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Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia

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Original Titel
The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch & the Wardrobe

Kinostart
08.12.2005

Genre
Fantasy

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
Andrew Adamson

Autor
Ann Peacock / Andrew Adamson, Christopher Markus, Stephen McFeely

Laufzeit
125 Minuten

Hauptdarsteller
Georgie Henley
William Moseley
Skandar Keynes
Anna Popplewell




Immerzu Winter, aber niemals Weihnachten

INHALT

Der König von Narnia Narnia ist die Welt der Fabelwesen und der sprechenden Tiere und Pflanzen. Doch wie die Kindliche Kaiserin von Phantásien in Michael Endes "Unendlicher Geschichte" immer wieder von Kindern aus unserer Welt besucht werden muss, die ihr einen neuen Namen geben, kann auch Narnia nur gedeihen, wenn es von Menschenkindern regiert wird.

C.S. Lewis war Professor für Literatur des Mittelalters und der Renaissance in Cambridge. In den 50er Jahren hat er "die Chroniken von Narnia" geschrieben, eine zumindest im angelsächsischen Raum sehr bekannte Fantasybuchreihe. Es sind heute zweifellos leicht angestaubte aber schöne Kinderbücher. Sie stecken voller christlicher Symbolik und – das ist das Wichtigste – sind im besten (und im doppelten) Sinn phantastisch. Mit anderen Worten: Sie sind die ideale Vorlage für einen oder auch mehrere Weihnachtsfilme aus dem Hause Disney. Kein Zeichentrick – damit klappt es bei Disney ja schon lange nicht mehr richtig – sondern mit CGI-Effekten gesättigte very High Budget Spielfilme, die als solche sicher mit dem "Herrn der Ringe" und mit "Harry Potter" verglichen werden werden. Die Produzenten dürften heimlich ein bisschen davon träumen, mit "Narnia" auch vergleichbare Einspielergebnisse zu erzielen. Wir wollen sie nicht wecken.

Der erste der in sich geschlossenen und nur lose aufeinander aufbauenden Bände ist nun verfilmt. In "Der König von Narnia" geht es um die vier Geschwister Lucy, Edmund, Suse und Peter. Sie werden im Zweiten Weltkrieg wegen der Luftangriffe auf London aufs Land in das große, alte Haus eines menschenscheuen Professors verschickt. Dort finden sie in einem Wandschrank ihre Tür nach Narnia. Das Land wird gerade von der bösen Weißen Hexe beherrscht, die dafür sorgt, dass ewiger Winter ist. Ewiger Winter und niemals Weihnachten. Sie bemerkt die Eindringlinge in ihr Reich unglücklicherweise sehr bald und setzt alles daran, sie zu töten. Denn sie weiß von einer Prophezeiung, die besagt, dass ihre Herrschaft von vier Menschenkindern, zwei Mädchen und zwei Jungen, beendet werden wird. Selbstverständlich gibt es auch gute Wesen in Narnia, die den Geschwistern helfen und schließlich kündigt sich das Kommen des Löwen Aslan an, einer Art Heiland, der Narnia und den Kindern Glaube, Liebe und Hoffnung bringt. Doch auch mit Aslan an der Seite wird es schwer, die Weiße Hexe zu besiegen.



KRITIK

Der König von Narnia Um den Vergleich mit den ganz großen Fantasyfilmen, die uns seit einigen Jahren immer zur Weihnachtszeit beschert werden, kurz abzuhandeln: Peter Jacksons "Herr-der-Ringe"-Verfilmung kann man schon heute als Klassiker bezeichnen. Für die "Harry-Potter"-Filmreihe ist Alfonso Cuarón mit "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" immerhin eine ausgezeichnete Verfilmung gelungen, die man auch jenseits von Fan-Hysterie und Medienhype ernstnehmen sollte. Vergleiche aber sind sinnlos, da die Fantasybücher von Tolkien, Rowling und Lewis außer der Tatsache, dass es Fantasybücher sind, wenig miteinander gemeinsam haben. So war zum Beispiel "Der Herr der Ringe" nie ein Kinderbuch und die "Harry Potter" Bücher haben sich zu Büchern für Jugendliche entwickelt. "Die Chroniken von Narnia" dagegen sind, obwohl natürlich auch viele Erwachsene ihren Spaß an ihnen haben und gut über ihren Subtext diskutiert werden kann, eindeutig Kinderbücher. Dass für die "Narnia"-Verfilmung die gleichen Trickfilmspezialisten wie für den "Herrn der Ringe" am Werk waren und ein ebenfalls sehr beachtliches Budget zur Verfügung stand, nehmen wir einmal als oberflächliche Gemeinsamkeit zur Kenntnis.

Den Augen bietet "Der König von Narnia" wunderschöne Landschaften (viel Tschechien im Winter und Neuseeland im Frühling), detailreich und liebevoll gestaltete Settings, Kulissen, Kostüme und Fabelwesen. Die Ohren malträtiert er leider mit einem Soundtrack zum Abgewöhnen (Harry Gregson-Williams durfte den Kleister anrühren). Beides war im Grunde zu erwarten.

Spannender ist die Frage, wie der im Umgang mit echten Schauspielern debütierende Regisseur Andrew Adamson ("Shrek" 1 und 2) das Verhältnis der vier Geschwister in Szene setzt. Die Antwort lautet: souverän und überzeugend. Die vier Kinderdarsteller ergänzen sich spielend. Die dankbaren Rollen sind zweifellos die der beiden jüngeren: Lucy, die Jüngste, die von allen geliebte kleine Schwester mit ihrem umwerfendem Charme, ihrer Offenheit, ihrem Mut und ihrer ungebrochenen Begeisterung für die phantastische Welt Narnia. Und Edmund, der in der unschönen Position des Zweitjüngsten vom Führungsanspruch seines großen Bruders genauso genervt ist wie von der Beliebtheit seiner kleinen Schwester, sich vom Dunklen angezogen fühlt und im Lauf der Geschichte seine Geschwister an die böse Hexe verrät. Die richtigen Darsteller für diese Rollen muss man natürlich trotzdem erst einmal finden. Das hat man: Die 10jährige Georgie Henley als Lucy und der 14jährige Skandar Keynes als Edmund sind klasse. Die im ersten Narnia-Band eher blassen Figuren der großen Geschwister wertet der Film geschickt auf und gibt ihren Darstellern Anna Popplewell und William Mosley die Möglichkeit zu zeigen, dass auch Suse und Peter mit den ihnen zugedachten Rollen zu kämpfen haben. Peter hat durchaus nicht immer Lust wie ein Erwachsener die Verantwortung für seine Geschwister übernehmen zu sollen, und Suse signalisiert ihm gerne, dass sie mindestens genauso erwachsen ist wie er.

Mit der herausragenden Tilda Swinton (zuletzt in Jim Jarmuschs "Broken Flowers" zu bewundern) ist die böse Gegenspielerin der vier Kinder lobenswert hochkarätig besetzt. Wunderbar unmenschlich geschminkt und kostümiert vollführt sie ihre intensiven Auftritte mit zauberhaft eisiger Eleganz. Ihre böse Weiße Hexe ist intelligenter, anziehender und bedrohlicher als in Lewis Roman. Trickfilmregisseur Adamson zeigt es allen, die vielleicht gedacht haben, er würde sich mehr um animierte Fabelwesen als um menschliche Darsteller kümmern.

Der König von Narnia Die nicht-menschlichen Darsteller sind aber auch nicht schlecht. Für die angenehm (und gekonnte!) naturalistische Gestaltung der CGI-Tiere darf man dankbar sein. Es reicht nämlich an Vermenschlichung völlig aus, wenn Tiere sprechen können und ein Benehmen wie besonders schrullige Exemplare unserer Gattung an den Tag legen. Die Augen können dann ruhig ihre natürliche Größe behalten. Nur bei der Figur des Löwen Aslan stößt die ausgezeichnete CGI-Technik an ihre Grenzen. Die Bewegungen einer Katze sind wohl noch etwas zu schwierig. Da die Tricktechnik mit Sicherheit weiter fortschreitet, kann das in den geplanten Fortsetzungen nur besser werden und vielleicht bekommen wir Aslan auch noch einmal zu sehen, wie er mit den Kindern fangen spielt. Eine Szene aus dem Buch, die uns der Film vorenthält, obwohl sie wichtig gewesen wäre, um die besondere Natur zu verdeutlichen, die Narnias Heiland in Löwengestalt für die Kinder annimmt. Denn er ist nicht nur ihre höchste Autorität, er ist eben auch ihr spielendes Kätzchen – kein zahmes Kätzchen allerdings.

Das Spielerische macht dem Film gegen Ende nicht nur bei Aslans Darstellung Probleme. Das Narnia des ersten Bandes ist ein Land, in dem man zwischen den Abenteuern ständig beim Tee sitzt und Toastbrot verzehrt. Die Lucy im Film bemerkt zurecht, dass den Narnianen wohl niemals ihr Toastbrot ausgehe. Der Film nimmt sich zunächst die Zeit für solche Pausen, und das ist gut so. Aslan gibt im Buch nicht nur so einiges an sehr pathetischen Weisheiten von sich, er tut auch solche Dinge wie vor der Schlacht gegen die böse Hexe in die Pfoten klatschen und folgenden schönen Satz sagen: "Wenn die Hexe vor dem Zubettgehn noch endgültig besiegt werden soll, müssen wir sofort zum Kampf aufbrechen." Noch vor dem Zubettgehn. Das ist die Stillage des Romans. Man kann verstehen, dass die Filmemacher den Satz so nicht übernehmen wollten, die etwas älteren Kinder hätten es wahrscheinlich als "kindisch" empfunden. Man kann sogar verstehen, dass sie sich bei der Inszenierung der Schlacht am "Herrn der Ringe" und ähnlichen Standards orientiert haben, schließlich muss man auch was bieten in der obersten Blockbusterliga. (Geschnitten sind die Kampfszenen allerdings selbstverständlich so, dass die FSK den Film ab sechs Jahren freigeben kann.) Aber, auch wenn die böse Hexe in ihrem von Eisbären gezogenem Kampfwagen ein phantastischer Anblick ist, gerät die Tonlage mit der Entscheidungsschlacht viel zu pathetisch, und ebenso gerät der Erzählrhythmus auf der Zielgeraden ins Stolpern, weil er sich dem Rhythmus des Kampfgeschehens anpassen muss.



FAZIT

Der König von Narnia "Der König von Narnia" hat einige Schwächen. Vielleicht wäre ein etwas geringeres Budget dem Film sogar besser bekommen. Alles in allem wird die Verfilmung dem Kinderbuch von C.S. Lewis aber dennoch gerecht. Für einen Weihnachtsfilm aus dem Hause Disney liegt sie qualitativ voll im Soll. Und obwohl der Vergleich - wie gesagt - nicht sehr viel bringt, sollte eines hier doch festgehalten werden: Schlechter als Mike Newells ziemlich oberflächliche und lieblose Hetze durch "Harry Potter 4" ist "Der König von Narnia" auf keinen Fall.



Von Martin Thoma



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