Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Running Scared

Running Scared

» Links zum Artikel
Kinostart
13.04.2006

Genre
Thriller

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
3L

Regie
Wayne Kramer

Autor
Wayne Kramer

Laufzeit
122 Minuten

FSK
ab 16 Jahren

Hauptdarsteller
Paul Walker
Cameron Bright
Vera Farmiga
Chazz Palminteri




Betteln um Kult

INHALT

Running Scared Als kleiner Mafia-Handlanger ist Joey Gazelle dafür zuständig, besonders heiße Waffen nach deren Gebrauch verschwinden zu lassen. Eigentlich erledigt er seinen Job zuverlässig, aber jetzt hat Joey ein Problem: Ausgerechnet der Revolver, mit dem ein Polizist erschossen wurde, fällt in die Hände von Joeys russischem Nachbarjungen Oleg. Mit Hilfe seiner Frau und seines Sohnes setzt Joey alles daran, die Waffe wieder in den Besitz zu bringen. Ihm bleibt nur eine Nacht, denn sowohl seine Kollegen vom Mob als auch die Russenmafia sowie der undurchschaubare Cop Rydell sitzen ihm im Genick. Doch Oleg ist nach einer Auseinandersetzung mit seinem brutalen Vater verschwunden. Und während sich der verzweifelte Joey an seine Fersen heftet, erlebt der Junge selbst unglaubliche Abenteuer, bei denen er Bekanntswchaft mit Crack-Süchtigen, Prostituierten, einem unberechenbaren Zuhälter und einem ebenso unberechenbaren Kinderschänderpaar macht...



KRITIK

Running Scared Als der Klein-Kriminelle Joey (Paul Walker, „Fast and the Furious“) und der 12jährige Oleg (Cameron Bright, „Butterfly Effect“) sich endlich unterhalten können, tröstet Joey das Kind, das mit seinem brutalen Vater aufwachsen muss, besonders fürsorglich: Joey erzählt, wie er selbst 14jährig mit einem Baseballschläger auf Daddy losgegangen ist und dieser seitdem kaum feste Nahrung zu sich nehmen kann. „Nur noch 2 Jahre, Oleg“, sagt Joey. Dieser Joey ist außerdem der Held in Wayne Kramers („The Cooler“) neuem Film „Running Scared“ und muss innerhalb von einer Nacht eine Pistole wiederfinden, die am Abend in einer Schießerei mit Cops benutzt worden ist. Problem dabei ist, dass der beste Freund von Joeys Sohn Nick – eben jener Oleg – die Waffe vermutlich an sich genommen hat, um seinen Vater anzuschießen. So packt Joey seinen Sohn neben sich ins Auto und macht sich auf die Suche.

Nicht jeder Film mit übertriebener Gewaltdarstellung ist gleichzeitig gewaltverherrlichend, „Running Scared“ ist es mit Sicherheit. Hier scheint jemand seine brutalsten Fantasien filmisch ausgelebt zu haben, im Bemühen ein neues Kult-Movie zu erschaffen. Wayne Kramer, der mit seinem Erstlingswerk „The Cooler“ noch für eine positive Überraschung sorgte, scheitert mit seinem neuen Projekt gleich mehrfach: An der kaum nachvollziehbaren Logik seiner Geschichte, an übertrieben genutzten Kamera-Effekten und einem ziemlich verhunzten Schluss, der die Aktionen des Protagonisten im Rückblick als idiotisch entlarvt.

Dabei sind einige Motive des Films durchaus interessant und eine nähere Analyse wert. Kramer zeigt uns den 12jährigen Oleg, der sich mit einer Pistole auf die Flucht vor Joey und der Polizei begibt und dabei auf Junkies, Zuhälter und Pädophile trifft. Der Junge wird mit Personen und Problemen am Rande der Gesellschaft konfrontiert, das erinnert an David Lynchs „Blue Velvet“ und die dort untersuchte Frage, was das „Böse“ ist, warum es existiert und wie weit es wirklich von uns entfernt ist. Schade, dass dieses Motiv hier nicht weiter problematisiert wird, vielmehr Gewalt als einzig mögliche Lösung aufgezeigt wird. Selbst Joeys Frau Teresa (stark gespielt von Vera Farmiga), die Regisseur und Produzent als „moralisches Zentrum“ der Geschichte verstanden wissen möchten, hat keinerlei Hemmungen zur Waffe zu greifen.

Running Scared Hauptdarsteller Paul Walker hat kaum Gelegenheit, mit einer echten Darstellung zu glänzen, da er die meiste Zeit damit beschäftigt ist, durch die Gegend zu rennen und Menschen anzuschreien. Die Nebendarsteller verleihen ihren Figuren, seien es nun Mitglieder der Drogenmafia oder korrupte Cops, da schon mehr Tiefe, besonders Karel Roden überzeugt als Olegs Vater Anzor, der die merkwürdige Eigenschaft besitzt, jeden zusammenzuschlagen, der etwas gegen seinen Helden John Wayne sagt. Aber auch dieser interessante Charakterzug wird irgendwann so sehr auf die Spitze getrieben, dass man davon mit der Zeit ähnlich genervt wie von den etwas sehr innovativen Kamera-Schwenks ist.

Filme mit einer Gewaltdarstellung wie „Running Scared“ sie bietet, funktionieren nur, wenn sie entweder hochrealistisch sind oder die Gewalt so sehr überzeichnet wird, dass man den Film als comic-artigen Bilderreigen akzeptiert. Mit Realismus wartet „Running Scared“ schon mal gar nicht auf und auch wenn es um den Kult-Movie-Status bettelt: Mit der Ästhetik von ähnlichen Gewalt-Epen wie „Kill Bill“ oder „Sin City“, mit denen sich diese Produktion letztendlich messen lassen muss, kann es Kramers Film auf keiner Ebene aufnehmen. So verliert sich „Running Scared“ irgendwo zwischen ernst gemeintem Thriller und Gewalt-Märchen in seiner selbstverliebten Inszenierung.



FAZIT Running Scared „Running Scared“ ist ein Film, der zu keiner Sekunde langweilig wird, aber ein ausreichendes Qualitätsmerkmal ist das noch nicht. Davon abgesehen hat Wayne Kramers zweiter Film nämlich außer jeder Menge Gewalt nicht viel zu bieten. Der „coole“ Look entschädigt nicht für einen unbefriedigenden Plot mit äußerst fragwürdig handelnden Charakteren. „Running Scared“ wird sein Publikum finden, ob die durchschaubaren Methoden Genre-Fans ins Kino zu locken, aber auch zu einem finanziellen Erfolg führen, wird sich zeigen müssen.

Von Till Kadritzke



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex