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Shortbus

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Kinostart
19.10.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Senator

Regie
John Cameron Mitchell

Autor
John Cameron Mitchell

Hauptdarsteller
Lee Sook-Yin
Paul Dawson
Lindsay Beamish
PJ DeBoy




Sex in the City

INHALT

Shortbus Als Regisseur John Cameron Mitchell vor fünf Jahren seinen Debütfilm "Hedwig and the Angry Inch" auf dem Sundance Film Festival vorstellte, gab es nach viel Beifall auch gleich zwei Preise, einen vom Publikum und einen weiteren für die beste Regie. Das Rockmusical um die betrogene Sängerin Hedwig, die bis zu ihrer missglückten Geschlechtsumwandlung als Hansel in Ost-Berlin lebt und später in die USA auswandert, hatte eine erfolgreiche Vorgeschichte am Off-Broadway und heimste Regisseur/Drehbuchautor/Hauptdarsteller Mitchell sogar eine Golden-Globe-Nominierung als bester Schauspieler ein. Zusammen mit Ruhm und Ehre wuchsen auch die Erwartungen an Mitchells zukünftiges Schaffen. Doch wie übertrifft man einen exzentrischen Musicalfilm, dessen Protagonist eine geschlechtslose Drag Queen mit Rockambitionen ist? Mitchells auf Zelluloid gebannte Antwort auf diese Frage ist eine Mischung aus Hardcore-Porno und New-York-City-Schicksalen.

Zentrum des Geschehens ist der Club Shortbus im Herzen der Metropole. In den exklusiven Räumlichkeiten treffen sich jede Nacht hetero- und homosexuelle Swinger und anderweitig Sexinteressierte, um ihre sexuellen Neigungen in Gruppensextreffen auszuleben oder sich darüber einfach nur auszutauschen. Das Pärchen James (Paul Dawson) und Jamie (PJ DeBoy) gehört schon länger zum Kreis der Stammgäste. Doch so richtig vermag der Club nicht, bei der Bewältigung ihrer Beziehungsprobleme zu helfen. Dass im Shortbus zumindest sexuelle Begehrlichkeiten behandelt werden können, davon sind sie allerdings überzeugt und machen Sofia (Sook-Yin Lee) mit dem Club vertraut, um der orgasmusgehemmten Sextherapeutin zu helfen. Dort lernt sie neben vielen skurrilen und schillernden Persönlichkeiten wie Clubbesitzer Justin Bond (Justin Bond) auch Domina Severin (Lindsay Beamish) kennen.



KRITIK

Shortbus Die alte Devise "Sex sells" ist lebendiger denn je. Filmsex ist in den letzten 30 Jahren sehr viel salonfähiger geworden, ja geradezu ein Muss für sämtliche Hollywoodromanzen und nicht wenige Thriller. Den Schockfaktor hat das emsige Gefummel vor der Kamera allerdings längst eingebüßt. Wo sich 1974 Kinogänger weltweit angesichts Donald Sutherlands Sexszene mit Julie Christie in Nicolas Roegs "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (das im Original den viel passenderen Titel "Don’t Look Now" trägt) aufs Äußerste provoziert fühlten, würde der abgebrühte Zuschauer 2006 wohl kaum mehr tun, als die Augenbrauen hochzuziehen. Braucht es wirklich Hardcore-Sex à la "Shortbus", um heute noch zu schocken?

Ja. Wahrscheinlich schon. Die "Shortbus"-Szenen, im Besonderen der ausführlich dokumentierte schwule Dreier - untermalt von der amerikanischen Nationalhymne - sind jedenfalls außerordentlich explizit und dürfen mit Recht als reine Provokation bewertet werden. Von einer Gradwanderung zwischen Pornographie und Spielfilm-Liebesszene kann dabei keine Rede sein, die Sexszenen würden ohne Zweifel ausgezeichnetes Pornomaterial abgeben. Als hollywoodsches Beigeschlafe können sie wahrlich nicht gelten, nicht nur weil sie absolut authentisch sind, sondern weil es dabei nicht wie üblich um Erotik geht. Der "Shortbus"-Sex ist merkwürdig konstruiert und größtenteils grauenhaft unemotional.

Shortbus Ob Mitchell das so beabsichtigt hat, ist fragwürdig. Einerseits macht "Shortbus" anhand von James und Jamies Geschichte klar, dass Intimität in einer Beziehung nicht gleichzeitig auch Sex bedeuten muss – James verweigert Analsex – und dass Sex außerhalb der Beziehung ohne Investition von Gefühlen existieren kann. Andererseits wartet der Film mit genug Szenen auf, in denen Lebenspartner miteinander schlafen, die wohl kaum eine distanzierte Haltung zueinander haben sollten. Da ist z.B. Therapeutin Sofia, deren Beziehung zu ihrem Mann nie innig und verbunden wirkt, während sie sich auf die ziemlich banale Suche nach ihrem Orgasmus macht. Frau auf Suche nach höchster sexueller Befriedigung? Klingt nach der Steilvorlage für einen emotionsfreien Pornofilm.

Es gibt in "Shortbus" natürlich auch Ansätze von intellektueller Tiefgründigkeit, die allerdings nicht weitergeführt werden. James’ Selbstmordgedanken und sein Versuch, ein Abschiedsvideo für Jamie herzustellen, das seinen Partner von aller Schuld entbindet, verbinden sich zu einer unfertigen, nur grob umrissenen Skizze seines Charakters, die vergeblich auf Details und Ernsthaftigkeit wartet. Ähnlich unscharf und unergründet bleibt Domina Severin, eine Künstlerin in spe, die immer wieder in genau die Art von Beziehung schlittert, die sie partout nicht ertragen kann. "Shortbus" ergötzt sich an ihrer Beziehungsunfähigkeit, ohne ihrem Charakter Entwicklung zu gewähren. Die starke Betonung auf das Ausleben ihrer Sexualität verhindert Einblicke in andere Gedankengänge und Lebenseinflüsse. Dasselbe gilt nicht zuletzt für den Film "Shortbus" selbst.



FAZIT

Shortbus Die Superlativen aus "Hedwig and the Angry Inch" will Mitchell mit neuen Superlativen übertreffen. Und was wäre wohl Aufsehen erregender als Hardcore-Sex? Wer provoziert werden möchte, kann sich in "Shortbus" zur Genüge reizen lassen. Anregend ist der Film allerdings nicht – weder sexuell noch intellektuell.

Von Therese Hopfmann



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