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Letters From Iwo Jima

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Kinostart
22.02.2007

Genre
Drama/ Krieg

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Warner

Regie
Clint Eastwood

Autor
Iris Yamashita/ Paul Haggis

Laufzeit
141 Minuten

Hauptdarsteller
Ken Watanabe
Kazunari Ninomiya
Tsuyosi Ihara
Ryo Kase




Der alte Mann und der Krieg

INHALT

Letters From Iwo Jima Als die japanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg auf die Insel Iwo Jima geschickt werden, wissen sie, dass sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zurückkehren werden. Zu ihnen gehört der Bäcker Saigo (Kazunari Ninomiya), der nur überleben möchte, um einmal seine neugeborene Tochter zu sehen; Baron Nishi (Tsuyoshi Ihara), siegreicher Reiter bei den Olympischen Spielen, der sich mit seinen Fähigkeiten und seiner Aufrichtigkeit weltweit einen Namen gemacht hat; der ehemalige Militärpolizist Shimizu (Ryo Kase), dessen Idealismus sich noch nicht in der Realität des Krieges bewähren musste; und der überzeugte Soldat Leutnant Ito (Shidou Nakamura), der eher Selbstmord begehen als sich ergeben würde.

Befehligt werden die Verteidiger von Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi (Ken Watanabe), der Amerika bereist hat und deshalb weiß, dass sein Land keine Chance hat. Allerdings ist er dadurch strategisch versiert genug, um die auf dem Pazifik herannahende amerikanische Armada wirkungsvoll zu empfangen. General Kuribayashi standen zur Verteidigung wenig mehr als sein eiserner Wille und das Vulkangestein der Insel zur Verfügung. Doch die erwartete schnelle und blutige Niederlage verwandelte sich durch seine neuartige Taktik in einen heldenhaften, unerbittlichen Kampf, der fast 40 Tage dauern sollte.



KRITIK

Letters From Iwo Jima Ein amerikanischer Regisseur, sogar der einstige Held eines durch und durch amerikanischen Genres – dem Western – dreht einen Film über eine Schlacht zwischen Amerikanern und Japanern im zweiten Weltkrieg. Vor einem Jahr war dies noch nicht mehr als eine kleine Meldung in den einschlägigen Fachpublikationen. Mittlerweile wissen wir mehr: Der mittlerweile 76jährige Clint Eastwood, von dem hier die Rede ist, hat sogar gleich zwei Filme über die Schlacht von Iwo Jima gemacht. Der zweite Teil kommt jetzt in die Kinos und behandelt das Thema konsequent aus der Sicht von japanischen Soldaten, gedreht in japanischer Sprache und mit den Amerikanern in der Rolle des Feindes. Ein echtes Wagnis, doch auch für den Regisseur hat sich das Unterfangen gelohnt: "Letters from Iwo Jima" ist für vier Oscars nominiert, darunter auch für den Besten Film und die Beste Regie. Eastwoods Pendant-Film "Flags of Our Fathers", der die Schlacht aus amerikanischer Sicht behandelt und bereits vor einem Monat in die Kinos kam, wurde bei den Nominierungen dagegen kaum beachtet.

Und tatsächlich ist "Letters from Iwo Jima" der bessere Film. Bei "Flags of Our Fathers" übernahm sich Eastwood ein wenig mit der Verknüpfung dreier verschiedener Zeit-Ebenen, der zweite Film ist um einiges geradliniger erzählt und konsequenter in Form und Inhalt. Um jedoch zu begreifen, was Eastwood hier gelungen ist, muss man wohl beide Filme als eine Art Gesamtkunstwerk begreifen. In "Flags of Our Fathers" stellte der Regisseur die Heroisierung von einfachen Soldaten in Frage und entzauberte den Mythos um ein vermeintlich historisches Foto. Während dieser erste Film zu einem großen Teil drei Soldaten bei einem Werbezug für Kriegsanleihen durch die USA begleitet und nur in Rückblenden von der Schlacht erzählt wird, gibt es beim japanischen Part auch für den Zuschauer kein Entkommen.

Letters From Iwo Jima Die japanischen Soldaten, die Eastwood zu seinen Hauptfiguren erkoren hat, sind gefangen auf der Insel und wissen um ihren sicheren Tod. Sie sitzen in der Falle und warten auf die Ankunft der Amerikaner, gewillt Iwo Jima bis zum letzten Mann zu verteidigen. Eastwoods Interesse ist vorwiegend psychologischer Natur, er beobachtet die einfachen Soldaten und ihr Verhältnis zu solch theoretischen Begriffen wie "Ehre" und "Vaterland" – Begriffe, deren vermeintlicher Wert den Männern so oft wie möglich von oberer Stelle gepredigt wird. Eastwood gelingt es dadurch, seinen Film nicht zu einem rein historischen Stück verkommen zu lassen, sondern allgemein gültige Fragen über den Krieg zu stellen. "Letters from Iwo Jima" ist weder Kriegs- noch Anti-Kriegsfilm, sondern ein zutiefst menschliches Dokument über die brutale Logik der Kriegsführung.

Doch nicht nur allein große Ideen hat dieser Mann – Clint Eastwood kann noch viel mehr. Denn mit "Letters from Iwo Jima" gelingt ihm ein inszenatorisches Wunder und der endgültige Beweis, dass er mit 76 Jahren zu den besten Regisseuren der Welt gehört. Was als erstes auffällt, ist die bestechende Optik des Films: Die Reduzierung der Farben auf ein Minimum – nur knapp vor dem Schwarz-Weiß – passt perfekt zu der tristen Umgebung, in der die Soldaten auf ihren Tod warten. Die Choreographie der Schlacht-Szenen selbst scheint beklemmend authentisch, die Gewalt-Szenen brutal, aber immer dem Inhalt angepasst und dem Thema untergeordnet. Auch die zum Teil von Eastwood mitkomponierte Musik trägt zu der beklemmenden Grundstimmung des Films bei. Und zu guter Letzt seien hier auch noch die tollen Darsteller genannt, allen voran Ken Watanabe, der den General spielt.

In nur wenigen Szenen verlässt Eastwood die Insel, zeigt uns in wunderschön eingefügten Rückblenden Fragmente aus dem Privatleben der Film-Helden: Wie der Bäcker Saigo seinem noch im Mutterleib schlummernden Kind verspricht lebend zurückzukehren, das ist ein Beispiel für so eine Szene – gut geschrieben, intensiv gespielt und perfekt in Szene gesetzt, fernab von jedem drohenden Kitsch. Vielleicht sollte man sich diese beiden Filme einmal direkt hintereinander ansehen, um das Gesamtwerk angemessen würdigen zu können. Es wäre zu hoffen, dass einige Kinos ein solches "Double Feature" anbieten, nichts lag je so nahe. Möglicherweise sind viereinhalb Stunden Krieg zwar nur schwer zu ertragen, aber wenn sich eine solche Tortur je lohnen könnte, dann mit diesen beiden Filmen – erzählt von einem Hollywood-Veteran und wahren Humanisten.



FAZIT

Letters From Iwo Jima Mit "Letters from Iwo Jima" übertrifft Regisseur Clint Eastwood seinen Parallel-Film "Flags of Our Fathers" noch einmal und liefert ein Meisterstück ab. Vor allem die beklemmende Geschichte und die überwältigende Inszenierung beeindrucken, Eastwoods Film unterscheidet sich stark von jedem bisher existenten Kriegsfilm. Ein ganz neuer Beitrag zur stets aktuellen Diskussion über den Krieg und – fast ganz nebenbei – eine filmische Offenbarung. Wenn er so weitermacht, kann man nur hoffen, dass Mr. Eastwood auch mit 86 noch Filme machen wird.

Von Till Kadritzke



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