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Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt

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Original Titel
Pirates of the Caribbean: At World's End

Kinostart
24.05.2007

Genre
Abenteuer

Erscheinungsjahr
2007

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
Gore Verbinski

Autor
Ted Elliott/ Terry Rossio

Laufzeit
169 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Johnny Depp
Orlando Bloom
Keira Knightley
Keith Richards




Leinen los, Depp!

INHALT

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt Sie glauben, aus einer piratigen Vergnügungsparkattraktion kann man keinen ordentlichen Stoff für einen Film machen? Oh doch, kann man. Einen dreiteiligen sogar. Die dritte Instanz hat es ganz besonders in sich. Die königliche Armada der East India Company will die karibischen Gewässer aus der Herrschaft der organisierten Piraterie befreien, wenn es sein muss mit Gewalt. Ein machtvoller Pakt mit dem verfluchten Kapitän eines berüchtigten Geisterschiffs, Davy Jones (Bill Nighy), dessen Herz außerhalb seines Körpers in einer Truhe haust, soll die Machtübernahme sichern. Die Piraten brauchen nicht lange, um die Gefährlichkeit des Bündnisses zu begreifen. Pirat Barbossa (Geoffrey Rush) weiß, was zu tun ist: Die neun Piraten-Lords müssen sich versammeln, um die Meeresgöttin Calypso, die sie einst gemeinsam zu ihren Gunsten untauglich machen konnten, zu befreien. Die Göttin soll’s richten. Doch einer der Lords fehlt. Pirat Jack Sparrow (Johnny Depp) hat es mitsamt Schiff in das Reich der Toten verschlagen, wo ihn die Einsamkeit in den Wahnsinn treibt. Seine zurückgelassenen Komplizen Will Turner (Orlando Bloom) und Elizabeth Swann (Keira Knightley) schließen sich Barbossas Rettungsaktion an. Für den Weg ans Ende der Welt, wo Sparrow sich aufhält, wird allerdings eine Karte benötigt, die im Besitz des chinesischen Seeräubers Sao Feng (Chow Yun-Fat) ist. Und dann steht da noch die Rettung von Wills Vater an, der bei Davy Jones – aufhören, aufhören, Gnade!



KRITIK

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt Schwüle Hitze. Schwappendes Rauschen. Salzige Luft. Kurz: Karibische Zustände - dabei hatte die Pressevorstellung von "Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt" noch gar nicht begonnen. Es war die Klimaanlage des Kinosaals, die schon vorab versehentlich für Südseewitterung sorgte. Zum dargebotenen Film passte die vor sich hin gurgelnde Belüftungstechnik allemal. Mit ein wenig Einbildung verwandelte sich das monotone Gerausche der Maschine in den allgegenwärtigen Wellenschlag im Film und sogar der penetrante Salzgeruch des schweißtriefenden Sitznachbarn ließ sich mit einiger Fantasie ins imaginäre Meeresaroma einordnen. Und war das nicht eben der Schrei einer Möwe? Oder war es doch nur das wehleidige Stöhnen eines überhitzten Zuschauers in der Ferne? Das karibische Raumklima hatte Vor- und Nachteile: Einerseits ließ es das versammelte Pressepublikum hervorragend in das Filmspektakel einfühlen, andererseits ließ es alle Anwesenden die Überlänge des Films am ganzen Körper spüren. Der dritte Teil der Piratensaga ist annähernd drei Stunden lang und so manche Szene scheint die Zeit in zähen Sirup zu verwandeln.

Das geradezu zwanghafte Bestreben seitens des finanziell vom Erfolg der Films stark abhängigen Disney-Konzerns, mit "Pirates of the Caribbean" ein extrem großes, generations- und geschlechterübergreifendes Publikum anzusprechen, ist sicherlich ein Grund für die enorme Länge des Films. Neben einem romantischen Handlungsstrang, etlichen Befreiungsaktionen und der mühseligen Vorbereitung der finalen Schlacht fordern natürlich auch Action- und Slapsticksequenzen genügend Platz im Film ein. Überraschend selten sind diese verschiedenen Richtungen miteinander verschränkt und bilden ein homogenes Stimmungsbild. Die groteske Mixtur mutet nicht selten wie ein vergeblicher Versuch an, Öl mit Wasser zu mischen. Schwülstige Hans-Zimmer-Hintergrundmusik begleitet Will und Elizabeth auf den durchaus ernst gemeinten Abwegen der Liebe, während sich an anderer Stelle ein Protagonist nach zweitklassiger Slapstickmanier einen durchgefrorenen Zeh abbricht. Statt als Gesamtkunstwerk alle Zuschauergruppen immer gleichermaßen anzusprechen, werden sich Actionfans die meiste Zeit genauso gelangweilt fühlen wie Comedy- oder Romantikliebhaber. Die Langeweile alterniert dabei gewissermaßen zwischen ihnen je nach Szene.

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt Der zweite, vielleicht relevantere Grund für die Länge des Karibik-Epos bzw. seiner gefühlten Dauer von weit mehr als drei Stunden ist die Komplexität der Handlung, die aus der Idee des facettenreichen Megaspielfilms folgt. Die schiere Zahl der involvierten Protagonisten von Pirat Krakengesicht bis Kapitän Tunte macht "Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt" zu einem anstrengenden Gedächtnistrainer, der gerade in den ersten fünfzig Minuten mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad droht. Wer in der Zeit mental aussteigt, fristet sein Dasein während der verbleibenden Stunden mit Sicherheit in einem geistigen Bermudadreieck. Den Wust von Piraten auseinander halten zu können oder es wenigstens zu versuchen, ist dabei jedoch lediglich ein Vorspiel für die Unzahl von Intrigen und Bündnissen, die von ihm ausgeht. Manche davon stammen bereits aus den Vorgängerfilmen und erfordern entsprechendes Vorwissen, andere kristallisieren sich erst im Verlauf der Handlung heraus.

Johnny Depp alias Jack Sparrow wird mehr denn je als das menschliche Flagschiff des Films deklariert. Depp bekam alle Szenen, die er sich für seine geliebte Piratenfigur erhofft hatte. Imaginäre Sparrow-Klons kommentieren immerzu den Geisteszustand des exzentrischen Seebären und verrückte Einfälle gehen immer und einzig auf sein Konto, wenn man die Geistesblitze des kleinen Affen aus Barbossas Crew nicht mitrechnet. Ganz bewusst inszeniert der Film Publikumsliebling Sparrow in Sachen schrulliger Genialität und Blödelei so, dass er nicht von anderen ausgestochen werden kann. Doch Depp setzt keine allzu hohen oder gar neuen Maßstäbe und entsprechend dürftig fallen die Darbietungen der untertänig um ihn arrangierten Figuren aus. Keith Richards’ Auftritt als Sparrows Vater schreit geradezu nach dem Gipfel der Abstrusität, doch Sparrows debiles Auftreten ist augenscheinlich kein Erbe des Vaters. Richards’ Präsenz ist so streng genommen vollkommen witz- und sinnlos. Sein Intermezzo hat vielmehr den Charme eines kurzweiligen Gastauftritts eines Prominenten in einer dürftigen Sitcom. Das Piratenpotenzial des Rolling-Stones-Gitarristen und das einiger anderer Darsteller wird zurückgestellt, während Disney ganz auf Depp setzt und dessen überdrehte Pirateninkarnation endgültig von der Leine lässt in der Hoffnung, Depps verschrobene Performance möge den Zuschauer tollwütig anfallen und dabei nichts an ihrer Neuartigkeit einbüßen.



FAZIT

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt Das Kino nach "Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt" zu verlassen, fühlt sich an wie das Ende eines Langstreckenflugs mit Zeitverschiebung. Man ist sicher, Überlebender eines zehnstündigen Mammuttrips zu sein, doch die Uhr zeigt unerbittlich an, dass rein rechnerisch kaum drei Stunden vergangen sind. Der Triumph, das Monster besiegt zu haben, schwindet. Was bleibt, ist ein wüstes Erinnerungspuzzle von Piratenfratzen, dessen Zusammensetzung bei Tageslicht nur unter Qual gelingt, und die Angst vor einem vierten Teil, der das langfristige Merken all der Figuren und ihrer Allianzen voraussetzen würde. Wer war noch mal Captain Teague?

Von Therese Hopfmann



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