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V wie Vendetta

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Original Titel
V for Vendetta

Kinostart
16.03.2006

Genre
Science Fiction / Action

Erscheinungsjahr
2006

Land
GB / D

Verleih
Warner Bros.

Regie
James McTeigue

Autor
Andy Wachowski / Larry Wachowski

Laufzeit
132 Minuten

FSK
ab 16 Jahren

Hauptdarsteller
Natalie Portman
Hugo Weaving
Stephen Rea
Stephen Fry




Von der Wahrheit und anderen Lügen

INHALT

V wie Vendetta London nach dem dritten Weltkrieg in einer nicht allzu fernen Zukunft: Auf den ersten Blick hat sich das Äußere der Metropole nur marginal gewandelt, doch das einst so freie, multikulturelle Lebensgefühl ist unter dem Druck einer diktatorischen Regierung gewichen. In sämtlichen Belangen - kulturell wie sozial - gleichgeschaltet, tristet die Bevölkerung ein konformes Leben ohne jegliche Individualität. Die Lautsprecher auf den Straßen erinnern die Bewohner stets daran, dass nachts Ausgangssperre herrscht - Zuwiderhandlungen werden mit empfindlichen Strafen geahndet.

Dies muss auch Evey (Natalie Portman) am eigenen Leibe erfahren, als sie während der Ausgangssperre in einer düsteren Gasse von so genannten Fingermen bei ihrem Vergehen gestellt wird. Doch jedes totalitäre System wird von Korruption und Willkür beherrscht. Die ungehobelten Spitzel bilden hier keine Ausnahme, weshalb der jungen Evey die Vergewaltigung durch eine Handvoll Fingermen droht. Doch just in diesem Moment betritt eine Gestalt die bedrohliche Szenerie; eine Gestalt, die mit Hut, schwarzem Umhang und einem steten Dauergrinsen eine Symbiose aus Zorro und Batman's Joker zu sein scheint.

Jedoch wird schon nach kurzer Zeit klar: Der Mann hinter der starren Maske, der sich selbst nur V nennt, hat Größeres vor, als sich nur als Retter der Nacht für ein unschuldiges Mädchen zu erweisen. Nachdem der Pöbel dank V's beeindruckender Kampfkunst ausgeschaltet ist, lädt der schwarze Ritter die noch immer verstörte Evey zu einem explosiven Schauspiel ein. Die lautstarke Vorstellung läutet den Anfang vom Ende ein, denn zu Beginn fällt nur die berühmte St.-Paul’s-Kathedrale in Schutt und Asche, doch zum Schluss soll das totalitäre Regime in Trümmern liegen. So der Plan - V wie Vendetta, Vendetta wie Blutrache...



KRITIK

V wie Vendetta Obwohl es nicht deren erstes Werk war, kamen die inzwischen legendären Wachowski-Brüder, Andy und Larry, mit "The Matrix" und den beiden Nachfolgern "Reloaded" und "Revolutions" zu beachtlichem Ruhm und einem nicht minder relevanten finanziellen Erfolg. Im Gegensatz zur "Matrix"-Trilogie überließen die aus Chicago stammenden Brüder bei "V wie Vendetta" aber die Regiearbeit James McTeigue, der zuvor als Regieassistent bei "Matrix" seine Arbeit versah. So setzten die Wachowskis, neben den Aufgaben als Produzenten, ihren Fokus auf das Schreiben des Drehbuches. Als Vorlage diente ihnen der bereits 1981 erschienene Comic-Roman "V for Vendetta", der die Geschichte um einen faschistischen britischen Polizeistaat zum Thema hat.

Um ein fiktives Gewaltregime zu schaffen, war es wohl nicht notwendig, die Phantasie besonders zu beanspruchen, gibt es und gab es doch ausreichend Vorlagen aus der realen Welt. So zeigen sich in "V wie Vendetta" zahlreiche Symbole und Verhaltensweisen auf, die stark an die des Dritten Reiches unter Hitler erinnern. Angefangen von entsprechenden Runen über Militärparaden bis hin zu Propagandareden à la Joseph Goebbels finden sich sämtliche Indizien, die für eine Gewaltherrschaft stehen. Dem Zuschauer wird mehr oder weniger subtil, aber auf jeden Fall effektiv dargelegt, wie sich auch heutzutage Despotien aus vermeintlich liberalen Systemen entwickeln können: Macht durch Angst. Terroranschläge, durch wen auch immer verursacht, schüren die Angst der Bevölkerung in einem Maße, dass sie selbst mit der Beschneidung ihrer Persönlichkeitsrechte zwecks erhöhter Sicherheit einverstanden ist. Ein "Anti-Terror"-Gesetzt folgt dem nächsten - bis es zu spät ist. Einige wenige aus Politik und Wirtschaft herrschen gewaltsam über viele Millionen. Wer hier Analogien zur derzeitigen politischen Lage mancher Länder - ob westlich oder im Nahen Osten - entdeckt, dem zeigt sich die aktuelle Brisanz von "V wie Vendetta" auf.

V wie Vendetta Trotz der ernsthaften Hintergründe sollte dennoch nicht vergessen werden, dass es sich um einen mit Action gespickten und vor allem einen Unterhaltungsfilm handelt, dessen Protagonisten bewegende Vorgeschichten hinter sich haben. Mit Sicherheit ist V kein typischer Held oder gar ein Superheld. Er spielt in einer anderen Liga als Spider-Man oder Batman, obwohl V's persönliche Rachegelüste schon etwas mit denen der Fledermaus gemein haben. Der Endgegner soll nun jedoch nicht aus nur einer Einzelperson, sondern dem gesamten System bestehen. Hinter der statischen Maske des V steckt kein geringerer als Hugo Weaving alias Agent Smith ("Matrix") oder Elrond (Der Herr der Ringe). Weaving ist wohl einer der wenigen Schauspieler, die gleich in zwei überaus erfolgreichen Trilogien gespielt haben.

Gerade die Maske sollte es sein, die den schauspielerischen Fähigkeiten des Australiers viel abverlangte, da sämtliche Gemütszustände, bedingt durch eine nicht vorhandene Mimik, nur durch Weaving's Körpersprache transportiert werden mussten. Und tatsächlich: Nach einer gewissen Zeit wird V dem Zuschauer zunehment vertraut, ja geradezu sympathisch, obwohl dessen wirkliches Antlitz nie erkennbar ist. Im Umkehrschluss hatte Natalie Portman eine ebenso schwere Bürde zu tragen, hatte sie doch während der Dreharbeiten nur eine grinsende Maske vor sich, mit der die Darstellerin aus "Star Wars", Episoden I bis III, interagieren musste. Doch wie nicht anders erwartet, glänzte die Theater erfahrene gebürtige Israelitin mit Professionalität und Talent. Das Ergebnis sind starke Szenen eines anfänglich labilen Charakters, der sich jedoch im Laufe der Zeit und bedingt durch eine gehörige Portion Psychoterror beachtlich entwickelt und letztendlich Widerstand zu leisten vermag.

So manchen Widerstand hat auch das Filmteam erfahren müssen, als unter größten Sicherheitsvorkehrungen nächtliche Szenen im Regierungsviertel von London abgedreht wurden. Sämtliche Filmwaffen und Panzer standen unter permanenter Bewachung - ein Szenario, das möglicherweise der fiktiven Welt dieses Films in Sachen Polizeipräsenz bedenklich nahe kam. Man mag es als eine Ironie des Schicksals betrachten, dass alle weiteren Dreharbeiten in Deutschland, um genauer zu sein, in Berlin und den Studios von Babelsberg abgehalten wurden - natürlich ganz ohne Polizeischutz.



FAZIT

V wie Vendetta Besonders in einer Zeit, in der wir es für nahezu unmöglich halten, dass faschistische Regime wieder das Zepter in die Hand nehmen, sollte erhöhte Aufmerksamkeit geboten sein. Derartige Systeme kommen nicht von heute auf morgen, sondern schleichende Prozesse lassen sie an Macht gewinnen. Wer nach Staaten mit Tendenzen zu so genannten light-Diktaturen sucht, muss nicht hochnäsig über den großen Teich schauen. Denn in einem Land der Europäischen Union kommt es vor, dass ein Gros der Medienanstalten von der Regierung und speziell dem Ministerpräsidenten kontrolliert werden. Und wenn Medien gleichgeschaltet werden, dann ist der Weg zur Despotie bereits geebnet. Wenig beachtet und dennoch fragwürdig: eben jene Regierende verabschieden Gesetze, mit denen sie der Justiz entrinnen können oder mit denen sie verbesserte Chancen bei den kommenden wahlen haben, die es immerhin noch zu geben scheint. Somit ist "V wie Vendetta" keineswegs ein Aufruf zur Revolution; mitnichten, sondern ein Appell gegen Lethargie und Apathie seitens der Bevölkerung gegenüber ihren Volksvertretern.

Wer jetzt verschreckt ist und zuviel Tiefgang erwartet dem sei jedoch gesagt, dass dieser Streifen trotz oder gerade wegen seines Hintergrunds hervorragendes Popcorn-Kino ist. Jedoch knallt und kracht es hier nicht permanent der Effekte wegen, sondern nur dann, wenn es Mittel zum Zweck ist. Für Anhänger von plumpen Prügeleien und wildem Geballer heißt es wohl: Wir dürfen draussen bleiben. Dieses intelligent arrangierte und vielleicht nicht ganz konservative Kino im Wachowksi-Stil begeistert wohl all jene, die Spaß an einer spannenden und einer nicht immer geradlinigen oder zumindest nicht immer vorausschaubaren Story haben.

Von Lars Lehmann



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