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Shooter

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Kinostart
19.04.2007

Genre
Action

Erscheinungsjahr
2007

Land
USA

Verleih
Universal

Regie
Antoine Fuqua

Autor
Jonathan Lemkin

Laufzeit
125 Minuten

FSK
ab 18 Jahren

Hauptdarsteller
Mark Wahlberg
Michael Peña
Danny Glover
Kate Mara




Baller-Bobs großes Bang-Bang

INHALT

Shooter Der Waffenexperte Bob Lee Swagger (Mark Wahlberg, "The Departed") führt ein einsiedlerisches Leben in den Bergen von Arkansas, wo er glaubt, die Ruhe finden zu können, die er nach seiner blutigen Karriere als Scharfschütze im Dienste der US-amerikanischen Armee braucht und verdient. Doch eines Tages wird sein abgelegener Rückzugsort von einem Top-Secret-Geschwader des Geheimdienstes aufgesucht. Man bittet ihn, bei der Vereitlung eines Mordanschlags auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten behilflich zu sein. Swagger soll seine Fachkenntnisse einsetzen, um voraussagen zu können, wann, wo und wie das geplante Attentat sich vollziehen könnte. Widerwillig sagt er zu, wenngleich ihm der Präsident eigentlich tot besser gefallen würde als lebendig.

Der rühmliche Versuch, seinem Land zu dienen, nimmt jedoch am Tag des vermuteten Attentats eine unerwartete Wendung. Zu spät merkt Swagger, dass er das Opfer einer Verschwörung auf höchster politischer Ebene ist: Ihm selbst soll der Mordanschlag auf das Staatsoberhaupt angehängt werden. Swagger entkommt nur knapp seinen heuchlerischen Auftragsgebern und findet Obhut bei der reizenden Dorfnudel Sarah (Kate Mara, "Brokeback Mountain"). Ein weiterer Verbündeter im Kampf gegen die aufdringlichen Verschwörer ist der junge FBI-Agent Nick Memphis (Michael Peña, "L.A. Crash"), den die Ungereimtheiten des Attentats dazu anspornen, hinter das gut gehütete Geheimnis seiner Vorgesetzten zu kommen. Mit der Unterstützung von Memphis will Swagger die Identität seiner Verfolger und deren Komplott aufdecken. Seine Gegner haben jedoch schon bald einen entscheidenden Trumpf in der Hand, indem sie Sarah entführen und zum Lockvogel machen. Swagger lässt sich selbstverständlich nicht lange zum Gefecht bitten.



KRITIK

Shooter Dass die Vereinigten Staaten für ihren betont lockeren Umgang mit Schusswaffengesetzen, die dort bis heute den einfachen Zugang zu Waffen für jedermann gewährleisten, einen hohen Preis zahlen, bestätigt sich immer wieder, wenn die jährlichen Statistiken eine verblüffend hohe Zahl an Todesopfern durch Schussverletzungen enthüllen. Amokläufe wie der in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia, der kürzlich 33 Menschen das Leben kostete, sollten diese Waffenliberalität sicherlich weiter in Frage stellen. Umso erstaunlicher ist es, dass diese schockierenden Zwischenfälle nicht nur Befürworter der Verschärfung der Schusswaffengesetze auf den Plan rufen, sondern auch Stimmen laut werden lassen, die für eine weitere Aufrüstung plädieren. Schließlich hätten sich die attackierten Studenten wehren können, hätten sie selbst über Waffen verfügt, so die obskure Argumentation der Waffensympathisanten. Antoine Fuquas ("Training Day") Actionfilm mit dem bezeichnenden Titel "Shooter" verkörpert ebendiesen Konflikt am Herzen der amerikanischen Gesellschaft: Der Film schwebt zwischen Ablehnung der Waffentoleranz und gleichzeitiger Waffenvernarrtheit gekoppelt mit dem Argument der Selbstverteidigung. Kann daraus eine logische Geschichte entstehen?

Das Genre des Actionfilms tut sich generell eher schwer mit dem Übel der Logik. Verständlich, so ein Film soll sich schließlich nicht mit langen Erklärungen und Rechtfertigungen der Motivation seiner Figuren aufhalten, sondern möglichst bald und anhaltend in den Actionpart der Handlung einsteigen, wo den Zuschauer vor allem sinnfreie Scharmützel, Verfolgungsjagden und Explosionen erwarten. "Shooter" ist da beileibe keine Ausnahme. Dennoch erlegt sich der Film selbst eine erstaunliche moralische Bürde auf, indem er versucht, Protagonist Bobs eigene Waffenexpertise und sein Scharfschützentalent durch tugendhaftes Anti-Kriegs-Palaver und Anprangerung der Waffenvernarrtheit der Amerikaner auszugleichen. So ganz will man ihm das aber dann doch nicht glauben, wenn sowohl Zuschauer als auch Held Bob feststellen müssen, dass dessen Arsenal an Gewehren immerzu die erste und einzige Lösung zur Rettung des eigenen Lebens und des Lebens anderer ist. Gegen Schusswaffen wehrt man sich eben am besten mit Schusswaffen, zeigt Swagger. In eine Sinnkrise stürzt dies den sonst so berechnenden Regierungsgegner allerdings nicht.

Shooter Swagger befindet sich mit seiner ständig schwankenden Meinung allerdings in bester Gesellschaft. Denn auch Südstaatlerin Sarah ist nie darum verlegen, ihre Flinte drohend zu erheben und bei Bedarf eine zünftige Ladung Schrot in ihr Gegenüber zu pusten. Dabei kam ihr Ehemann, ein ehemaliger Armeekollege von Swagger, selbst im Kugelhagel um. Den Tod ihres Partners hat Flinten-Sarah nicht so recht verwunden, aber Waffenabstinenz übt das hübsche Täubchen deshalb noch lange nicht. Warum auch, eine Schrotflinte gehört ja augenscheinlich zur Alltagsausstattung eines Südstaatenheims. Dass die Waffe nicht nur selbstverständlich, sondern auch ganz vornehmlich berechtigt ist, bewahrheitet sich spätestens dann, als Sarah in ihrem Haus von der gegnerischen Meute gekidnappt wird. Zwar kann sie sich gegen die Entführung im Endeffekt nicht wehren, dafür aber wenigstens einen der Schurken gekonnt über den Haufen schießen, bevor es ihr ans Schlafittchen geht. Die Waffe zur Selbstverteidigung, das ist Sarahs Kredo.

Das stärkste Argument für den Einsatz von Schusswaffen ist in "Shooter" freilich die obszön weitgreifende Regierungsverschwörung, die nach dem Leben des Protagonistentrios trachtet. Der Feind ist so kompromisslos und allmächtig, dass das Duell auf Leben und Tod schließlich nur noch mit der Waffe besiegelt werden kann, da Hilfe von der infiltrierten Obrigkeit nicht zu erwarten ist. Die schiere Bösartigkeit des politisch motivierten Gegners soll so in "Shooter" jegliche noch so mörderische Maßnahme seitens des edelmütig rechtschaffenen Helden rechtfertigen. Zur Befriedigung des wohlgesinnten Zuschauers haben sich die Verschwörer mit Swagger dabei einen Gegner angelacht, der als bester Scharfschütze aller Zeiten gilt. Viva la Knarre!



FAZIT

Shooter Ja, es muss heutzutage schon schwer sein, einen waffenlastigen Actionfilm zu drehen. Schließlich lauern an jeder Ecke lästige Moralapostel und piefige Kinderschützer, die sich nicht einfach abservieren lassen. Fuqua kommt ihnen zuvor, indem er in seinem neuesten Werk "Shooter" dem Helden der Geschichte eine moralisierende Charakterseite auferlegt. Doch die Ereignisse im Film zwingen ausgerechnet den vermeintlichen Moralmenschen Swagger dazu, seine Meinung in Anbetracht der angeblichen Nutzlosigkeit der verbalen Konfliktlösung zu ändern und ausführlich Gebrauch von seinen Kriegsführungsfähigkeiten zu machen. Noch ironischer aber ist, dass in "Shooter" Waffengewalt von politischer Seite provoziert wird. Genau jene Seite deckt im wirklichen Leben seit jeher die Interessen der Waffenlobby. So rechtfertigt die bitterböse Politik im Film den Umgang mit Schusswaffen, den sie in Wirklichkeit ohnehin propagiert. Angesichts dieser moralischen Verwirrungen bleibt der Genuss von "Shooter" ohne Gewähr, dafür aber mit umso mehr Gewehr.



Von Therese Hopfmann



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