-Anhänger bewegt sich trotz ihrer Melodramatik aber fernab von jedem Bollywood-Kitsch.

Schließlich taucht selbst Gandhi als Film-Figur auf, wohl als eine Hoffnung auf Veränderung, die viele Inder der damaligen Zeit bewegte. Eine Hoffnung, die zwar teilweise erfüllt werden konnte, heute aber noch genauso stark ist wie in den 30er Jahren. Denn das gesellschaftliche Ansehen der Witwen im heutigen Indien ist in vielen Regionen noch immer nicht viel anders als damals. Die Hoffnung lebt also genauso weiter wie die zweifelhaften religiösen Rituale, schon der Titel des Films macht das deutlich, „Water“. Auf dass sich die traurigen Wasser dieses still stehenden Flusses endlich in Bewegung setzen und mit dem kaum zu ertragenden Elend auch die strengen und längst überholten Sitten wegschwemmen mögen. Dann können irgendwann auch die Filme von Deepa Mehta in ihrem Heimatland gezeigt werden, ohne dass sich diese mutige Regisseurin um ihr Leben fürchten muss.



FAZIT

Water Es bleibt dabei: Ob „Tsotsi“ aus Südafrika, „Brotherhood“ aus Südkorea oder jetzt „Water“ aus Indien, die besten und anspruchsvollsten Filme der laufenden Kino-Saison kommen nicht aus Amerika, sondern aus Ländern, deren Filme ein Teil von Vergangenheitsbewältigung darstellen, die in anderen Medien kaum vorkommt. „Water“ bringt uns auf eindrucksvolle Weise eine fremde Religion nahe und klagt dabei durch eine nüchtern erzählte Geschichte noch immer aktuelle Missstände an. Mit „Water“ ist Deepa Mehta ein außerordentlich schöner und bewegender Film gelungen, der eindrucksvoll beweist, dass das indische Kino viel mehr kann, als es die sich stets wiederholenden Bollywood-Schnulzen glauben lassen.

Von Till Kadritzke



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