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Little Children

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Kinostart
26.04.2007

Genre
Tragikomödie

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Warner

Regie
Todd Field

Autor
Todd Field

Laufzeit
136 Minuten

FSK
ab 16 Jahren

Hauptdarsteller
Kate Winslet
Patrick Wilson
Jennifer Connelly
Gregg Edelman




Der diskrete Charme von Suburbia

INHALT

Little Children Der attraktive junge Vater Brad (Patrick Wilson) begeistert schon seit jeher eine Gruppe von Müttern, die sich ihre Zeit auf einem Kinderspielplatz in East Wyndam, einer typischen Vorstadt, vertreiben. Sarah Pierce (Kate Winslet), glücklich verheiratete Ehefrau und Mutter einer reizenden Tochter, spricht den Fremden schließlich an und sowohl die beiden als auch ihre Kinder kommen sich näher. Brads bester Freund Larry startet derweil eine Kampagne gegen den Pädophilen Ronny (Jackie Earle Haley), der nach einem Gefängnisaufenthalt in die Stadt zieht. Und in einem Ort wie East Wyndam sind all diese Schicksale miteinander verknüpft...



KRITIK

Little Children "Kastrieren sollte man ihn", sagt Jean. Gemeint ist der vermeintliche Kinderschänder Ronnie, der – gerade aus dem Gefängnis entlassen – zu seiner Mutter in den Vorort East Wyndam zieht. Jeans Freundinnen, die neben ihr auf der Bank des Kinderspielplatzes sitzen, schweigen betreten, lassen weder Zustimmung noch Ablehnung erkennen. Geschändet hat der pädophile Ronnie freilich noch niemanden, im Gefängnis war er wegen der "Erregung öffentlichen Ärgernisses". Diese Szene beschwört bereits die Atmosphäre, in der "Little Children" beginnt, ein Film von Todd Field, dessen Regie-Debüt "In the Bedroom" vor sechs Jahren die Kritik begeisterte. Mit seinem zweiten Film ist ihm ein teilweise heiteres, überwiegend aber nachdenklich stimmendes und bewegendes Porträt einer Gemeinde gelungen, in der ein echtes Privatleben unmöglich ist.

"Little Children" heißt dieser Film und kleine Kinder sind es auch, die maßgeblich die Handlung bestimmen. Sarah und Brad lernen sich über ihre Kinder kennen, Thema der jeweiligen Ehestreits sind häufig genug Sohn oder Tochter, und die Angst um sie ist es schließlich, die eine Art Hexenjagd gegen Ronnie auslöst. Field führt uns diese tragische Figur mit schonungsloser Offenheit vor: Ronnies verzweifelte Bemühungen, das verbotene Verlangen in den Griff zu bekommen, und seine nicht minder verzweifelten Annäherungsversuche an Frauen seines Alters. Der ehemalige Kinderstar Jackie Earle Haley, der jahrelang in der Versenkung verschwunden war, verleiht seiner Rolle eine schmerzhafte Authentizität, die maßgeblich dazu beiträgt, dass man Fields zweiten Film auch als gesellschaftlichen Kommentar ernst nehmen muss.

"Ich kann nicht glauben, dass du wirklich jemanden kastrieren willst, weil er sich ausgezogen hat". Sarah Pierce, gespielt von Kate Winslet, ist die einzige, die sich schließlich traut, Jeans radikalem Vorschlag zu widersprechen. Schon in diesen ersten Minuten wird deutlich: Auch Sarah ist ein "Desperate Housewife" der Vorstädte, sie will es aber nicht sein. Kate Winslet zeigt in dieser Rolle erneut, warum sie zu den besten Schauspielern ihrer Generation gehört. Ihre wunderbare Darstellung einer starken und eigentlich zufriedenen Frau, die etwas zu vermissen scheint, wurde völlig zurecht mit einer Oscar-Nominierung belohnt, auch wenn es wegen der überragenden Queen-Verkörperung von Helen Mirren nur bei einer Nominierung blieb. Auch Patrick Wilson, der im letzten Jahr in dem beklemmenden Drama "Hard Candy" spielte, beweist seine Qualität als Charakter-Darsteller und Jennifer Connelly, die in der für sie eher untypischen Rolle der betrogenen Ehefrau zu sehen ist, wertet als Nebendarstellerin schon seit Jahren jeden Film auf.

Little Children Es gibt Momente in "Little Children", die an Filme mit einem ähnlichen Thema erinnern: Das Eheleben Sarahs scheint ebenso hoffnungslos verloren wie das von Kevin Spacey und Annett Benning in Sam Mendes’ Suburbia-Drama "American Beauty". Doch trotz vorhandener Parallelen findet Field stets zurück zu seinem eigenen Stil, seinem Film fehlt es zu keiner Zeit an Originalität. Diese Frische ist auch der Romanvorlage von Tom Perrota zu verdanken, der ebenfalls am Drehbuch mitwirkte. Die den Roman zitierende, zum Glück nur am Anfang aufgesetzt wirkende Erzählerstimme, die uns Gedanken und Gefühle der Protagonisten näher bringt, durchbricht immer wieder die Trostlosigkeit des Settings und die Tragik der Geschichte durch erfrischenden Humor. Auch Inszenierung und Dialoge tragen dazu bei, dass der Mut zur Situationskomik in einem eigentlich tragischen Film Früchte trägt.

Leider werden auch die Schwachpunkte des Romans in der Verfilmung deutlich. Vor allem im letzten Teil bleiben die Handlungen der Figuren psychologisch nicht mehr ganz nachvollziehbar und zu sehr vom Drehbuch bestimmt. So radikal der eine Erzählstrang aufgelöst wird, so schwammig endet der andere. Schließlich bleiben von "Little Children" vor allem einzelne Momente und Bilder im Gedächtnis und vor allem die Stimmung in einer Gesellschaft, in der die Veröffentlichung der Anschriften von Sexual-Straftätern zum Teil schon gängige Praxis ist. Als Gedankenspiel über die Konsequenzen eines solchen Schrittes funktioniert "Little Children" hervorragend. Und daneben auch als ein ebenso humorvoller wie tragischer Film über die kleinen Sehnsüchte im Leben, die sich trotz der oberflächlichen Familienidylle nie ganz abstellen lassen.



FAZIT

Little Children Todd Fields "Little Children" erinnert an Filme wie "American Beauty" von Sam Mendes oder "Der Eissturm" von Ang Lee, lebt aber von einem eigenständigen und weitaus weniger hoffnungsfrohen Ansatz. Dem Regisseur gelingt das Kunststück, humorvolle Szenen in eine düstere Grundstimmung einzubetten, die von Anfang an das Gefühl vermittelt, dass die Geschichte in der ein oder anderen Katastrophe enden muss. Die großartigen Darsteller, allen voran Kate Winslet und Jackie Earle Haley, sorgen für ein bewegendes Kinoerlebnis, das zum Lachen, zum Weinen und Nachdenken anregt.

Von Till Kadritzke



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