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Spiel ohne Regeln

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Original Titel
The Longest Yard

Kinostart
22.09.2005

Genre
Drama / Komödie

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Sony

Regie
Peter Segal

Autor
Sheldon Turner

Laufzeit
113 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Adam Sandler
Chris Rock
Burt Reynolds
James Cromwell




Böse-Buben-Kino

INHALT

Spiel ohne Regeln Es beginnt mit dem Hintern einer Bikinischönheit in Großaufnahme. Der Film macht sich gar nicht erst die Mühe, irgendeinen Vorwand dafür zu konstruieren. Direkt danach sperrt die Hauptfigur Paul Crewe seine zickende Freundin im Kleiderschrank ein, tankt ordentlich Bier und verwandelt ihren neuen Bentley bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei in einen Blechhaufen, aus dem sich bestenfalls noch Bierdosen recyceln lassen. Dann ist Schluss mit derartigen Vergnügungen, denn es geht ins Gefängnis. Ist aber nur halb so schlimm. Zwar gibt es im Gefängnis keine Frauen, aber dafür gibt es – Football. Kein Zweifel: "Spiel ohne Regeln“ versteht sich als Jungskino.

Der Held Paul Crewe ist ein Footballspieler, der suspendiert wurde, weil er an Spielmanipulationen beteiligt war. Zunächst nur auf Bewährung verurteilt muss er nach seiner kleinen Spritztour für drei Jahre in ein texanisches Gefängnis einfahren. Dort quälen ihn nicht nur die sadistischen Wärter, auch bei den Mitgefangenen ist er von Anfang an unten durch. Denn einen Mörder wird hier problemlos akzeptieren, nicht aber jemand, der ein Footballspiel manipuliert hat. Das gilt als unpatriotisch. Zu allem Überfluss hat der karrieregeile Gefängnisdirektor Hazen ein Prestigeprojekt: Ein Footballteam der Gefängniswärter. Weil diese Mannschaft einen Aufbaugegner benötigt, zwingt er Crewe, aus den ihm wenig wohlgesonnenen Gefängnisinsassen eine solche Mannschaft zusammenzustellen. Mit Unterstützung seines neugewonnenen Freundes Caretaker und eines weiteren ehemaligen Footballspielers gelingt das Crewe nach einigen Anfangsschwierigkeiten erstaunlich gut. Die Aussicht ungestraft ihre Wärter verprügeln zu dürfen, motiviert die Gefängnisinsassen so sehr, dass sogar ein Sieg der Underdogs plötzlich möglich scheint. Doch gerade das darf naturgemäß auf keinen Fall geschehen. Zur Not muss Paul Crewe eben noch ein weiteres Spiel manipulieren.



KRITIK

Spiel ohne Regeln "Spiel ohne Regeln“ ("The Longest Yard“) ist ein Remake. Das Original von 1974 "Die härteste Meile“ ("The Longest Yard“) gilt in den USA als halber Klassiker. Schließlich ist der Plot in seiner Schlichtheit schon fast genial. Gefangene gegen Wärter, das ist wie Schüler gegen Lehrer, das geht immer. Die Identifikation mit dem Schwächeren ergibt sich von selbst. Die harte Gefängnisumgebung bietet die Möglichkeit ein im Wortsinne abgeschlossenes Soziotop bevölkert mit schrägen Charakteren zu präsentieren. Der amerikanische Volkssport Football heizt zusätzlich die Emotionen an, zumal er die Lizenz zu wilden Schlägereien liefert.

In der 2005er Version ist das Ganze strikt auf die Zielgruppe der über 12- bis unter 18jährigen zugeschnitten. Der Soundtrack ist bestimmt sehr angesagter (sonst wäre was schiefgelaufen) HipHop. Neben Football gibt es auch etwas Basketball zu sehen. Mit dem Gespann aus Regisseur Peter Segal, Hauptdarsteller Adam Sandler ("50 erste Dates“, "Die Wutprobe“) und an dessen Seite Chris Rock als Caretaker wurden drei Vollprofis auf dem Gebiet der simplen aber massentauglichen Komödie verpflichtet. Burt Reynolds, der Hauptdarsteller der 74er-Version ließ sich zu einer Nebenrolle überreden, und der Rapper Nelly gibt ein unspektakuläres Leinwanddebüt.

Die Footballszenen sind, soweit das der, was diese Sportart angeht, ahnungslose Rezensent beurteilen kann, ordentlich umgesetzt. Sie nehmen auch nicht so überhand, dass es nur noch für Footballfans interessant wäre. Überhand nehmen da schon eher die schlechten Gags. Man muss einiges an sehr stumpfem Humor über sich ergehen lassen, bevor mal wieder mehr oder weniger zufällig eine originelle Szene dazwischenkommt.

Spiel ohne Regeln Schade ist es um die Charaktere. Mit Ausnahme von Nelly, der sich das mit Sicherheit verbeten hätte, sind es schlicht Freaks. Der Dicke, der Riese, die geile Alte (Sekretärin des Gefängnisdirektors), das hormoneschluckende Muskelpaket - sie alle haben keinerlei Tiefe und keine Würde. Es ist eine Freakshow, nur der Zwerg fehlt. Dafür gibt es eine Gruppe Transvestiten. Die Rolle der Cheerleader ist mit ihnen wenigstens einigermaßen stilvoll besetzt. Ein bisschen komisch ist einem dabei: Zwar wissen wir, dass der Christopher Street Day aus Amerika kam, aber ein derartig offensiv schwules Auftreten in einem texanischen Gefängnis, das ansonsten als ein Hort des Sadismus dargestellt wird, dürfte wohl wesentlich gesundheitsgefährdender sein, als uns dieser Film weismachen möchte. Ansätze wie die schöne Szene, in der der brutale Riese, der in seiner Zelle häufig ausdauernd mit dem Kopf gegen die Wand rennt, gegen eine hochgeklappte Platte Tischtennis spielt und bei aller Komik plötzlich ganz kurz auch so etwas wie Tragik spürbar wird, sind die absolute Ausnahme.

Was der Film neben seinem juvenilen Brachialhumor, den Footballszenen und dem Soundtrack für Nelly-Freunde inhaltlich zu bieten hat, lässt sich in zwei Sätzen sagen: Sport ist eine positive Form, Frust abzubauen. Wer sich auf dem Sportfeld wirklich anstrengt, verschafft sich Respekt auch bei den härtesten Jungs im Gefängnis beziehungsweise auf dem Pausenhof. Eine schöne Halbwahrheit gegen die natürlich nichts einzuwenden ist. Also, liebe Zielgruppe: Weg vom Fernseher und raus auf den Sportplatz!



FAZIT

Spiel ohne Regeln Keine filmische Katastrophe. Wer sich von Anfang an auf anspruchslosen kindischen Haudrauf-Humor einstellt, kriegt mit "Spiel ohne Regeln“ was er verdient. Die Anflüge von Anarchie und die konsequente Schwarz-Weiß-Malerei zugunsten der sozial Deklassierten (sprich: der mehrheitlich schwarzen Gefängnisinsassen) kann man sympathisch finden. Unsympathisch dagegen, wie platt und rücksichtslos viele Figuren der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Überflüssig ist dieser Film auf jeden Fall, mit Sicherheit für alle, die das Original kennen. Das wurde 1974 von der FSK erst ab 18 freigegeben, für das Remake wäre eine Freigabe nur für unter 18jährige in Erwägung zu ziehen.



Von Martin Thoma



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