Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Jarhead - Willkommen im Dreck

Jarhead - Willkommen im Dreck

» Links zum Artikel
Original Titel
Jarhead

Kinostart
05.01.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Sam Mendes

Autor
William Broyles Jr.

Laufzeit
122 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Jake Gyllenhaal
Peter Sarsgaard
Lucas Black
Jamie Foxx
Chris Cooper




Der Blickwinkel entscheidet

INHALT

Jarhead Die Szenen im Ausbildungscamp mit strammstehenden Kahlköpfen und einem wild vor sich hin schreiendem Sergeant erinnern nicht nur zufällig an Stanley Kubrick's Vietnamkrieg-Klassiker "Full Metal Jacket". Denn auch hier handelt es sich bei den gehorsamen Rekruten um Marines, die oft einfach nur Jarheads genannt werden. Einer von diesen Jarheads - dieser Begriff leitet sich von der Frisur ab, die den Kopf einem Tontopf ähnlich sehen lässt - ist der zwanzigjährige Anthony "Swoff" Swofford (Jake Gyllenhaal), der das Camp mit einer präzisen und zugleich tödlichen Fertigkeit als Scharfschütze verlassen soll. Wir befinden uns jedoch nicht zu Zeiten des Vietnamkriegs, sondern im Jahre 1990 und bald wird Swoff die Ehre haben, für sein Land in den Krieg gegen den Irak nach Saudi Arbabien zu ziehen.

Doch anstatt seine auf Befehl heiß geliebte Waffe benutzen zu dürfen, erhitzen sich die Gemüter unter der Wüstensonne und den Zeltplanen. So graben sich die Marines im Wüstensand ein, hängen Fotos und Abschiedsbriefe ihrer Freundinnen an die "Wall of Shame", wetten auf Skorpionkämpfe, spielen Football mit Gasmasken, retten sich in Zynismus, masturbieren oder warten einfach nur auf das Ende des Krieges oder auf dessen Anfang, denn alles scheint besser zu sein, als die gähnende und zermürbende Langeweile...



KRITIK

Jarhead Im Jahre 2003 hielt sich ein Buch neun Wochen lang in der New York Times Bestseller-Liste. Ein Buch, das nicht nur für Aufsehen sorgte, sondern das es sogar zu einer Verfilmung bringen sollte. Der Autor namens Anthony Swofford verfasste in seinem Werk "Jarhead" seine Erinnerungen an den Sommer 1990, in dem er als 20jähriger Soldat (die dritte Generation in seiner Familie) in die Wüste Saudi Arabiens geschickt wurde, um im Golfkrieg zu kämpfen. Es war ein Krieg wie kein anderer und doch ein Krieg wie jeder. Die TV-Bilder dieses Golfkriegs zeigten uns eine scheinbar chirurgisch präzise Kriegsmaschinerie, die bei der Zerstörung der Infrastrukturen die menschlichen Opferzahlen minimieren sollte. Und tatsächlich, die Bodentruppen waren zumeist arbeitslos, denn das Gros des Jobs wurde bereits von der übermächtigen Luftwaffe erledigt. Doch eines haben alle Waffen - ob Schwert, Kugel oder Kampfjet - gemeinsam: sie verstümmeln und töten, denn nur zu diesem Zweck sind sie geschaffen worden. Wer nun erwartet, sich in einem Film mit actionreichen Kampfhandlungen und einer Menge Blutvergießen wiederzufinden, der irrt.

Stattdessen bekommt der Betrachter Bilder zu sehen, die uns das Propagandaministerium so nicht zeigen wollte. Weg vom sterilen und sauberen Krieg findet man sich inmitten einer Gruppe Jungs wieder, die scheinbar gerade die Schwelle zum Erwachsenwerden betreten haben und dabei versuchen, ihren Platz im Leben zu finden. Und die Definition eben dieses Platzes verwischt in diesem merkwürdigen Krieg zu einer blassen Ahnung. Von der eigentlichen Aufgabe, "den Irakern in den Hintern zu treten", sind die Soldaten jedenfalls meilenweit entfernt. Nicht nur dieser Krieg, sondern auch sie selbst scheinen überflüssig zu sein.

Es hätte wohl kaum einen besseren Regisseur als Sam Mendes geben können, einen Regisseur, der die Buchvorlage derart gefühlvoll auf die Leinwand bringen würde. Mendes hat sich nicht zuletzt mit dem sozialkritischen Meisterwerk "American Beauty" einen Namen und nicht nur Freunde gemacht. Auch mit "Jarhead" tritt er dem einen oder anderen wieder gehörig auf die Füße, wobei Mendes nie die Moralkeule schwingt. Unpolitisch und vor allem unmoralisch kommt sein Streifen daher und der Zuschauer fällt von allein sein Urteil über Sinn und Unsinn eines Krieges.

Jarhead Bemerkenswert und zugleich faszinierend sind die Perspektiven, aus denen das Publikum Swoffs Leben als Fußsoldat verfolgt. Sämtliche Einstellungen wurden vermieden, die dem Betrachter mehr zeigen als das, was für den Soldaten sichtbar wäre. Es gibt keine "Gott-Einstellungen", keine Kranaufnahmen, keine Bilder aus der Luft, die die ganze Wüste und die darin herumkrabbelnden Ameisen zeigen. Alles wurde in Augenhöhe gefilmt, die Kameramänner bewegten sich mit den Schauspielern, in der gleichen Geschwindigkeit wie die Schauspieler. Auf diese Weise wird ein unbehagliches und ungewohntes Gefühl erzeugt, dass die Zuschauer, genau wie die Charaktere, in einer Ungewissheit belässt und somit einen ungeheuren Spannungsaufbau mit sich bringt. Ein jeder wartet auf das, was da noch kommen mag.

Physische Gewalt und wilde Ballereien weichen zumeist der psychischen Brutalität, dem Kampf mit sich selbst, den Kameraden und Vorgesetzten. Dennoch liefert "Jarhead" Bilder, die womöglich noch lange nach dem Kinobesuch im Kopf haften bleiben. Dazu gehören mit Sicherheit brennende Ölfelder, die in mysteriösem Licht erscheinen und den Boden für Mensch und Tier zur klebrigen Falle werden lassen. Verbrannte und verstümmelte Leichen runden den bitteren Nachgeschmack des Krieges ab. Heruntergespült wird der Schreckensschmaus mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und schwarzem Humor. Inmitten der brennenden Hölle setzt Staff Sgt. Sykes, der von Oscar-Preisträger ("Ray") Jamie Foxx - im positiven Sinne - unsympathisch gemimt wird, dieser surrealen Szenerie das i-Tüpfelchen auf, indem er von seiner Liebe zum Job spricht. Die Antwort auf das "Warum" werden Zivilisten, die nie in einer ähnlichen Grenzsituation waren, wohl nie erhalten.



FAZIT

Jarhead "Jarhead" ist ein Höllenritt der anderen Art und entgegen aller Erwartungen. Wer nach einem kriegerischen Actionspektakel à la Black Hawk Down sucht, wird bei diesem Streifen mit Sicherheit nicht fündig. Langeweile kommt beim Publikum dennoch nicht auf, denn die gelungene Umsetzung einer wahren Geschichte vom Buch zum Film verspricht fesselnde zwei Stunden aus der Sicht der unwissenden Bodentruppen eines Krieges, den es so auf offizieller Seite nie gegeben hat. "Jarhead" blickt nicht von außen auf den Irrsinn des Krieges, sondern ist mittendrin. Politische Hintergründe bleiben außen vor; wofür gekämpft werden soll, weiß niemand so recht. Und das ist wohl in fast jedem Krieg so oder um es mit einem Filmzitat treffender auszudrücken: "Jeder Krieg ist anders, jeder Krieg ist gleich".

Von Lars Lehmann



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film
» Black Hawk Down bei Amazon.de
» Full Metal Jacket bei Amazon.de


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex