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TKKG - Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine

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Kinostart
28.09.2006

Genre
Kinderfilm

Erscheinungsjahr
2006

Land
D

Verleih
Constantin

Regie
Tomy Wigand

Autor
Marco Petry

Laufzeit
117 Minuten

FSK
ab 6 Jahren

Hauptdarsteller
Jannis Niewöhner
Jonathan Dümcke
Lukas Eichhammer
Svea Bein




Ode an Holzhammer und Fingerzeig

INHALT

TKKG TKKG, das sind Tim (Jannis Niewöhner), Karl (Jonathan Dümcke), Klößchen (Lukas Eichhammer) und Gaby (Svea Bein). Bekannt wurde das klischeeverliebte Kinderquartett durch eine gleichnamige Jugendbuch- und Hörspielkassettenreihe, die in den Achtzigern berühmt wurde. Es folgten außerdem Formatierungen zur Fernsehserie und zum Kinofilm, die allerdings weniger Anklang fanden und weitgehend in Vergessenheit geraten sind. "TKKG und das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine" ist nun der zweite Film-Versuch und – so verrät der zweiteilige Titel à la Harry Potter – zugleich eine Androhung, in eine mehrteilige Zuschauerschikane auszuarten.

In der Heimatstadt der vierköpfigen Truppe verschwinden Kinder plötzlich spurlos. Erst wird ein Junge entführt, dann ein jugendliches Pärchen. Während Gabys Vater Kommissar Glockner (Jürgen Vogel, "Das Leben ist eine Baustelle") versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, bemerken Gaby und ihre Freunde, dass sich ihr Mitschüler Kevin (Hauke Diekamp, "Das fliegende Klassenzimmer") äußerst merkwürdig verhält. Kevin hat eine so genannte Mind-Machine erfunden, die die Denkleistung jedes Menschen ankurbeln können soll. Doch während er seinen preisgekrönten Apparat in der Schule vorstellen soll, verliert er die Nerven und stürmt davon. Als dann auch noch seine Freundin Nadine (Anna Hausburg) verschwindet, ist für TKKG klar: Der düstere Juniorwissenschaftler hat etwas mit der unerhörten Kinderkidnapperei zu tun. Na warte, Strolch, wenn TKKG dich erst einmal findet, dann kannst du was erleben!



KRITIK

TKKG Zugegeben, wirklich "in" war TKKG eigentlich nie. Die Truppe hatte immer eher Bilderbuchcharakter und verbreitete Strebermuff, der "hippe" Frühreiflinge verschreckte. Da nennen die TKKG-Mitglieder Anführer Tim immerzu "Häuptling", Karl löst Rubiks Würfel in Rekordzeit, Klößchen erträgt ständige Kommentare über sein Übergewicht ohne Murren und Verzagen und Gaby mag es einfach, Tims Freundin zu sein. Brrr. "In" sieht anders aus.

Fehlende Gegenwartstauglichkeit ist älteren Hörspiel- und Buchvertretern der TKKG-Reihe noch zu verzeihen. Die Macher des Films "TKKG und das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine" betonen jedoch, in ihrer Adaption "eine Geschichte aus dem Alltag moderner Kinder", so die Produzentin Uschi Reich ("Bibi Blocksberg", "Emil und die Detektive"), verarbeitet zu haben. Dass dies nicht zutrifft, wird im Film relativ schnell klar. Zunächst sind da die Dialoge, die alles andere als zeitgemäß dahinparliert werden. Mit Jugendsprache haben die Hochdeutschkinder überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil, man fühlt sich teilweise ans englische Mädcheninternat der alten "Hanni und Nanni"-Romane versetzt, wo sowohl Hanni als auch Nanni so schön in trauter Zweisamkeit vor sich her schwätzten.

Ein weiterer, gänzlich unmoderner Fehlgriff ist die ominöse Mind-Machine. Das Gerät selbst erinnert an frühe Star-Trek-Kulissen, ihre Wirkungsweise an vorsintflutliche Heilpraktiken. Mit Stromstößen soll die Gehirn-Maschine Synapsen stimulieren und so den Benutzer zum Genie machen. Dass Schüler-Wissenschaftler Kevin den mit Schläuchen und Lichtern aufgepeppten Apparat selbst erfunden haben soll, ist trotz der recht einfachen Hintergrundidee unglaubwürdig.

TKKG Was der böse Bub mit den entführten Kindern im Schilde führt, ist nicht schwer zu erraten: Das Enfant terrible führt an ihnen Experimente zwecks Testung neuer Prototypen durch. Die Opfer, die nach der Gehirnwäsche ziemlich kooperativ sind, sind übrigens Waisen oder Halbwaisen – wie Kevin selbst. Bahnt sich da eine komplexe psychologische Offenbarung des Täters an? Nein, die Waisengeschichte ist nur eine schauerliche Sackgasse der Nebenhandlung. Täter Kevin wird selbst alsbald zum Opfer größenwahnsinniger Gauner und seine Schuld ist schnell vergessen. Der geläuterte Jugendtüftler verkündet schließlich reuig, wir alle könnten ganz ohne Mind-Machine zu "Supermenschen" werden. Ah, Balsam für die Seele!

Wer glaubt, die Moral von der Geschicht’ sei mit dem Abschwören der "modernen" Maschinenwelt bereits erreicht, irrt: "TKKG und das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine" hat noch mehr rudimentäre Phrasen auf Lager. So lehrt uns der Film des Weiteren, dass man auf Eltern zu hören hat, dass die Familie abgöttisch zu verehren ist und dass Lernen Spaß – ja, tatsächlich eine Riesengaudi! – macht. Der ganz normale "Alltag moderner Kinder" eben. Danke für die Erleuchtung, Uschi Reich!



FAZIT

TKKG "TKKG und das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine" entführt den Zuschauer in die Abgründe des deutschen Kinderfilms. Stereotypische Heldenkinder und Gutmenscherwachsene belehren in Bilderbuchmanier über Gut und Böse jenseits der Realität. Der Film ist eine wahre Ode an Holzhammer und Fingerzeig, wie man sie der deutschen Filmindustrie gar nicht mehr zugetraut hätte.

Von Therese Hopfmann



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