Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Reine Formsache

Reine Formsache

» Links zum Artikel
Kinostart
13.04.2006

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2006

Land
D

Verleih
Senator

Regie
Ralf Huettner

Autor
Béla Jarzyk / Ralf Huettner

Laufzeit
96 Minuten

FSK
ab 6 Jahren

Hauptdarsteller
Marc Hosemann
Christiane Paul
Bastian Pastewka
Floriane Daniel




Der gute Wille

INHALT

Reine Formsache "Reine Formsache" beginnt dort, wo Romantik normalerweise endet: Im Gerichtssaal beim Scheidungstermin. Pola hat von der Unzuverlässigkeit und den Extratouren ihres Mannes Felix genug. Sie will ihn endgültig aus ihrem Leben verbannen und mit ihrer neuen Liebe in Paris einen Neuanfang wagen. Doch Felix, ein Filou und Spieler, der noch in seinem Leben gearbeitet hat, lässt sich nicht so einfach verdrängen und fängt an, Pola nach allen Regeln der Kunst zu umgarnen. Doch da kommt ihn seine alte Affär Ada in die Quere, die Freundin seines besten Freundes Wito, die sich nicht so leicht abschütteln lässt. Dummerweise hat Wito ein aufbrausendes Temperament und ist grenzenlos eifersüchtig... was Felix schnell am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Auch in der Ehe von Felix’ Freunden Effi und Gustav, auf deren Hochzeit er Pola kennen gelernt hat, hängt der Haussegen mehr als schief. Die große Liebe scheint nur noch auf dem Papier zu existieren. Während sich Gustav im Flirten mit anderen Frauen übt und das große Abenteuer sucht, fragt sich Effi, welchen Sinn ihre Ehe überhaupt noch hat. Es scheint schon fast, dass keine Liebe von Dauer ist. Erst als Felix’ Vater sich mit seiner Schusseligkeit und Paranoia in den alltäglichen Wahnsinn des Lebens der beiden Scheidungswilligen einmischt, nähern sich Pola und Felix langsam wieder an. Doch bis die drei Paare herausfinden, dass sie die große Liebe bereits gefunden haben, ist noch ein langer Weg...



KRITIK

Reine Formsache Nach gleich vier Wettbewerbsbeiträgen bei der Berlinale und dem großen Lob, das Hans-Christian Schmids "Requiem" von allen Seiten bekam, scheint es mit dem deutschen Film langsam aufwärts zu gehen. Mit "Reine Formsache" kommt jetzt der nächste deutsche Film in die Kinos und sollte dank Namen wie Christiane Paul, Bastian Pastewka und Oliver Korritke auch einige Zuschauer anlocken können. Regisseur Ralf Huettner, der schon den Tom-Gerhardt-Klamauk "Voll Normaaal" und später die erfolgreichen "Musterknaben" inszenierte, will seinen Film als romantische Komödie verstanden wissen und kritisiert, dass es in Deutschland keine verschwimmenden Genre-Grenzen gibt – dass "eine Geschichte entweder der fette Brüller ist oder eine bierernste Angelegenheit." So versucht Huettner mit seinem neuesten Film, die Balance zwischen Komik und Tragik, zwischen Spaß und Ernst zu finden – und scheitert schließlich am eigenen Anspruch, einen Film "mit pointiertem Humor und erfrischender Authentizität" zu machen.

Die Grundidee, nicht einfach eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen zu erzählen, sondern den Alltag von drei verschiedenen Paaren unter die Lupe zu nehmen, ist tatsächlich erfrischend und die Charaktere sind auch durchaus authentisch. Draufgänger Felix (Marc Hosemann - "Liebe deine Nächste"), der scheinbar verantwortungslos sein Leben lebt, und die witzige Pola (Christiane Paul – "Das Leben ist eine Baustelle"), die Felix’ Lebensstil zwar aufregend findet, aber selbst doch sehr viel romantischer und ernster ist, bilden ein Paar, dem man sowohl die große Liebe als auch die vielen Probleme in ihrer Beziehung abnimmt. Auch die aus den Fugen geratene Ehe des etwas spießigen, aber liebenswerten Gustav (Bastian Pastewka – "Der Wixxer") und der im Haus überforderten Effi (Floriane Daniel – "Winterschläfer") wird genauso realistisch gezeigt wie die wilde Beziehung zwischen dem temperamentvollen Wito (Oliver Korittke – "Die Musterknaben") und der umtriebigen Ada (Petra Schmidt-Schaller). Auch Michael Gwisdek ("Herr Lehmann", "Good Bye Lenin!") als Felix’ seniler Vater, der noch immer glaubt, dass sein Sohn glücklich mit Pola verheiratet ist, macht es Spaß zuzusehen.

Reine Formsache Doch diese Authentizität der Charaktere setzt sich in ihren Dialogen und Aktionen leider nur halbwegs fort. So wirkt das Philosophieren zwischen Felix und Pola über den Satz, dass "der schönste Tag im Leben einer Frau die Hochzeit ist", genauso bemüht wie die etwas merkwürdige Frage, die Felix’ Vater in den Raum wirft: "Ich frage mich, ob wir, wenn wir ein zweites Leben hätten und von unseren Fehlern aus dem ersten nichts wüssten, ob wir dann unsere Entscheidungen anders treffen würden. Ich bin wohl eher der Typ, der alles noch mal so macht." Diesen Überlegungen stehen dann wieder Szenen gegenüber, in denen Felix in einer Bar den Kondom-Automaten von der Wand reißt und ihn schließlich mitnehmen muss, da er seine Hand nicht mehr rausbekommt, oder von Wito durch eine Glasscheibe im zweiten Stock in einen Swimming Pool geworfen wird. Das mag als der angesprochene Balance-Akt zwischen Tragik und Komik gemeint sein, wirkt im Film aber schließlich doch eher deplatziert und hemmt die "erfrischende Authentizität" deutlich.

Auf der technischen Seite wurde dagegen alles richtig gemacht. Die sehr lebhaft wirkenden Schauplätze werden von der hervorragenden Kamera wunderbar eingesetzt, die Szenen gehen fließend ineinander über und der abwechslungsreiche Soundtrack sorgt für eine Gelassenheit, die man vom deutschen Film eher nicht gewohnt ist. Umso bedauerlicher, dass das Spiel vom theatererfahrenen Hauptdarsteller Marc Hosemann nur wenig überzeugen kann und die Figur des Felix so zwar gut gezeichnet bleibt, auf der Leinwand aber über 90 Minuten nur schwer zu ertragen ist. An den übrigen Darstellern gibt es wenig auszusetzen, vor allem Christiane Paul glänzt in der interessanten Rolle der Pola und auch Bastian Pastewka – von dem man im Vorfeld wohl am ehesten vermutet hatte, dass er hier fehl am Platz ist – überrascht mit einer zurückhaltenden und trotzdem witzigen Darstellung des spießigen Gustavs, der nach einem erneuten Streit mit seiner Frau nach einem "Seitensprung um jeden Preis" sucht und dabei die Hilfe von Aufreißer Felix braucht.

So bleibt "Reine Formsache" ein Film, der zwar über einige gute Ansätze verfügt, darüber aber nie hinauskommt. Mit der ein oder anderen Szene wird man durchaus Spaß haben können und durch die leichtfüßige Inszenierung kommt auch keinesfalls Langeweile auf, das Gefühl, einen wirklich guten Film zu sehen, wird sich trotzdem kaum einstellen. "Reine Formsache ist eine gut gelaunte Einladung, ein paar sympathische Zeitgenossen in einer turbulenten Phase ihres Lebens zu begleiten", heißt es in der Pressemitteilung. Das ist noch nicht einmal zuviel versprochen. "Reine Formsache" ist tatsächlich eine nett gemeinte Einladung – aber leider nicht mehr.



FAZIT

Reine Formsache "Reine Formsache" reiht sich in die Riege der mittelmäßigen deutschen Kinofilme ein. Zwar können Produktion, Inszenierung und (größtenteils) auch die Darstellung überzeugen, der Spagat zwischen Liebesgeschichte und lockerer Komödie gelingt dafür nur teilweise. Man kann mit diesem Film sicherlich seinen Spaß haben und es sei hier auch nicht uneingeschränkt von einem Kino-Besuch abgeraten. Für eine wirkliche Empfehlung ist Ralf Huettners Film aber definitiv zu blass – schade eigentlich.

Von Till Kadritzke



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex