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Rohtenburg

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Kinostart
09.03.2006

Genre
Horror-Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
D / USA

Verleih
Senator

Regie
Martin Weisz

Autor
T.S. Faull

Laufzeit
88 Minuten

FSK
ab 18 Jahren

Hauptdarsteller
Keri Russell
Thomas Kretschmann
Thomas Huber
Rainer Meissner




Nicht zum Verzehr geeignet

INHALT

Rohtenburg Verkrampfte Wortspielereien sind ja bei Filmtiteln nichts Neues, aber Martin Weisz' Film mit dem Titel "Rohtenburg", der die Geschichte des sogenannten Kannibalen von Rotenburg erzählt, versprüht wirklich den Charme einer Boulevardpresseschlagzeile. Wer sich durch den peinlichen Buchstabenklamauk im Filmtitel nicht abschrecken lässt, den erwartet mit "Rohtenburg" die Verfilmung eines Verbrechens, das auf der ganzen Welt für Aufsehen sorgte.

Am 9. März 2001 tötet und zerlegt Armin Meiwes in seinem Haus in der Nähe der Stadt Rotenburg den 43-jährigen Bernd Brandes und isst Teile seines Opfers danach auf. Die Männer hatten sich zuvor auf einer Kannibalismusseite im Internet kennen gelernt. Meiwes war schon längere Zeit auf der Suche nach einem Mann, der sich von ihm schlachten und verspeisen lassen würde, als er auf Brandes stieß, der den Wunsch äußerte, getötet und aufgegessen zu werden. Im gegenseitigen Einvernehmen über die Details der Tötung und Schlachtung erfüllten sich beide Männer schon bald nach der Kontaktaufnahme ihren Wunsch. Meiwes wurde später von der Polizei festgenommen und gestand die Tat bereitwillig. Nach dem ersten Gerichtsurteil, in dem Meiwes zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, wird am 9. März die Entscheidung über das Berufungsverfahren, das Meiwes eingeleitet hatte, bekannt gegeben. "Rohtenburg" feiert an diesem Tag ebenfalls Premiere.

In "Rohtenburg" wird die bizarre Geschichte um Armin Meiwes und Bernd Brandes, die im Film Oliver Hartwin (Thomas Kretschmann) und Simon Grombek (Thomas Huber) heißen, rückblickend erzählt. Die Verbindung zur Gegenwart wird durch die amerikanische Studentin Katie Armstrong (Keri Russell) hergestellt, die für ihre Abschlussarbeit in Kriminalpsychologie über den Fall recherchiert und sich dafür in Hartwins Heimatort begibt. Um sich ein besseres Bild von dem psychologischen Hintergrund der Tat machen zu können, bricht sie in Hartwins Haus ein und organisiert sich sogar eine Kopie der Videoaufnahme, die Hartwin von seinem Verbrechen machte.



KRITIK

Rohtenburg Wenn man den Aussagen des Regisseurs Martin Weisz, der sich bisher ausschließlich durch seine Arbeit als Videoclip-Spezialist profiliert hat, und dem Produzenten Marco Weber Glauben schenken kann, dann ist "Rohtenburg" der Versuch, den Hintergrund einer für viele Menschen unverständlichen Tat aufzuzeigen, um ein besseres Verständnis für zwei Menschen zu entwickeln, deren Vorstellung von Erfüllung und Liebe so ungewöhnlich ist und deren Bedürfnisse nur mit der Ausführung einer schier unglaublichen Handlung befriedigt werden können. Dass Hartwin im Film von der angeblich so mitfühlenden Studentin, die ihre Faszination für "die dunkle Seite" der menschlichen Psyche kaum unter Kontrolle hat, selbst mit der Bezeichnung "Monster" betitelt wird, scheint die Filmemacher dabei kaum zu stören. Genauso wenig scheint es ihnen etwas auszumachen, dass die mascaraverschmierte Katie so gut wie keine Daseinsberechtigung im Film hat und ihre Verliebtheit bezüglich des deutschen Kannibalismusfalls recht unplausibel ist.

Blutig-düster springt der Film zwischen Kindheitsszenen des Opfers und des Täters, Szenen wichtiger Stationen im Leben Hartwins und Grombeks' vor der Tat, die ebenfalls dargestellt wird, und der Recherche der Studentin Katie hin und her. Viele Momente haben schon fast Dokumentarfilmcharakter und obwohl oder gerade weil sich der Film sehr um eine der Wahrheit entsprechenden Wiedergabe des Geschehens bemüht, bleiben die Erklärungsversuche für Hartwins und Grombeks Kannibalismusobsession für den Zuschauer eher unbefriedigend. Szenen aus den Kindertagen der Männer vermitteln zwar die zerrütteten Familienverhältnisse, die beide traumatisiert und verstört werden lassen, aber die komplexe Psyche der beiden Menschen und die Motive für ihre Handlungen können wohl kaum damit allein abgedeckt werden. Tiefgründige Erkenntnisse kann "Rohtenburg" nicht vermitteln. Da der Film aber gerade den psychologischen Aspekt der Tat zu seinem Schwerpunkt macht, muss er sich eben auf eine grau-blaue Farbgebung und schauspielerisches Können verlassen, um eine entsprechende Atmosphäre zu kreieren.

Rohtenburg Die Hauptdarsteller Thomas Kretschmann und Thomas Huber gehen in ihren Rollen tatsächlich recht gut auf. Kretschmann versteht es, den von seinen Fantasien besessenen Mörder zu spielen, der sich jahrelang auf den Tag vorbereitet, an dem sein Wunsch in Erfüllung geht. Hartwins Glaube, durch das Verspeisen eines Menschen die Seele des anderen in sich aufnehmen zu können und somit den Ausbruch aus einem isolierten und einsamen Leben zu schaffen, erfasst Kretschmann mit großer - und vielleicht etwas zu monströser - Intensität. Genauso überzeugend ist Huber in seiner Rolle als masochistischer Grombek, der sich nach Schmerz sehnt, weil er seit dem Selbstmord seiner Mutter einen unüberwindbaren Schuldkomplex mit sich trägt. Der Zuschauer wird übrigens von der eigentlichen Verstümmelung und Tötung Grombeks so gut es geht verschont, obwohl der Anblick von blutigen Handtüchern und dem im Keller eingerichteten "Schlachtraum" manchem Kinogänger sicherlich schon mehr als reicht. Langwierige Messerstechereien und blutige Kadaver-Action, die die Seriosität des Anliegens des Films sicher stark in Frage stellen würde, gibt es zum Glück nicht.

Die Macher von "Rohtenburg" scheinen es sich mit dem Film zur Aufgabe gemacht zu haben, die Hintergründe des Kannibalismusmords, der 2001 in Deutschland stattfand, aufzudecken. So ein Versuch, das Psychogramm eines wirklich existierenden Menschen wie Meiwes zu erstellen, kann aber wahrscheinlich nie wirklich überzeugend gelingen, weil die Nähe zu dem realen Fall und damit die Gefahr, zu sehr auf die Dokumentarfilmschiene zu geraten, die Entfaltung eines plausiblen und selbstständigen Psychothrillers behindert. Dass Meiwes selbst versuchte, eine einstweilige Verfügung gegen die Verfilmung seiner Schilderungen und Erlebnisse zu erwirken, ist nicht verwunderlich, da der Film sich massiv auf die Details seiner Geschichte stützt und sich anmaßt, ein für Meiwes verzerrtes Bild seines psychischen Innenlebens zu zeichnen.



FAZIT

Rohtenburg Auch wenn sich "Rohtenburg" gerne als Gegenstück zur sensationsheischenden Medienverwurstungsschlacht um Armin Meiwes und Bernd Brandes begreifen möchte, ist es doch nur ein Teil der nutznießerischen Voyeurismusmafia. Die Geschichten des Täters und des Opfers werden gestutzt und vereinfacht. Meiwes' Psyche scheint von den Filmmachern halbherzig zusammengebastelt und missverstanden zu sein. Ein wenig Einblick in den Ablauf des Kannibalismusmordes ermöglicht der Film immerhin. Wer den Fall bisher nicht in der Zeitung oder im Fernsehen verfolgen konnte, kann sich in "Rohtenburg" einen Eindruck verschaffen. Mehr aber auch nicht.

Von Therese Hopfmann



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