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Paris, je t'aime

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Kinostart
25.01.2007

Genre
Episodenfilm

Erscheinungsjahr
2006

Land
F

Verleih
Senator

Regie
Joel Coen, Ethan Coen u.v.m.

Laufzeit
120 Minuten

Hauptdarsteller
Willem Dafoe
Bob Hoskins
Nick Nolte
Natalie Portman
Elijah Wood
Gérard Depardieu




Namedropping hoch achtzehn

INHALT

Paris, je t'aime Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie haben ein lang ersehntes Date und die Dame ihres Herzens besteht darauf, ins Kino zu gehen. Aber ein romantischer Film, bitteschön! Dabei ist Ihre Aufmerksamkeitsspanne bei Liebesfilmen gleich Null! Die perfekte Lösung Ihres Dilemmas heißt "Paris, je t’aime", ein Film, der aus 18 Kurzfilmen besteht, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise das Thema Liebe in Paris verarbeiten.

Pardon, Sie haben gar kein Date in Aussicht? Ins Kino wollen Sie aber trotzdem, weil Sie ein ausgemachter Filmspezialist sind? Dann ist auch in Ihrem Fall "Paris, je t’aime" die Empfehlung der Woche. Der Film besticht mit einer exquisiten Auswahl an Regisseuren wie Alfonso Cuarón, Alexander Payne und Tom Tykwer und Schauspielern (u.a. Juliette Binoche, Natalie Portman, Willem Dafoe und Steve Buscemi), die keinen Filmgourmet kalt lassen kann.



KRITIK

Paris, je t'aime Ursprünglich war die Idee des Regisseurs Tristan Carné, der das Konzept für "Paris, je t’aime" entwarf, jedem der 20 Arrondissements seiner Lieblingsstadt Paris einen kurzen "Liebesfilm" zu widmen. Doch als der italienische Regisseur Ettore Scola und sein rumänischer Kollege Radu Mihaileanu kurzfristig absagen mussten, wurden aus 20 Kurzfilmen 18. Gerangel um die besten Drehorte gab es trotzdem genug und das Mammutprojekt, das 18 Regie-Teams aus zehn Ländern koordinieren musste, konnte beginnen.

Das Ergebnis des schwierigen Projekts ist ein zweistündiger Film, der 18 sehr unterschiedliche Kurzfilme, die nach Vierteln und Plätzen der französischen Hauptstadt benannt sind, aneinanderreiht. Unterschiede lassen sich allerdings nicht nur in Form der verschiedenen Ideen und Looks der Filme festmachen, sondern betreffen auch Qualität und Originalität der Beiträge. "Paris, je t’aime" hat seine Höhen und Tiefen.

Der Film fängt ausgerechnet mit einem Tief an. Die ersten drei Kurzfilme, darunter auch Gus Van Sants ("Good Will Hunting") verkitschter Beitrag, der das Treffen von zwei vermeintlich seelenverwandten Schönlingen schildert, sind unglücklich angeordnet, denn alle drei lassen Witz und Charme völlig auf der Strecke. Erst die Episode der Coen-Brüder ("The Big Lebowski"), die in Zusammenarbeit mit dem "Die fabelhafte Welt der Amélie"-Kameramann Bruno Delbonnel entstand, deutet an, wie schön "Paris, je t’aime" auf einem seiner Hochs sein kann.

Paris, je t'aime In der Coen-Episode "Tuileries" spielt Steve Buscemi einen wunderbar vertrottelten Touristen, der in einer U-Bahn-Station allein durch die Aufnahme von Blickkontakt mit einem französischen Pärchen in die Bredouille gerät und schließlich sogar Prügel dafür einstecken muss. Andere Glanzlichter in dem durchwachsenen Gesamtkunstwerk "Paris, je t’aime" sind Wes Cravens ("Scream") "Père Lachaise" und Sylvain Chomets "Tour Eiffel". Chomet machte sich bisher eher im Animationsfilmgewerbe einen Namen. Sein markanter Trickfilmstil, den er mit seinem innovativen Erfolgsfilm "Das große Rennen von Belleville" einer breiten Öffentlichkeit vorstellte, funktioniert auch auf nicht-animierter Ebene, wie sein Kurzfilm beweist.

Andere Beiträge hinterlassen wiederum den Eindruck, dass gute Spielfilm-Regisseure nicht unbedingt auch gute Kurzfilm-Macher sind. Besonders nicht, wenn sie sich dabei zu viel zumuten. Für "Paris, je t’aime" mutierten fast alle beteiligten Regisseure zu Drehbuchautoren und schrieben die Skripte ihrer Filme selbst - offenbar nach dem Motto: Wie schwer kann es schon sein, zehn Filmminuten zu füllen? Schwer, ziemlich schwer sogar. Das dokumentieren zum Beispiel Tom Tykwers Beitrag und Isabel Coixets schlapp komprimiertes Beziehungsdrama "Bastille", das die Entwicklung einer Beziehung von Anfang bis Ende skizziert.

Doch allein für Gérard Depardieus Kurzfilmepisode "Quartier Latin", der als vorletzter Beitrag läuft und somit ein tolles Finale einläutet, lohnt es sich, "Paris, je t’aime" zu sehen. Das lange Warten wird mit einem Filmchen belohnt, das alles richtig macht: Regisseur Depardieu schrieb das Drehbuch klugerweise nicht selbst, sondern überließ diese Aufgabe der grandiosen Gena Rowlands ("Eine Frau unter Einfluss"), die sich damit selbst als eigenwillige Ehefrau inszeniert, die an ihre Rolle in Cassavetes’ Film "Gesichter", der vor immerhin fast 40 Jahren entstand, anzuknüpfen scheint. "Quartier Latin" hält sich zurück, begrenzt seinen Handlungsrahmen auf ein Gespräch zwischen zwei Eheleuten, deren Ehe schon längst vorbei ist und deren Trennung nun endlich durch eine Scheidung offiziell besiegelt werden soll. Sarkasmus und Witzeleien, in die sich beide retten, übertünchen dabei ihre Trauer über das endgültige Eheaus.



FAZIT

Paris, je t'aime "Paris, je t’aime" ist als Gesamtkunstwerk oft schwächer als seine einzelnen Bruchstücke. Die Anordnung der Beiträge kompromittiert einige Episoden, wertet dadurch andere auf und übernimmt teilweise die Funktion einer bewertenden Instanz, die eigentlich beim Kinogänger liegen sollte. Davon abgesehen gibt es aber tatsächlich qualitative Unterschiede zwischen den Beiträgen, sodass "Paris, je t’aime" in seiner Ganzheit schwer zu bewerten ist. Was feststeht, ist, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist und jeder Zuschauer, ob Kinomuffel oder Filmconnaisseur, seine eigene Lieblingsepisode krönen kann.

Von Therese Hopfmann



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