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Hard Candy

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Kinostart
29.06.2006

Genre
Thriller

Erscheinungsjahr
2004

Land
USA

Verleih
Senator

Regie
David Slade

Autor
Brian Nelson

Laufzeit
104 Minuten

Hauptdarsteller
Ellen Page
Patrick Wilson
Sandra Oh
Jennifer Holmes




Sweet Fourteen

INHALT

Hard Candy Jeff (Patrick Wilson) ist ein sehr attraktiver und erfolgreicher Modefotograf Anfang 30 und lernt im Internet die 14jährige Hayley (Ellen Page) kennen. Bei ihrem ersten Treffen ist Jeff äußerst überrascht: Zum einen, weil ihm gegenüber ein charmantes, kluges und sexuell aufgeklärtes Mädchen sitzt, zum anderen, weil Hayley sofort und ohne Umschweife mit ihm nach Hause gehen will. Nach anfänglichem Zögern willigt Jeff schließlich ein, zumal er vom selbstbewussten Auftritt seiner blutjungen Internetbekanntschaft mehr als angetan ist.

In seinem stylischen Luxus-Appartment angekommen, stürzt sich Hayley sofort auf die Bar und beginnt, hochprozentige Cocktails zu mixen. Wenig später bietet sie Jeff an, für erotische Fotos zu posieren und beginnt sich auszuziehen. Der Tag scheint also ganz nach Plan des Fotografen zu laufen – doch dann wird ihm plötzlich rabenschwarz vor Augen. Als Jeff wieder erwacht, hat sich der Lauf der Dinge unvorhergesehen geändert und ein Katz- und Mausspiel der psychisch härteren Gangart beginnt. Denn Hayley kündigt an, sie halte Jeff für einen kranken Pädophilen, der außerdem das Leben eines Mädchens auf dem Gewissen hat und kündigt an, einen chirurgischen Eingriff der unangenehmeren Art durchzuführen.



KRITIK

Hard Candy Und die Moral von der Geschicht? Als Zuschauer ist man nach "Hard Candy" vorerst ratlos. Was ist hier eigentlich passiert? Ist "Hard Candy" die brutale Fantasie eines Regisseurs, der sich in Gestalt der Hayley-Figur an allen Pädophilen dieser Welt rächt? Können wir uns überhaupt mit diesem psychopathischen Mädchen identifizieren? Eher nicht. Und wie "krank" ist dieser Jeff jetzt eigentlich? Sehen wir je Beweise für den Mord, den Hayley ihm vorwirft? Weder wissen wir, ob Jeff sich vorher überhaupt mit seinen Internetbekanntschaften getroffen hat, noch sehen wir die pornographischen Fotos, die er versteckt hält. Hayley bezeichnet sie zwar als "krank", aber können wir diesem Teenager glauben? Inwieweit würde das alles überhaupt etwas ändern? Würden wir voller Freude bejubeln, wie Jeff der Schwanz abgeschnitten wird, wenn seine Schuld bewiesen wäre? Oder würden wir dennoch Mitleid empfinden?

Die Antwort auf Fragen dieser Art dürften von Zuschauer zu Zuschauer unterschiedlich ausfallen, widmen wir uns also vorerst den filmischen Aspekten. "Hard Candy" ist der erste Spielfilm von David Slade, der laut eigener Aussage das Drehbuch von Brian Nelson verfilmen musste, weil es niemand anderes getan hätte. Dieses Drehbuch überzeugt vor allem in seinen Dialogen, einige Handlungen im zweiten Teil lassen allerdings den konsequenten Realismus vermissen, den eine solche Geschichte nötig hat. Dass Regisseur Slade aus der Musikvideo-Szene kommt ist bei einigen Kamera-Effekten deutlich zu spüren. Die sehen zwar beeindruckend aus, etwas weniger visuelle Nachbearbeitung hätte hier aber gut getan. Denn "Hard Candy" wirkt am intensivsten in den unverfälschten Szenen – ohne Kamera-Tricks und ohne Musik, ein Kammerspiel mit Patrick Wilson ("Phantom der Oper") und Ellen Page ("X-Men 3").

Hard Candy Vor allem diesen beiden Schauspielern ist es zu verdanken, dass man nach "Hard Candy" das Gefühl hat, einen handwerklich großartig gemachten Film gesehen zu haben. Patrick Wilsons Figur scheint in den ersten Minuten ein sympathischer Typ zu sein, den man in jeder Hollywood-Komödie finden könnte. Im Laufe des Films erfahren wir jedoch, dass es sich bei Jeff um einen Menschen handelt, der eine besondere Vorliebe für junge Teenager hat. Wilson gibt mit seinem Spiel nie zu viel preis und nimmt dem Zuschauer eine Wertung seiner Figur nicht ab – er macht seine Arbeit hervorragend und kann dennoch zu keiner Zeit mit Ellen Page mithalten. Denn was die 19jährige in diesem psychisch harten Film leistet, ist unglaublich bemerkenswert und verdient jeden Preis dieser Welt. Man darf auf ihre nächsten Projekte gespannt sein.

Bleibt also die Frage, was uns die Filmemacher mit "Hard Candy" nun sagen wollen. Wie unterschiedlich Deutungen des Films ausfallen können, zeigt ein Bilck in die Internetforen: Für die einen ist Hayley tatsächlich eine Art Heldin, die dem Kinderschänder seine gerechte Strafe erteilt. Für die anderen zeigt der Film, dass diejenigen, die für Selbstjustiz und Folterstrafen einstehen, nicht viel weniger "krank" sind als die Täter. Denn dass auch Hayley psychische Probleme hat und keineswegs eine sympathische Figur ist – das ist dem Film deutlich zu entnehmen. "Hard Candy" ist letztlich ein Film, mit dessen einzigen zwei Hauptfiguren man sich als Zuschauer nicht identifizieren möchte. So ist das Ausbleiben einer klaren Botschaft im Endeffekt der Hauptverdienst des Films: Man denkt nach dem Kino-Besuch nicht nur über den Film nach, sondern vielmehr über sich selbst, über die eigenen Gefühle, Vorurteile und Assoziationen mit dem Gesehenen. Auch wenn "Hard Candy" nach dem Lesen der Inhaltsangabe (und für viele sicherlich auch nach dem Kinobesuch) unnötig erscheinen mag: Nicht mehr viele Filme laden in dieser Form zum Denken ein.



FAZIT

Hard Candy "Hard Candy" geht – trotz des Verzichts auf deutliche Gewaltdarstellung und effekthascherische Nahaufnahmen – an die Nieren, ist jedoch alles andere als ein weiterer Vertreter des derzeit aufblühenden Horror-Genres. Vielmehr ist der Film ein Psycho-Thriller der etwas anderen Art, spielt er doch fast komplett in einer einzigen Wohnung und mit lediglich zwei Darstellern. Diese beeindrucken in ihren Rollen aber so sehr, dass man sich als Zuschauer bald tatsächlich auf einem Horror-Trip befindet und sich die guten alten Zombies auf die Leinwand wünscht. Die Warnung vor dem teilweise verstörenden Inhalt ist daher genauso angebracht wie die Empfehlung für einen äußerst sehenswerten Film.

Von Till Kadritzke



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