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Ein mutiger Weg

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Original Titel
A Mighty Heart

Kinostart
13.09.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2007

Land
USA

Verleih
Universal

Regie
Michael Winterbottom

Autor
John Orloff

Laufzeit
108 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Angelina Jolie
Dan Futterman
Archie Panjabi
Irfan Khan




Eine Frage der Moral

INHALT

Ein mutiger Weg Den Tag, an dem sich Mariane Pearls (Angelina Jolie, "Mr. and Mrs. Smith") Leben in einen wahrhaftigen Albtraum verkehrte, hatte die Journalistin immer erahnt – und war doch nicht darauf vorbereitet. Zusammen mit ihrem jüdischen Mann Daniel (Dan Futterman), einem Auslandskorrespondenten des Wall Street Journal, hatte die Französin Anfang 2002 einige Zeit in Pakistan verbracht, wo Daniel im gefährlichen Terror-Milieu für einen Artikel recherchieren wollte. Die Ausreise ist bereits geplant – Mariane ist schließlich schwanger und will sich in Ruhe auf die Geburt ihres ersten Kindes vorbereiten –, als Daniel nach einem dubiosen Interviewtermin nicht in das angemietete Haus in Karachi zurückkehrt. Schon bald bestätigt sich Marianes schlimmste Befürchtung: Daniel ist in die Hände einer radikalislamistischen Terrorgruppe geraten.



KRITIK

Ein mutiger Weg Dass Daniel Pearl die Festnahme seiner Entführer der Terrororganisation National Movement for the Restoration of Pakistani Sovereignty nicht mehr erleben konnte, dessen waren sich eine Woche nach seiner Verschleppung das FBI und auch die sich in Karachi versammelnde internationale Presse sicher. Die Nachricht von einem durch Mittelmänner ausgehändigten Videoband der Dschihadisten, dass die Enthauptung des Journalisten zeigte, machte weltweit traurige Schlagzeilen. Mariane Pearls autobiografisches Buch "Un Cœur Invaincu" sollte später dem Tod ihres Mannes ein Denkmal setzen, ohne aus seinem Mord sensationalistisch Profit zu schlagen – so die Autorin. Ihr Buch erzählt nicht von Daniels Gefangenschaft und den Misshandlungen, deren Details ohnehin unvorstellbar und nicht rekonstruierbar sind, sondern ausschließlich von ihren Erlebnissen. Mariane trug eine Art Tagebuch der Geschehnisse zusammen, in dem sie die Arbeit des FBI und der lokalen Polizei beschreibt, die sich sofort in den brisanten Entführungsfall einklinkten.

Ein mutiger Weg Eine Beanstandung machen amerikanische Filmkritiker im Zusammenhang mit "Ein mutiger Weg", der Verfilmung von Pearls Buch, besonders oft: Der Film sei zu unemotional. Die Liebe zwischen Mariane und Daniel gehe oft unter, die Gefühle der schwangeren Frau, die um das Leben ihres Mannes bangt, blieben zu wenig thematisiert. Und an sich stimmt das auch. Michael Winterbottoms "Ein mutiger Weg" ist ein kühler Film, dessen Handlung von Fakten gespeist wird und dessen Optik einen eher dokumentarischen Stil aufweist. Vergleichbar mit Filmen wie "Flug 93" vermeidet "Ein mutiger Weg" Gefühlsduselei genauso wie einen patriotischen politischen Standpunkt, der Amerikaner zu Gutmenschen befördert oder jeden Araber als Terroristen stigmatisiert. Der Film ist unparteiisch und faktisch – und vielleicht dadurch überhaupt erst möglich. Undenkbar wäre eine emotionale Dramatisierung gewesen, in der sich etwa Marianes Erlebnisse in einem Gefühlskokon ohne politischen Hintergrund vollziehen oder Daniels Stimme sein eigenes Schicksal gefühlsbetont wie fiktiv kommentiert.

Vor der Diskussion, wie man einen solchen schwierigen Film inszenierten kann, stellt sich natürlich eigentlich erst die Frage, ob man es überhaupt tun sollte. Entweiht die Hollywood-Adaption nicht Daniel Pearls Geschichte? Sollten private Details an die Öffentlichkeit gezerrt und nachgespielt werden? Letztlich liegt die Beantwortung dieser Fragen beim Zuschauer selbst, der sich dafür oder dagegen entscheidet, "Ein mutiger Weg" zu sehen. Für die Verfilmung von Pearls Entführung sprechen allerdings nicht nur, dass der Journalist Daniel selbst ein Mann der Öffentlichkeit war, sondern auch dass seine Frau ein Buch über ihre Sicht des Geschehens schrieb und ihre Einwilligung zum Film gab. Mariane Pearl ist eine gute Freundin der Hauptdarstellerin Angelina Jolie und verbrachte viel Zeit mit ihr und dem Filmteam. Dan Futterman lernte Daniel Pearl zwar nie persönlich kennen, aber fühlte sich ihm verbunden, da er selbst Mitglied von Pearls Studentenverbindung ist. Ob all das ausreicht, um den Film moralisch zu legitimieren, sei dahingestellt.



FAZIT

Ein mutiger Weg "Ein mutiger Weg", der Film mit dem wohl irreführendsten deutschen Titel des Jahres – nein, es handelt sich nicht um die Geschichte eines Transvestiten beim Moskau Marathon -, ist ein bewegendes Drama mit Doku-Feeling. Die Sezierung des politischen wie persönlichen Schicksals Daniel Pearls und seiner Frau macht nachdenklich, traurig und wütend, all das, was wir bei den Schreckensmeldungen in den Nachrichten oft gar nicht mehr wahrnehmen oder distanziert mit einem Schulterzucken ersetzen.

Von Therese Hopfmann



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