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Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

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Original Titel
Das Parfum

Kinostart
14.09.2006

Genre
Thriller/ Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
D

Verleih
Constantin

Regie
Tom Tykwer

Autor
Tom Tykwer/ Bernd Eichinger u.a.

Laufzeit
147 Minuten

Hauptdarsteller
Ben Whishaw
Dustin Hoffman
Karoline Herfurth
Jessica Schwarz
Corinna Harfouch




Ein Parfum ohne Herznote

INHALT

Das Parfum Als Jean-Baptiste Grenouille (Ben Wishaw, “Layer Cake”) Mitte des 18. Jahrhunderts auf dem Pariser Fischmarkt das Licht der Welt erblickt, gehört er zu den Ärmsten der Armen. Von der Mutter verstoßen, wird der Säugling zunächst in ein schäbiges Waisenhaus abgeschoben und später an den Besitzer einer Gerberei verkauft. Dort schuftet der Junge unermüdlich unter schwierigsten Bedingungen, die ihm das Antlitz eines narbenzerfressenen Krüppels verleihen. Seine Psyche ist nicht minder verkümmert; Leidenschaft bringt er nur für das Erfassen von Gerüchen auf. Wahre Schönheit, das weiß Grenouille, ist keine Frage des optischen, sondern vielmehr des olfaktorischen Eindrucks eines Menschen.

Als Grenouille in Paris einer jungen Mirabellenverkäuferin (Karoline Herfurth, „Crazy“) über den Weg läuft, ist er von der Schönheit ihres Geruchs so benebelt, dass er das Mädchen durch die Stadt verfolgt. Fast versehentlich bringt er sie schließlich um. Doch ihren Geruch vermag er nicht festzuhalten. Als Geselle des Parfumeurs Baldini (Dustin Hoffman, „Rain Man“, „Wag The Dog“, „Wenn Träume fliegen lernen“) erlernt das junge Geruchsgenie daraufhin zumindest das Konservieren von Blumenaromen. Um die Methode, mit der man aber den Duft eines Lebewesens einfängt, kennen zu lernen, reist Grenouille nach Grasse. Sein Ziel: Ein unwiderstehliches Parfum für seinen eigenen, vollkommen geruchlosen Körper erschaffen. Und schon bald erschüttert eine mysteriöse Mordserie die Stadt…



KRITIK

Das Parfum Patrick Süskinds Erfolgsroman „Das Parfum“ gilt als eines der besten literarischen Werke aus deutschen Landen. Das Buch wurde in 45 Sprachen übersetzt und hält mittlerweile einen Stammplatz in unzähligen Deutschbüchern der Oberstufe inne. Doch erst 20 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen wurde der Bestseller nun für die Leinwand adaptiert. Woran das liegt? Zunächst ist da Autor Süskind, der dem Erwerb der Rechte an seinem Werk erst 2000 zustimmte. Viel ausschlaggebender ist allerdings „Das Parfum“ selbst. Der Roman galt lange als unverfilmbar, verarbeitete er doch zu großen Teilen die Wahrnehmung von Düften und deren Bestandteilen, die visuell nur schwer vermittelbar schien. Regisseur Tom Tykwer („Das Leben ist eine Baustelle“, „Lola rennt“) und Produzent Bernd Eichinger („Der Untergang“, „Elementarteilchen“) beweisen nun, dass „Das Parfum“ sich durchaus in Bildern erzählen lässt. Auch wenn dabei die Essenz des Romans auf der Strecke bleibt.

Allein der Handlungsumfang der Romanvorlage dürfte den Filmemachern Probleme bereitet haben. Grenouilles Lebensetappen sind nicht nur zahlreich, sondern auch prägend, sodass das Fehlen oder Kürzen eines Abschnitts auch gleichzeitig bedeuten muss, dass Grenouilles Charakter unvollständig ist. Den Drehbuchautoren Eichinger, Tykwer und Birkin blieb allerdings nicht anderes übrig, als die Detailfülle zu beschneiden und chronologische Änderungen vorzunehmen. Wo im Roman Grenouilles Geruchlosigkeit schon von im Säuglingsstadium von einer Hebamme bemerkt wird, wird sie im Film erst viel zu spät thematisiert und unterschlägt Grenouilles frühzeitige Versuche, sich einen künstlichen Menschenduft zu mischen, vollkommen. Seine Erkenntnisse darüber, wie Menschen allein durch Geruch zu manipulieren sind, wie man sich wahlweise beliebt oder unsichtbar machen kann, existieren im Wesen des Film-Grenouilles nicht. Der folgenschweren Besessenheit, einen idealen Geruch zu finden, wird so ein wichtiger Aspekt genommen. Natürlich wird das nur Romankennern auffallen.

Das Parfum Viel größere Tücken birgt die Vermittlung von Grenouilles Geruchswahrnehmungen. Süskinds detaillierte, raumgreifende Duftbeschreibungen, in denen der Protagonist seines Werks alltägliche Gerüche in all seine Einzelheiten entwirrt, bleiben in der Leinwandadaption völlig unerfasst. Dass Grenouille das Geheimnis der ultimativen Schönheit kennt, weil Schönheit Duft ist, kann der Film nicht vermitteln. Wie auch, wird im Kino Schönheit ja ausschließlich über Aussehen definiert. Grenouilles Wissen bleibt uns also verborgen. Seine Geschichte wird in Tykwers Version auf Lokalitäten und Aktionen beschränkt.

Dementsprechend schwer muss es dem Darsteller Ben Wishaw gefallen sein, sich in die Hauptfigur der Erzählung einzufühlen. Süskinds Grenouille verfügt nur über ein einziges positives Attribut, sein einziges Talent ist sein Geruchssinn, der Rest seiner Psyche – und darüber hinaus sein Körper – ist krank und vernachlässigt. Alle Menschen, mit denen Grenouille in Berührung kommt, sind verflucht und alsbald tot. Wishaw ist schlicht zu hübsch und liebenswert für die Rolle.

Dustin Hoffmans Auftritt als Guiseppe Baldini ist dafür sehr gelungen. Hoffman verkörpert den eitlen Italiener, dessen Parfümerie schon lange keinen Verkaufserfolg mehr vermelden durfte, mit viel Sinn für Ironie und Lächerlichkeit, die Baldinis nicht zu kaschierende Inkompetenz als aufgedonnerter Duftguru geradezu provoziert. Wirklich ein Augenschmaus.



FAZIT

Das Parfum „Das Parfum“ ist ein Film, der denjenigen, die bisher Patrick Süskinds Roman verschmäht haben, am besten gefallen wird. Ist man mit dem Originalwerk bereits vertraut, wird einen die Kinoversion enttäuschen. Obwohl Cinematographie und Kostümdesign durchaus gelungen und qualitativ hoch sind, schafft es der Film nicht, das literarische Meisterwerk in ein visuelles Equivalent umzuwandeln. Vielleicht muss dafür erst das Geruchskino erfunden werden.

Von Therese Hopfmann



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