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Rocky Balboa

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Kinostart
08.02.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Fox

Regie
Sylvester Stallone

Autor
Sylvester Stallone

Laufzeit
101 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Sylvester Stallone
Antonio Traver
Burt Young
Geraldine Hughes




Alter vor Schönheit

INHALT

Rocky Balboa Ja, eine Schönheit ist Boxhüne Rocky Balboa (Sylvester Stallone) mit Sicherheit nicht. Er ist jenseits der 50, besteht trotzdem beharrlich darauf, sein albernes Hütchen aus Jugendtagen zu tragen und die Haut sitzt nur noch im Gesicht (erstaunlich) straff. Dass in dem Ex-Boxer, der mittlerweile Inhaber eines italienischen Restaurants mit zweifelhaftem Ruf in einer Schmuddelgegend Philadelphias ist, noch ein sportliches Feuer schwelt, mag selbst Dauerkumpel Paulie (Burt Young) nicht glauben. Doch ein virtueller Kampf zwischen dem jungen Rocky und dem derzeitigen Box-Star Mason Dixon (Antonio Tarver), der passenderweise unter dem Titel "Then and Now" im Fernsehen ausgestrahlt wird, bildet die Grundlage für ein wahres Gefühls-Inferno in Opa Rocky. Gegen die einhelligen Einwände seiner Freunde und Verwandten bereitet er sich darauf vor, vor allem sich selbst zu beweisen, dass der vergessene Rocky von heute noch genauso leidenschaftlich sein kann wie der Box-Champion von damals. Ein letztes Mal will er noch in den Ring steigen, ein kleiner Kampf auf Lokalebene soll es werden. Doch als die Medien von seinen eigenwilligen Ambitionen Wind bekommen, wird stattdessen gleich ein Megakampf in Las Vegas anberaumt – gegen Mason Dixon.



KRITIK

Rocky Balboa Was hatten die Herren und Damen Filmkritiker nicht alles befürchtet. Schon lange vor dem Kinostart von "Rocky Balboa" aka "Rocky VI" hatte man gefrevelt und gejohlt. Eine einzige Peinlichkeit sei Stallones Möchtegern-Comeback nach dem Filmdebakel "Rocky V" (1990). Selbstherrlichkeit und Geltungssucht warf man dem von der Göttin der plastischen Chirurgie ausgiebig geküssten Stallone vor. Doch fast alle Buh-Rufe, die im Vorfeld ertönten, versumpften zu genierlichen Räusperern, als das Endprodukt vorgestellt wurde. Was, fragen Sie sich nun, brachte die vorschnelle Kritikermeute so in Verlegenheit? Die Antwort ist an sich recht simpel: "Rocky Balboa" ist trotz operativ entknittertem Hauptdarsteller bzw. Regisseur und Drehbuchautor, möglichen inhaltlichen Parallelen zu einer tatsächlichen Midlife-Crisis in Stallones Leben und dem Flop des Vorgänger-Films schlicht ein ganz passabler Film.

Im Mittelpunkt des Films steht der Mensch Rocky Balboa – man bemerke das Insistieren des Filmmachers auf dem Nachnamen des Protagonisten zwecks Abgrenzung von der zweisilbigen Box-Maschine Rocky – und seine Probleme, Wünsche und Hoffnungen. Herr Balboa leidet noch immer unter dem Tod seiner Frau Adrian und dem Konflikt mit seinem Sohn Robert (Milo Ventimiglia), dessen Leben sich partout nicht von der Vergangenheit des Vaters lösen will. Es hilft zwar ein Balboa zu sein, denn der berühmte Name beflügelt Roberts Karriere im Finanzgeschäft, aber der Erwartungsdruck und die unverdiente Bevorzugung machen Rockys Sohnemann zu schaffen. Deshalb gibt es dann auch richtig Stunk mit Daddy, als dessen Vorhaben, ein Box-Revival zu starten, mal wieder alle Aufmerksamkeit auf ihn lenkt und Roberts Loslösungsversuche vermiest. Der Streit, der offenbar den familiären Umständen in Hause Stallone gar nicht so unähnlich ist, schließlich weigerte sich Stallones Sohn, Robert zu verkörpern wie in "Rocky V", wird schließlich beigelegt, als Robert erkennt, dass es ihm bisher einfach an Selbstachtung mangelte. Na, wenn das mal keine Botschaft Papa Stallones an den eigenen Nachwuchs ist.

Rocky Balboa Von vergleichbaren Identitätsstörungen wird auch das scheinbar unbesiegbare Ausnahmetalent Mason Dixon geplagt. Er glaubt, den alternden Rocky geradezu aufs Schafott führen und kurzen Prozess mit der Legende machen zu können. Dass Balboa auch hier eine väterliche Rolle einnimmt und dem körperlich überlegenen Jungspund beim Showdown nicht nur den Scheitel neu zieht, sondern ihm auch mit viel Karacho Lebensweisheit einprügelt, versteht sich wohl von selbst. So sieht sich Stallone offenbar am liebsten.

Ein cineastischer Höhenflug ist "Rocky Balboa" deshalb allerdings nicht. Stallones Regiearbeit ist ganz annehmbar und auch an Humor mangelt es seinem Film nicht. Dennoch werden oft statt Tiefgründigkeit und Harmonie nur Eindimensionalität und absurde Widersprüche erreicht. Rockys Beziehung zu Barkeeperin Marie, die zuletzt im Originalfilm von 1976 auftauchte, und seine vermeintliche Vertrautheit mit ihrem Sohn Steps sind allenfalls oberflächlich. Wieder lässt Rocky seine Vaterqualitäten heraushängen, von denen das "schwarze Ghettokid" Steps und seine arme alleinerziehende Mutter förmlich gezwungen werden zu profitieren, ohne dass je eine authentische Freundschaft entsteht. An anderer Stelle markiert Balboa den ultimativen Tierfreund, der einen verlausten Köter – etwa eine Metapher für sein eigenes Schicksal? – aufpäppelt, und drischt im nächsten Moment schon unermüdlich auf einen blutigen Kuhkadaver in einer großen Schlachterei ein. Und was wurde eigentlich aus dem verdammt ernsten Hirntrauma, das in "Rocky V" die Karriere des Champions für immer beendet haben wollte? Vor lauter Hirnschwund muss der Befund wohl in Vergessenheit geraten sein.



FAZIT


Sylvester Stallone signiert ein Rocky-Plakat "Rocky Balboa" besinnt sich trotz kleiner Schwierigkeiten auf die Anfänge des Rocky-Phänomens von 1976 und ist neben dem Originalfilm wahrscheinlich der überzeugendste Vertreter der Filmserie. Stallone hat die Reputation seiner bereits vom Filmolymp verstoßen geglaubten Figur Rocky, die eigentlich mehr denn je eine Reinkarnation von ihm selbst ist, gerettet, ohne sich dabei ein größenwahnsinniges Filmdenkmal zu setzen. "Rocky Balboa" ist Rockys schrullig-charmanter wie unnötiger, aber dafür endgültiger Abschied. Das hat Sylvester Stallone versprochen. Und wenn wir eines wissen, dann das: Boxer halten ihr Wort. Denken wir doch nur an Henry Maske!

Von Therese Hopfmann



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