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Eine unbequeme Wahrheit

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Original Titel
An Inconvenient Truth

Kinostart
12.10.2006

Genre
Dokumentarfilm

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Davis Guggenheim

Autor
Bob Richman/ Davis Guggenheim

Laufzeit
96 Minuten

Hauptdarsteller
Al Gore




Wenn Eisbären ertrinken

INHALT

Eine unbequeme Wahrheit Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Was ihn gelegentlich aus seinem müden Alltagstrott aufzuwecken vermag, sind Nachrichten. Fetzige News Flashs! Schockierende Sensationsmeldungen! Nervenaufreibende Live-Ticker! Die nervös zitternden Stimmen der Reporter auf dem Aktualitätenschlachtfeld! An Dauermeldungen gewöhnt sich Homo sapiens newsflashicus indes ziemlich schnell und zappt weiter. Trinkwasserknappheit weltweit, jährlich 2,4 Millionen AIDS-Tote in Afrika, Diktatur in Turkmenistan – ja, das kann schon mal langweilig werden. Ist ja alles so abstrakt! Da sind doch Paris Hiltons Scheineskapaden und Kate Moss’ Skandalleben schon eher eine Meldung wert.

Unbequem, genau das sind dann Filme wie Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit“, in dem das Dauerproblem globale Erwärmung endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die in Anbetracht seiner weitreichenden Konsequenzen angebracht ist. Der Film dokumentiert Gores Multimedia-Präsentation zum Thema, mit der der Fast-Präsident der Vereinigten Staaten nach George W. Bushs knappen und bis heute umstrittenen Wahlsieg 2000 auf Tour ging. Sein Vortrag über globale Erwärmung ist eine umfassende, sehr schlüssig aufbereitete Sammlung von Fakten und Statistiken, die Gore mit viel Charme und Knowhow vermittelt.



KRITIK

Eine unbequeme Wahrheit Kinogänger mit einem Dokumentarfilm zu begeistern, ist alles andere als eine leichte Aufgabe. Erst Michael Moores eigenwillige Dokumentation "Bowling for Columbine“ (2002) schaffte es, weltweit ein großer Leinwanderfolg zu sein. Dabei war die Brisanz des Filmthemas nur ein kleiner Teil der Erfolgsformel. Viel wichtiger – und das wussten auch Al Gore und Regisseur Davis Guggenheim – ist die kreative Vermittlung des Problems, die Zuschauer faszinieren und aufschrecken muss, um wirkungsvoll zu sein.

So ist es also kaum verwunderlich, dass Gore und Guggenheim für "Eine unbequeme Wahrheit“ das Mooresche Konzept der großen, bunten Zahlen und Schwindel erregenden Statistiken adaptierten. Quellenangaben und Herkunftsnachweis für das Datenmaterial gibt es, wie schon bei Moore-Dokumentationen, allerdings fast nie. Zugegeben, das erspart dem Zuschauer das unaufregende Kleingedruckte. Doch bei dem Gedanken, Ex-Politiker Gore im Bezug auf Statistiken sein ganzes Vertrauen zu schenken, dürfte manchem Dokumentarfilmfreund schon mulmig werden.

Eine unbequeme Wahrheit Gore anzukreiden, in seiner Präsentation Politik und Wissenschaft lobbyistisch zu mischen, wäre indes vollkommen fehl am Platz. Zwar ist und war globale Erwärmung immer ein politisches Thema, das gerade in den USA bisher immer eine wahrhaft unheilige Allianz zwischen Regierung und Wirtschaftsriesen provoziert hat, aber Gore lässt sich nicht auf einen politischen Schlagabtausch ein. Für ihn ist die Aufklärung über Erderwärmung eine Herzensangelegenheit, die er sich schon als Student zum Ziel machte. Dass nun George W. Bush in dem Amt sitzt, um das sich 2000 auch Gore bewarb, ist in "Eine unbequeme Wahrheit“ völlig nebensächlich und für Gore keine Grundlage, eine verbitterte "Was wäre wenn ich jetzt Präsident wäre“-Debatte in Gang zu setzen. Die Wahlniederlage schmerzt sichtlich noch, aber Gore macht größtenteils einen durchaus gelassenen Eindruck. Er ist charismatischer denn je, ernsthaft und witzig zugleich.

Vor allem aber ist der Ex-Politiker voller Zuversicht, dass die Rettung des Erdklimas möglich ist. Bei allem Faktengrusel über den rapiden Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen, das Schmelzen der Polarkappen oder das gehäufte Auftreten von Naturkatastrophen lässt Gore nie einen Hoffnungsschimmer vermissen. Er zeigt, dass schon kleine Änderungen in jedem beliebigen Privathaushalt zur Stabilisierung des Erdklimas und zur Schonung von Ressourcen beitragen könnten. Dass das Problem globale Erwärmung zu groß sei, um es anpacken zu können, oder zu klein, um der Welt zu schaden, ist – so beweist Gore in "Eine unbequeme Wahrheit“ – nichts als ein Ammenmärchen der Industrie, Politik und entsprechend affilierten Medienvertretern.



FAZIT

Eine unbequeme Wahrheit "Eine unbequeme Wahrheit“ ist kein Dokumentarfilm, der uns in geheimnisvolle Winkel der Erde entführt. Keine Expedition ins Tierreich, die man getrost wieder vergessen kann. Keine Reportage über neueste technische Entwicklungen. Kein Ausflug in politisches Gefilde, wo man den Durchblick verliert. "Eine unbequeme Wahrheit“ erinnert Augen öffnend an ein Problem, das die Welt seit Jahrzehnten kontinuierlich und sich verschärfend plagt und trotzdem nicht als dringlich wahrgenommen wird, obwohl es alle Kontinente, Länder und Menschen betrifft. Dieser Film ist ein Muss für jeden, der globale Erwärmung nur als Randnotiz in der Zeitung kennt.

Von Therese Hopfmann



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