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The Call

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Original Titel
Chakushin ari

Kinostart
03.11.2005

Genre
Horror

Erscheinungsjahr
2004

Land
Japan

Verleih
3L

Regie
Takashi Miike

Autor
Minako Daira / Yasushi Akimoto

Laufzeit
112 Minuten

Hauptdarsteller
Kou Shibasaki
Shinichi Tsutsumi
Kazue Fukiishi
Renji Ishibashi




Ring, Ring Klingelton

INHALT

The Call Ein Anruf aus der Geisterwelt verkündet dem Angerufenen, dass er bald sterben wird. So geschieht es, und kurz darauf klingelt das Telefon schon beim nächsten Opfer. Kennen wir das irgendwoher? "The Ring 33 1/3"? So ungefähr. Nur dass der böse Telefongeist im Jahr 2005 anders als im japanischen Horrorklassiker von 1998 kein Videotape mehr benötigt, sondern sich ganz bequem über den Nummernspeicher im Handy seines jeweils letzten Opfers weiterverbreiten kann. Und selbstverständlich hat der Geist heute seinen persönlichen Klingelton.

Yumi ist eine schüchterne Studentin, die genug mit den Dämonen aus ihrer eigenen Kindheit zu tun hat. Einige ihrer Kommilitonen hat der Telefonfluch schon dahingerafft, als nächstes ist ihre Freundin Natsumi dran. Verzweifelt versucht die ihr Glück mit einem live im Fernsehen übertragenen Exorzismus. Yumi und Hiroshi, der Bruder eines der ersten Opfer, denken, dass ihr eher zu helfen sein könnte, wenn es ihnen gelänge die Telefonkette bis zu ihrem gespenstischen Urheber zurückzuverfolgen. Doch die Zeit drängt, und wer den nächsten Anruf bekommt, wenn sie scheitern sollten, kann sich Yumi fast schon denken.



KRITIK

The Call Weil sie dieses Mal wieder besonders schön sind, hier ein paar Presseheftzitate über den japanischen Regisseur Takashi Miike ("Audition", Ichi The Killer", "Three ... Extremes", "Izo"): Er machte "die tiefsitzende Furcht seiner Landsleute vorm Weib, dem unbekannten Triebwesen zum zentralen Thema". Er "ist ein obsessiver und skrupelloser Filmemacher". "Er zeigt auch ein besonderes Interesse an zwischenmenschlichen Beziehungen. In Visitor Q beispielsweise geht es um eine dysfunktionale japanische Familie, in der die minderjährige Tochter als Prostituierte jobbt, die Mutter Heroin spritzt und der Vater Leichen vergewaltigt."

Um es etwas sachlicher anzugehen, hier nur das Wichtigste, was über Takashi Miike zu sagen ist: Bei allem, was im weitesten Sinne Horrorfilm ist, weiß er ganz einfach, was er tut. Auch dann, wenn er einen Film wie "The Call" dreht, der offensichtlich aufs Kassemachen aus (in Japan war er darin sehr erfolgreich), bei dem alles nur geklaut, an dem sicherlich nichts genial oder nur originell ist - er weiß, was er tut. Wer meint, das sei nicht viel, der hat noch nicht genügend schlechte Horrorfilme gesehen.

Miike weiß, was eine Tonspur ist und dass man ihre Lautstärke nicht immer hochfahren muss, um die Zuschauer zu erschrecken, sondern, dass es auch eine Unzahl subtilerer Möglichkeiten gibt. Miike weiß, dass das Geräusch, das beim Abknipsen von Zehennägeln entsteht, richtig eingesetzt erheblich gruseliger ist als ein tosender Gewittersturm. Miike, der schon die schönsten filmischen Blutbäder angerichtet hat, weiß, dass auch einige wenige, ausgewählte Splatterzutaten, an der richtigen Stelle eingesetzt, äußerst wirkungsvoll sein können. Er weiß, dass sich eine düstere Atmosphäre immer noch am besten erzeugen lässt, wenn man in den entscheidenden Details genau ist, dass es sich lohnt auch eine Nebenfigur wie einen alten abgebrühten Polizisten mit einem nicht weniger abgebrühten Schauspieler (Renji Ishibashi) zu besetzen. Er weiß, wie man auf unspektakulärste Weise die Außenseiterposition seiner Heldin in Szene setzt, ganz einfach indem man zeigt, wie sie sich von einer Einladung des von allen umschwärmten Kommilitonen als einzige in der Gruppe gar nicht angesprochen fühlt. Er weiß, wie man eine passive Heldin glaubwürdig aktiv werden lässt, wie man für seine Identifikationsfigur die Gratwanderung zwischen zu unsympathisch und zu heldenhaft meistert und die richtige Schauspielerin für diese Rolle (Kou Shibasaki) findet.

The Call Miike ist souverän genug, ganze Szenen und Kameraeinstellungen dreist eins-zu-eins aus "The Ring" zu übernehmen, nur um direkt danach einen Ton anzuschlagen, der nicht die geringste Ähnlichkeit mit diesem Vorbild aufweist. Miike türmt bedenkenlos Horrorfilmklischees aufeinander, aber es stört nicht, weil es fast spielerisch wirkt und weil die Geschichte seiner Figuren dennoch immer berührt. Er inszeniert Horror ausgezeichnet und allemal gut genug, um sich außerdem trockenen schwarzen Humor und überdrehte böse Satire erlauben zu können, ohne dass sein Film dadurch weniger gruselig wird.

Über den Schluss von "The Call" werden sich einige Leute ärgern. Fast jeder Horrorfilm wartet am Ende mit einer überraschenden, vorgeblich logischen Wendung auf. Selten ist sie so gelungen wie zuletzt in "Der verbotene Schlüssel", häufig ist sie fürchterlich blöd. In "The Call" wird gemäß seinem Alles-nur-geklaut-Konzept eine ganze Menge solcher Pointen einfach hintereinander gereiht. Wer sich da ein bisschen verarscht vorkommt, liegt sicher nicht ganz falsch. Der Rezensent findet: Manche Klischees werden erst dann wieder schön, wenn man sie ein wenig übertreibt. Apropos schön: Am Schluss schenkt uns Kou Shibasaki ein wunderschönes Lächeln, während sie hinter ihrem Rücken verborgen eines dieser klassischen japanischen Küchenutensilien hält, das man auch in das gelungenste amerikanische Remake nicht so stilvoll einbauen könnte.



FAZIT

The Call Nichts Neues, aber: Besser gut geklaut als schlecht selber erfunden. Der Plot von "The Call" ist "The Ring" fürs Handy. Zusätzlich beutet Takashi Miike für seinen Film noch alle anderen Highlights der - nicht nur japanischen - Horrorvideothek aus, einschließlich seiner eigenen Filme. Was herauskommt ist genauso böse wie "Ring", aber weniger atmosphärisch, dafür brutaler, schwarzhumoriger und deutlicher sozialkritisch. Und, ja, es ist spannend, und die Schocker funktionieren. Miike jongliert souverän mit seinen Horrorversatzstücken.



Von Martin Thoma



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