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Stealth - Unter dem Radar

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Original Titel
Stealth

Kinostart
15.09.2005

Genre
Action / Science Fiction

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Sony

Regie
Rob Cohen

Autor
W. D. Richter / Rob Cohen

Laufzeit
120 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Josh Lucas
Jessica Biel
Jamie Foxx
Sam Shepard
Joe Morton




1500 Liter Benzin mehr als normal

INHALT

Stealth - Unter dem Radar In naher Zukunft fliegen die drei besten Kampfpiloten der US-Navy in den drei neuesten Stealthbombern quer über den ganzen Globus. Ihr Auftrag: aus der Luft Terroristenbanden zu liquidieren. Doch dann stößt ein Vierter in ihr eingeschworenes Team: EDI. EDI heißt Extremely Deep Invader (ein klasse bescheuerter Name, nach dessen erstmaliger Erwähnung tatsächlich sofort der voraussehbare sexuell anzügliche Spruch kommt). EDI fliegt ohne menschlichen Piloten, gesteuert von einer lernfähigen künstlichen Intelligenz. Leider entwickelt sich diese nach einem Blitzeinschlag anders als erhofft. EDI verweigert seinen Vorgesetzten den Gehorsam und macht sich daran im Alleingang den dritten Weltkrieg anzufangen, weil er ein Worstcaseszenario der US-Armee für bare Münze nimmt. Jetzt können ihn nur noch die drei menschlichen Stealthpiloten aufhalten.

Das sind: Nummer 1: Ben Gannon, der Allerbeste und von Anfang an besorgt, EDI könnte ihm seinen Rang streitig machen, zudem Love Interest von Nummer 2: Kara Wade, Love Interest von Nummer 1, die Quotenfrau des Films, Vorzeigefrau der Navy mit guten Karriereaussichten, zuständig auch für die weichen Faktoren, also diejenige, welche kurz vor Bombenabwurf noch schnell mit der Einsatzleitung die Kolalateralschäden diskutiert (läuft ungefähr so ab: "Ach jetzt, wo du’s erwähnst, Kara, fällt uns auch ein, dass in der Stadt da Menschen wohnen, das ist jetzt natürlich blöd ..."). Last and least Nummer 3: Henry Purcell, der Neger vom Dienst, als solcher schwanzgesteuert und andauernd am Sprücheklopfen.

Henry wird zum Glück ziemlich schnell von EDI in die ewigen Jagdgründe befördert. Kara dagegen entgeht knapp seinem Schicksal und kann sich mit dem Schleudersitz retten. Leider ausgerechnet über Nord Korea. Wie peinlich! In (hoffentlich nicht) realistischer Einschätzung des diplomatischen Geschicks der US-Regierung kommt Kara zu dem Schluss, dass ihre Überlebenschancen im Land des Bösen am größten sind, wenn sie sich im Alleingang bis zur südkoreanischen Grenze durchballert. Inzwischen hat Captain George Cummings, der Vorgesetzte unserer Elitepiloten und verantwortlich für EDIs desaströsen Einsatz, eine Entscheidung getroffen. Nicht nur EDI, sondern auch Ben, der ihm momentan über Russland noch dicht an der Heckflosse klebt, werden zum Abschuss freigegeben (der Junge weiß zuviel). Nun müssen Mensch und Maschine zusammen kämpfen, um zu überleben. Kameradschaft ist doch das tollste am Militär! Am Ende entwickelt sogar eine künstliche Intelligenz echte kameradschaftliche Gefühle. Was soll man dazu noch sagen? Hasta la vista, Baby!



KRITIK

Stealth - Unter dem Radar Nach der Beschreibung des Inhalts erübrigt sich die Kritik im Grunde, oder? Nur schnell die wichtigsten Fakten:

Die Navy: Hat schon in der Drehbuchphase die Entwürfe überwacht, "um sicherzustellen, dass sie den Richtlinien entsprechen, die die Navy vorsieht, wenn sie eine Filmproduktion unterstützt. Das beinhaltet die filmische Darstellung in einer durchführbaren Interpretation militärischen Lebens zu zeigen, ihr einen informativen Wert geben und sicherzustellen, dass sie möglicherweise unserem Rekrutierungsprogramm helfen könnte." So die zuständige Verbindungsoffizierin Christy Hagen (zitiert nach dem Presseheft). Der "informative Wert" ist eindeutig gegeben. Beispielsweise dann, wenn die Bomberpiloten, und das sicher ebenso unwissende Publikum, vom vorgesetzten Offizier noch schnell über das als nächstes zu bombardierende Ziel aufgeklärt werden: "Tadschikistan. Das ist eines dieser heruntergekommenen Länder, die früher zur Sowjetunion gehörten." Dann wäre ja alles geklärt. Der moderne Bomberpilot möchte nämlich im allgemeinen schon gerne wissen, was er gerade zu Klump schießt. Auf welche Weise der Film dem Rekrutierungsprogramm zu helfen gedenkt wird auch sehr deutlich: Die drei Elitepiloten liefern sich Wettrennen, wer zuerst im Cockpit ist und agieren auch ansonsten nicht wie Erwachsene, die Waffen ("War is about tools") werden auf nervend ehrfurchtgebietende Weise in Szene gesetzt, Allmachtphantasien werden bewusst bedient und nur zum Schein ganz vorsichtig infrage gestellt, die Luftkämpfe sind ein reines Computerspiel. Dazu gibt es adrenalinfördernden New Metal. Kleiner zielgruppenaffiner Scherz: EDI hat die Songs aus dem Internet gesaugt.

Das Computerspiel zum Film: Presseheft: "Mit dem STEALTH Add-On zum Microsoft Flugsimulator kann auch der Laie das Feeling nachempfinden, den (sic) die Protagonisten im Film vorführen."

Die Special Effects: Auf dem Stand der Technik, aber filmisch mit wenigen Ausnahmen uninspiriert. Das heißt: Viel zu sehr an Computerspielästhetik orientiert. Die zu schnellen Schnitte ruinieren außerdem die mögliche Wirkung der Aufnahmen. Zusammen mit ständigem pseudorealistischem Turbinen- und Bombenlärm ein zweifelhaftes Vergnügen. Wer wirklich beeindruckende Flugaufnahmen sehen will, sollte sich Martin Scorseses "Aviator" ansehen (in jeglicher anderen Hinsicht verbietet sich der Vergleich ohnehin).

Die Dialoge: Sehr schön. Richtig klassischer Trash. Ein Beispiel: "Das hier [EDIs Elektronenhirn] ist kein Radiowecker." Schon allein der Trailer ist voll mit solchen Sätzen.

Der große Showdown: Fällt leider aus, weil sich der Film auf Nebenkriegsschauplätzen verzettelt und (der allerdings sowieso nur lächerliche) EDI viel zu schnell wieder domestiziert ist. Dafür wird aber wunderschön mit riesigen Kanonen auf Spatzen geschossen. Ist ja auch ganz lustig.

Stealth - Unter dem Radar Der Regisseur: Rob Cohen, verantwortlich für die "totalen Actionachterbahnfahrten" (Presseheft) "The Fast and the Furious" und "xXx – Triple X", die zusammen mehr als eine Milliarde Dollar umgesetzt haben. Gedanklich hat er sich mit "Stealth" noch einmal selbst übertroffen. Presseheft: "Wie sehen die Konsequenzen aus, fragt er, wenn Computer klüger, schneller und kreativer sind, wenn sie anfangen, sich selbst zu erschaffen und zu reproduzieren? [etc. pp.]" Wahrlich, wahrlich noch nie gestellte Fragen! Nach diesem Film muss das Genre Science Fiction neu geschrieben werden. Besonders viel Sorgfalt hat Cohen darauf verwendet, mit den zahlreichen Explosionen alle Rekorde zu brechen. Rob Cohen: "Wir haben ungefähr 1900 Liter Benzin für diese Szene verbraucht, wahrscheinlich 1500 Liter mehr als die Norm bei solchen Effekten." Die Explosion nimmt tatsächlich die ganze Cinemascopebreite der Leinwand ein. Da kann man nur gratulieren.

Die Schauspieler: Werden später sicher alle behaupten: "Ich war’s nicht, das Geld war’s." Josh Lucas spielt Ben Gannon, Jessica Biel Kara Wade, beide sind sehr gutaussehende Menschen. Jamie Foxx, für seine Hauptrolle in "Ray" mit Golden Globe und Oscar ausgezeichnet, nimmt als Henry Purcell eine Auszeit von der Schauspielerei und Sam Shepard (aktuell zu sehen in Wim Wenders "Don’t Come Knockin’", bei dem er auch als Co-Autor des Drehbuchs mitwirkte) arbeitet als Captain George Cummings mal wieder unter seinem Niveau.



FAZIT

Das Übermaß an Unverstand dieses Films verlangt einen gewissen Respekt ab. Für die Freunde des ganz üblen Trashs ist "Stealth" Pflichtprogramm. Alle anderen sind hiermit gewarnt.



Von Martin Thoma



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