, Marie Antoinette (Kirsten Dunst) wird aus politischem Kalk...">
Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Marie Antoinette

Marie Antoinette

» Links zum Artikel
Kinostart
02.11.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Sony

Regie
Sofia Coppola

Autor
Sofia Coppola

Laufzeit
123 Minuten

Hauptdarsteller
Kirsten Dunst
Jason Schwartzman
Rip Torn
Judy Davis




Einsam in Versailles

INHALT

	
Marie Antoinette Marie Antoinette (Kirsten Dunst) wird aus politischem Kalkül ihrer Mutter, der österreichischen Kaiserin Maria Theresia (Marianne Faithfull), als Teenager mit dem französischen Thronfolger Ludwig XVI. (Jason Schwartzman) verheiratet. Schweren Herzens muss die 14jährige Prinzessin die geliebte Heimat hinter sich lassen – und trifft auf eine völlig neue Welt. Am französischen Hof herrschen andere Sitten und ihr Ehemann Ludwig geht lieber auf die Jagd, als seinen ehelichen Pflichten nachzukommen. Gelangweilt von ihrer Ehe gibt sich Marie Antoinette pompösen Festen in einer vom Rest der Gesellschaft abgeschotteten, elitären Atmosphäre hin. Lebensfroh, vergnügungssüchtig, sorglos und verschwenderisch sind schon bald die Attribute, die der Regentin zugeschrieben werden.

Um den Intrigen, dem strengen Hofprotokoll und dem Druck, einen Nachfolger zu gebären, zu entfliehen, stürzt sich die französische Königin in einen dekadenten Konsumrausch. Ihre Vorlieben prägen den Stil des 18. Jahrhunderts. Was sie trägt, wird Mode: Meterhohe Turmfrisuren, pompöse Kleider, die teuersten Geschmeide, und die ausgefallensten Schuhe. Gegenüber den politischen und sozialen Veränderungen in ihrem Land zeigt sie sich ignorant und unwissend. Und so gehen die Anfänge der Französischen Revolution im Mikrokosmos des königlichen Hofes gänzlich unter.



KRITIK

	
Marie Antoinette Filmfestivals können manchmal merkwürdig sein. Da hieß es nach der Cannes-Premiere von Sofia Coppolas "Marie Antoinette" im Mai in einer ersten Pressemitteilung, der Film sei von den anwesenden Journalisten "eiskalt" angenommen und sogar ausgebuht worden. Verwundert rieb man sich die Augen, hatte man nach Coppolas ersten Filmen "The Virgin Suicides" und "Lost in Translation" doch viel erwartet. Erst einige Tage später erschienen ausführliche Kritiken in den großen Tageszeitungen, hierunter auch regelrechte Lobeshymnen. Im Internet konnte man nun lesen, dass auch bei der Premiere die "vereinzelten Buhrufe" schnell durch tosenden Applaus zum Schweigen gebracht worden waren. Coppola selbst ließen diese Entwicklungen kalt. Die Tochter des großen Regisseurs Francis Ford Coppola ("Der Pate"), welcher auch als ausführender Produzent von "Marie Antoinette" fungierte, ist weiterhin stolz auf ihren Film. Und das mit Recht.

Das Drehbuch zum Film basiert auf einer neu erschienenen Biographie Antoinettes von Antonia Fraser. Coppola verschreibt sich ganz ihrem frischen Ansatz, Marie Antoinette als einen naiven Teenager darzustellen, als ein Mädchen, das aus ihrem Elternhaus gerissen wird und nun in einer völlig anderen Umgebung aufwachsen muss. Maries erstes Erwachen im neuen Zuhause bleibt als Szene in Erinnerung: Sie wird sich fortan nicht mehr selbst ankleiden dürfen, vielmehr sind eine Vielzahl von Dienstmädchen dafür zuständig, jede für einen anderen Handgriff. Jegliche Selbstständigkeit wird ihr untersagt, Marie Antoinette vereinsamt zwischen ihren vielen Untergebenen. Damit ist sie wohl gar nicht weit entfernt von der Rolle Scarlett Johanssons in Coppolas meisterhaftem "Lost in Translation". Dort die Einsamkeit durch die Anonymität der Megacity Tokio, hier die Einsamkeit durch zuviel und zu deutlich geheuchelte Aufmerksamkeit.

Diesen interessanten Ausgangspunkt bläst Coppola mit allerlei Mitteln auf: Mit den bunten Kostümen des Pariser Hofes (einem Oscar in dieser Kategorie sollte nichts im Wege stehen), mit scharfen und modernen Dialogen in englischer Sprache und mit Songs der Neo-Romantik-Welle der 80er Jahre. Vor allem mit dem dritten Punkt, der Verwendung von modernen Pop-Songs in einem Film über das 18. Jahrhundert, stieß Coppola auf Kritik. Dabei ist musikalische Untermalung im Allgemeinen nie mehr als ein filmisches Stilmittel, um Gefühle und Gedanken der Protagonisten auszudrücken und genau hiermit stellt die Regisseurin ihre Hauptthese auf: Dass sich die Gedanken und Gefühle der Marie Antoinette nicht allzu sehr von denen eines heutigen Teenagers unterscheiden.

	
Marie Antoinette Neben der vermeintlich unpassenden Musikauswahl wurde nach der Uraufführung beim Festival in Cannes kritisiert, dass die Realität des hungerleidenden französischen Volkes vollkommen ausgeblendet wird. Dabei ist auch diese Entscheidung nur konsequent: "Marie Antoinette" ist kein Film über das Frankreich vor und nach der Revolution, sondern eben ein Film über Marie Antoinette. Deren vermeintliche Ignoranz wird gerade dadurch gefördert, dass sie von der sozialen Realität des Volkes nichts mitbekommt. Wir sehen den Film aus der Sicht Marie Antoinettes und – genau wie sie – sehen und hören wir nichts von hungernden Menschen außerhalb des Hofes.

Hauptdarstellerin Kirsten Dunst macht ihren Job perfekt. Sie widersteht der Versuchung einer angestrengt künstlerischen Selbstinszenierung und spielt die junge Königin so, wie es Coppolas Ansatz angemessen ist: als einen Teenager, verloren in einer fremden Welt. Auch Jason Schwartzman, der für die Rolle des Louis XVI. einige Kilo zugenommen hat, gefällt als schüchterner und stets nervöser Jung-König. Die weiteren Darsteller – von der großen Judy Davis bis zu Asia Argento – spielen die historischen Figuren auf ihre Weise und drängen sich dabei nicht in den Vordergrund.

Das französische Königshaus wird mit angenehmer Respektlosigkeit dargestellt. Komik, Ironie, scharfzüngige Dialoge, für all dies schafft Coppola in ihrem kleinen Versailles-Universum einen Platz. Eine Story im klassischen Sinne gibt es nicht, vielmehr geht es Coppola um die Beobachtung der Marie Antoinette als tragische Protagonistin. Etwas zu sehr dominiert im ersten Teil das Problem der fehlenden nächtlichen Aktivität des jungen Paares, später hat man das Gefühl, Coppola verliert ihren nüchternen Blick auf die Hauptfigur etwas, lässt sie zu sehr zur Heldin werden. Diese Mankos stören nicht sehr, fallen aber auf und trüben den Gesamteindruck minimal.

Auch wenn sich an diesem Film letztendlich die Geister scheiden werden, steht eines fest: Sofia Coppola ist eine große Regisseurin, das wird auch hier in fast jeder Einstellung deutlich. "Marie Antoinette" ist nicht so durchgehend wundervoll wie es "Lost in Translation" war, in Coppolas Werk wird der Film später wohlmöglich nicht mehr als eine interessante Fingerübung sein. Aber genau das ist die eigentliche Stärke von "Marie Antoinette": Coppola geht mit ihrem großen Thema wunderbar leicht um und bringt uns eine historische Epoche ganz beiläufig näher. Sie verzichtet auf den Epos-Anspruch, den Historien-Filme dieser Art fast immer haben und das ist ihr hoch anzurechnen. "Marie Antoinette" ist kein Meisterwerk, sondern ein sympathischer Film, der kein Meisterwerk sein will.



FAZIT

	
Marie Antoinette Sofia Coppola präsentiert uns mit ihrem dritten Film einen gänzlich neuen Ansatz für Historien-Filme und setzt ihn überzeugend in die Tat um. "Marie Antoinette" sieht toll aus und macht großen Spaß. Die Schwerpunkte innerhalb ihrer Geschichte hätte Coppola auch anders setzen können, aber ihre neue Sicht auf die Figur der Marie Antoinette belegt sie eindrucksvoll anhand stimmiger Szenen und einer passenden Untermalung. Einen historisch aufschlussreichen oder gar politischen Film sollte man hier nicht erwarten. Dass "Marie Antoinette" nicht jedem gefällt, ist nachvollziehbar. Über eines sollte jedoch Einigkeit herrschen: Dass von der Regisseurin Sofia Coppola noch sehr viel zu erwarten ist.

Von Till Kadritzke



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex