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Pathfinder - Fährte des Kriegers

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Original Titel
Pathfinder

Kinostart
08.03.2007

Genre
Action

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
FOX

Regie
Marcus Nispel

Autor
Laeta Kalogridis/ Todd Komarnicki

Laufzeit
100 Minuten

FSK
ab 18 Jahren

Hauptdarsteller
Karl Urban
Moon Bloodgood
Russell Means
Ralf Moeller




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INHALT

Pathfinder Im nordamerikanischen Dschungel ist der Teufel los. Wir schreiben Pi mal Daumen das Jahr 900 und eine äußerst heterosexuelle Schar männlicher Wikinger kümmert sich einen Dreck um die historische Bedeutung ihrer Entdeckung Nordamerikas, sondern frönt lieber einem intensiven Testosteronrausch, der für die ortsansässigen Indianerstämme nichts Gutes bedeutet. Bei einer ihrer ekstatischen Mordtouren verliert die Meute einen zehnjährigen Nachwuchskrieger, der beim Stamm der Wampanoag-Indianer Obhut findet. Die Zieheltern machen aus dem Bleichgesicht eine ganz anständige Rothaut und als ihnen 15 Jahre später erneut eine Horde Wikinger auf die Pelle rückt, kämpft der junge Mann selbstverständlich auf der Seite der Ureinwohner. Nur er kennt die Kampftaktik und Schwertkunst der Angreifer, nur er kann seinen Stamm retten. Das Gemetzel beginnt.



KRITIK

Nein, so ein Pathfinder ist wahrlich kein Pfadfinder im üblichen Sinne, wie sich ein anglophober Filmkritikerkollege nach einem missratenen Versuch der wortwörtlichen Übersetzung des englischen Titels unlängst erhoffte. Halstücher und Nähabzeichen sucht man in "Pathfinder" vergebens. Gemeint ist wohl eher die Kunst des Spurenlesens, die im Film besonders begabten Indianern im Blut liegt. Die Aktivitäten der unbegabteren Film-Indianer sind dann aber denen einer gewöhnlichen Pfadfinder-Truppe gar nicht mehr so unähnlich. Bei Lagerfeuerromantik und kollektivem Gesang werden mystische Floskeln ausgetauscht, bevor die Ureinwohner schließlich doch dusselig in die nächstbeste Falle tappen. Eine Ausnahme ist selbstredend das Wikinger-Kuckuckskind Ghost (Karl Urban, "Der Herr der Ringe"), das sich zum Spurenleseranwärter mausert.

Mit einem penetranten Kumpanen und einer langzopfigen Bilderbuchindianerin im Schlepptau verschlägt es Ghost in die Tiefen der Wildnis, um mitten im Gestrüpp der gehörnten Wikingerkolonne den Gar auszumachen. Unter den finsteren Burschen, die vornehmlich ein unverständliches Grummeln und Brummen von sich geben – man ist es von debilen Skandinaviern wohl nicht anders gewöhnt - tummelt sich übrigens auch Muskelmann Ralf Möller ("Gladiator"). Er ist allerdings gut versteckt unter kiloschweren Leder-Kettenhemd-Kombinationen und viel blau-schwarzem Make-up, das stark an Mel Gibsons Faschingsgesicht in "Braveheart" erinnert, während Kluft und Artikulation Reminiszenzen an "Herr der Ringe"-Orks wecken.

Der Schauplatz selbst, auf dem die kostümierten Wikinger so ungestüm nordlichtern, scheut sich ebenfalls nicht, sich als beherzte Imitation anderer Filmproduktionen zu outen. Die Umgebung vereint die Optik von Peter Pans Insel mit dem Märchenwald aus "Die unendliche Geschichte" inklusive weißem Klepper und die Nebelmaschine schiebt Überstunden, sodass sich der Ort des Geschehens unschwer im Königreich Krull verorten ließe. Wenn der "Pathfinder"-Wald Erinnerungen an Filme der Achtziger beschwört, dann ist das vielleicht gar kein so unglücklicher Zufall, wie man denken könnte. Der Film ist tatsächlich eine Adaption eines gleichnamigen norwegischen Films, der 1987 erschien. Warum Regisseur Marcus Nispel ("The Texas Chain Saw Massacre", 2003) allerdings ausgerechnet dem schwummerig-kitschigen Nebeltrend der Achtziger eine Hommage macht, ist im wahrsten Sinne des Wortes schleierhaft. Wenig Verbesserung gegenüber dem skandinavischen Original bekundet sicherlich auch die Konzeption des Drehbuchs bezüglich zwischenmenschlicher Kommunikation. Sicherlich, weil sich selbst in Unkenntnis des Originalfilms feststellen lässt, dass es schlechter nicht geht: Vom Bienenstockgebrummel und Gegrunze der Wikinger-Orks war ja bereits die Rede, aber auch Haudegen Ghost ergeht es kaum besser. Dialoge sind in "Pathfinder" so rar gesät, dass selbst für den Helden kaum Redeanteil abfällt. Ergreifen er oder andere Protagonisten doch einmal das Wort, ist die Unterbrechung der Totenstille von so unfassbarer Lächerlichkeit, dass das Zwerchfell des Zuschauers sich unweigerlich in einem Krampf zusammenzieht und erst wieder beruhigt, wenn das allgegenwärtige virtuelle Schneegestöber wieder stillschweigend durch den mörderischen Märchenwald fegt.



FAZIT

Pathfinder "Pathfinder" ist ein dröger Barbarenfilm, der sich stilistisch an geschmacklose Achtziger-Produktionen Marke "Conan der Barbar" annähert. Karl Urban halbnackt im Lendenschurz durch nordamerikanische Schneelandschaften hetzen zu sehen, mag seinen Reiz haben, aber das ist noch lange kein Grund, 100 Minuten Lebenszeit in Marcus Nispels "Pathfinder" zu investieren. Genau davor scheinen jedenfalls sämtliche Schlachtrösser des Kostümspektakels eindringlich zu warnen, indem sie bei jeder Gelegenheit aufbäumend die Hufe hochreißen, um ihrem Protest gegen ihren Einsatz in Nispels Indianerklamotte Ausdruck zu verleihen. Was die cleveren Gäule bestimmt auch unterstützen würden: Das beiläufige Versteckspiel mit Ralf Möller in Tarnkleidung ist ungefähr so einladend wie ein langweiliger Fernsehabend mit Columbo, an dem man verzweifelt versucht herauszufinden, welches Auge von Peter Falk nun eigentlich aus Glas ist. Pfadfinderehrenwort.

Von Therese Hopfmann



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