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Idlewild

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Kinostart
23.11.2006

Genre
Drama/ Musical

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Bryan Barber

Autor
Bryan Barber

Laufzeit
121 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
André Benjamin
Big Boy
Paula Patton
Terrence Dashon Howard




Das lange Musikvideo

INHALT

Idlewild Georgia, USA, 1935. In der Kleinstadt Idlewild trifft sich der afroamerikanische Teil der Gemeinde zu später Stunde in einem Club namens Church, in dem es alles andere als christlich zugeht. Sänger Rooster (Antoine A. Patton) ist einer der Stars des Ensembles und liefert im Church jeden Abend, begleitet von Pianospieler Percival (André Benjamin), eine gewaltige Show ab. Doch der Erfolg des Etablissements lockt nicht nur zahlreiche Besucher an, sondern auch die Ganoven Spats (Ving Rhames, "M:I:III") und Trumpy (Terrence Howard, "L.A. Crash") der lokalen Prohibitionsmafia, die riesige Geldmengen vom Church-Besitzer Ace (Faizon Love) einfordern. Handlanger Trumpy verfolgt dabei seine ganz eigenen Ziele und erschießt kurzerhand seinen Boss Spats und Ace, um sich selbst zum Mafiachef zu befördern. Rooster erbt indes den Club und hat somit auch Trumpy am Hals, der mehr Geld als je zuvor verlangt. Als die hübsche Sängerin Angel Davenport (Paula Patton, "Hitch") in Idlewild auftaucht, wittert Rooster die Möglichkeit, mit ihr schnell an Zaster zu kommen.



KRITIK

Idlewild Auch wenn "Idlewild" vielerorts als Musical bezeichnet wird, fällt beim Zuschauen schnell auf, dass sich das Kinodebüt von Musikvideo-Regisseur und Drehbuchautorenneuling Bryan Barber eigentlich jedem Versuch der Kategorisierung verweigert. Zwar wird im Film getanzt und gesungen, aber der Begriff Musical bzw. das, was man heute darunter versteht, trifft den Kern von "Idlewild" trotzdem nicht so recht. Der größte Teil der Handlung wird weder beträllert noch betanzt, wie es das Genre des Musicals verlangt. Außerhalb des Kontexts der Church-Bühne passiert wenig Musikalisches seitens der Protagonisten. Was die Musical-Bezeichnung endgültig ins Wanken bringt, ist der Auftritt von Souldiva Patti LaBelle – ohne Gesangseinlage! Welches Musical würde so eine großartige Chance zur Vertonung der Handlung wohl vorbeiziehen lassen? Nein, ein Musical ist "Idlewild" wahrlich nicht. Der Film ist eher eine Mischung aus Gangsterstreifen, Liebesdrama, Historienfilm und bebildertem Soundtrack des Hip-Hop-Duos OutKast (Big Boi alias Patton und André 3000 alias Benjamin). Kurz gesagt, für "Idlewild" muss ein neues Genre erfunden werden: Das lange Musikvideo.

Idlewild Was das gewöhnliche, kurze Musikvideo auszeichnet, lässt sich nur schwer definieren. Manch ein Künstler wird für seinen mehr oder weniger narrativen Clip zum Schauspieler umfunktioniert, andere verlegen sich eher darauf, vor der Kamera ein lippensynchrones Playback ihres vermeintlichen Hits abzuliefern oder glänzen besser noch durch Abwesenheit. Mischformen sind natürlich auch erlaubt. Und so werden Musikvideos neben der Verbundenheit zur Musik eigentlich nur durch Eines geeint: Ihre Kürze. Selten kann so ein nicht einmal vierminütiges Machwerk der Musikindustrie eine lange Geschichte detailliert erzählen. Die Handlung bleibt deshalb meist gradlinig und überschaubar. Dass ein zweistündiger Kinofilm viel mehr Gelegenheit zur Entfaltung eines komplexen Plots und Entwicklung von Figuren bietet, entging Regisseur Barber, der bisher die US-amerikanische Musikvideobranche betreute, offenbar. Die wenig innovative Geschichte und die permanente Bedienung von Klischees sind "Idlewilds" größte Probleme.

Dabei steht der schwächelnden Handlung immer ein Farb- und Soundfeuerwerk gegenüber, das sich aus sehr gelungenen Kulissen und Kostümen sowie einem tollen Soundtrack zusammensetzt. Was daraus entsteht, ist eine einzigartige "Idlewild"-Welt, die lediglich an die Zeit der Prohibition angelehnt ist, aber der Epoche keinesfalls treu bleibt, sondern ihr Echo in moderneren Kunst- und Designformen wie Pop Art und Hip-Hop sucht und findet. Baz Luhrmanns "Moulin Rouge", das auf einem ähnlichen Konzept aus Nostalgie und zeitgenössischen Elementen basiert, war sicherlich ein Vorbild für die Umsetzung von "Idlewild".



FAZIT

Idlewild Obwohl Barbers Debütfilm eine Starbesetzung inklusive OutKast, Paula Patton, Macy Gray und Patti LaBelle vorweisen kann, fehlen dem Endprodukt "Idlewild" entscheidende Starqualitäten. Hat man sich erst einmal an der herrlich schizophrenen Kulisse sattgesehen, fällt das Innovationsvakuum dahinter unangenehm auf. Hätte man Barber beim Drehbuchschreiben nicht ein bisschen helfen können?

Von Therese Hopfmann



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