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Das Mädchen aus dem Wasser

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Original Titel
Lady in the Water

Kinostart
31.08.2006

Genre
Thriller/Fantasy

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Warner

Regie
M. Night Shyamalan

Autor
M. Night Shyamalan

Laufzeit
109 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Paul Giamatti
Bryce Dallas Howard
Jeffrey Wright
Bob Balaban




Sickergrube des Verstands

INHALT

Das Mädchen aus dem Wasser Haben Sie schon einmal versucht, Ihren kleinen Quälgeistern daheim zur Besänftigung eine Gutenachtgeschichte zu erzählen - und sich dabei wie Rotkäppchen im Figurendickicht des Märchenwaldes verrannt, bis Rumpelstilzchen Schneewittchens Kind raubte? Wenn ja, dann ging es Ihnen wohl wie dem Regisseur M. Night Shyamalan, der sich allerdings aus der elterlichen Märchenamnesie befreite, indem er seine ganz eigene Fabelwelt erschuf. Die Eigenkreation wurde schließlich zum Leinwandprojekt und „Das Mädchen aus dem Wasser“ entstand. Für Kinder ist der Film aber nur bedingt geeignet.

Die scheue Nymphe Story (Bryce Dallas Howard, „The Village“), die sich nach eigener Aussage zur Gattung „Narf“ zählt, lebt unter dem Swimmingpool eines Apartmentkomplexes. Bleiben will sie in der Menschenwelt aber nicht, lieber würde sie in ihr Reich zurückkehren. Doch die Heimkehr wird durch eine Art Monsterhyäne, die ihr außerhalb des Schwimmbeckens auflauert, immer wieder vereitelt. Als sie der Hausmeister Cleveland Heep (Paul Giamatti, „Sideways“) zufällig eines Abends entdeckt, staunt die geschwächte Story nicht schlecht, als der introvertierte Mann sie bereitwillig aufnimmt und ihr tatkräftig dabei hilft, ihre dringliche Rückkehrmission zu erfüllen. Cleveland braucht dafür jedoch die Unterstützung einiger Mieter und muss zunächst über seinen eigenen Schatten springen, um seine Schüchternheit zu überwinden und mehr über Story herauszufinden, deren Existenz lediglich als verblasste Sage durch die Menschenwelt geistert. Schon bald hat sich die halbe Belegschaft des Häuserblocks um die übernatürliche Wasserkreatur versammelt, deren Anwesenheit jeden auf eine andere Art und Weise fasziniert und verändert.



KRITIK

Das Mädchen aus dem Wasser „Das Mädchen aus dem Wasser“ ist keineswegs Shyamalans erster Ausflug ins Märchenfilmterrain. Bereits frühere Werke wie „Signs“ und „The Village“ strotzten nur so vor übernatürlichen Begebenheiten. Einen wirklich großen Erfolg konnte indes nur sein Psycho-Thriller „The Sixth Sense“ verbuchen. Die Nachfolgerfilme konnten Shyamalans erstem Kassenschlager nie das Wasser reichen und gingen sang- und klanglos im Filmsammelbecken Hollywood unter. „Das Mädchen aus dem Wasser“ wird wohl dasselbe Schicksal ereilen.

Das liegt zunächst vor allem an der komplizierten Märchenwelt, die Shyamalan, der das Drehbuch selbst verfasste, für „Das Mädchen aus dem Wasser“ konstruiert hat. Immer wieder muss sich der Film selbst erklären, sich monologartig durch verschwurbelte Erläuterungen winden und neue Fabelfiguren vorstellen. Da reicht ein bleicher Narf zur geistigen Verwirrung des Publikums offenbar nicht aus, sondern es muss auch noch ein rotäugiges Monster namens Scrunt, drei affenartige Wesen namens Tartutic und einen Riesenadler namens Eatlon geben. Das Narf-Reich heißt übrigens im Fachjargon „Blaue Welt“ und was dort vonstatten geht, kann sich der geneigte Zuschauer von den Protagonisten gerne stundenlang in einem Schwall von Details erzählen lassen.

Das Mädchen aus dem Wasser Ist die Gutenachtgeschichten-Arie einmal kurzzeitig verstummt, wird jedes eventuell entstandene Gesprächsvakuum nicht als Verschnaufpause genutzt, sondern schnell mit plakativen Lebensweisheiten angereichert, die nicht so recht ins Großhirn vordringen wollen. Obwohl Shyamalans Filme oft religiös angehauchte Themen und Moralvorstellungen verarbeiten, sind die Direktheit und Aufdringlichkeit, mit der „Das Mädchen im Wasser“ Werte und Glauben versprüht, ein Novum in Shyamalans Repertoire. Nicht nur Hausmeister Cleveland spricht da mit viel Pathos von Gott, Engeln und Weltrettung, darüber hinaus scheinen die meisten Charaktere des Films ähnliche Ansichten zu vertreten. Selbst die Sage um das Narf-Mädchen mutet an wie eine Bibelpassage. Hinzu kommt Storys Gabe, die Zukunft eines jeden voraussehen zu können, die ohne große Umschweife gar die Frage nach dem Sinn des Lebens heraufbeschwört. Die unzugängliche Mär von der Sinnfindung durch die Rettung einer Orakel-Nymphe rauscht derweil in einiger Distanz am Publikum vorbei, ohne Spuren im Langzeitgedächtnis zu hinterlassen.

Die Momente, in denen „Das Mädchen aus dem Wasser“ für den Zuschauer tatsächlich greifbar wird, sind ausgerechnet jene, die mit dem Fabelgewese eigentlich nichts zu tun haben. Es sind die Szenen, in denen sich Paul Giamatti als stotternder Cleveland abmüht, über Sprachbarrieren hinweg der mürrischen Mrs. Choi (June Kyoko Lu) das Geheimnis von Story zu entlocken oder als der launige Filmkritiker Farber (Bob Balaban, „Capote“) sich bei der Analyse seiner eigenen Rolle im Geschehen mächtig vertut und trotz seiner Expertise, in der er sich als unsterbliche Nebenfigur in einem Horrorfilm wähnt, Scrunt zum Opfer fällt. So überzeugen in „Das Mädchen aus dem Wasser“ kurze, unprätentiöse Nebengeschichten mehr als das aufgesetzte Brimborium der Haupthandlung.

Ein weiterer Lichtblick ist die Qualität der Kameraarbeit. Kameramann Christopher Doyle („In the Mood for Love“, „Der stille Amerikaner“, “Hero”) ist ein Meister seines Fachs und liefert zusammen mit Produktionsdesigner Martin Childs („Shakespeare in Love“, „From Hell“) absolut stimmig inszenierte Bilder ab und setzt die computeranimierten Fabelmonster ungewöhnlich gut und anschaulich gruselig in Szene. Über die verkorkste Handlung können allerdings selbst die schönsten Aufnahmen nicht hinwegtäuschen.



FAZIT

Das Mädchen aus dem Wasser „Das Mädchen aus dem Wasser“ hat nicht nur ein ausgeprägtes Zielgruppenproblem, sondern vor allem ernsthafte Schwierigkeiten damit, die Handlung glaubhaft zu vermitteln und das Publikum emotional anzusprechen. Die langatmige Odyssee entgleitet dem Zuschauer einfach und verschwindet mitsamt ihrem moralischen Anspruch auf Nimmerwiedersehen im Märchenwald.

Von Therese Hopfmann



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