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Ein gutes Jahr

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Original Titel
A Good Year

Kinostart
09.11.2006

Genre
Drama/ Komödie

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
FOX

Regie
Ridley Scott

Autor
Marc Klein

Laufzeit
117 Minuten

Hauptdarsteller
Russell Crowe
Marion Cotillard
Albert Finney
Abbie Cornish




Gladiator Russell und die Fesseln der Liebe

INHALT

Ein gutes Jahr Max Skinner (Russell Crowe, "Gladiator") gehört zu den besten Wertpapierhändlern Londons. Er ist berüchtigt für seine Hinterhältigkeit und geniale Taktik im Brokerbusiness. Wochenenden und Urlaub gibt es für ihn nicht, Transaktionen und Gewinne bestimmen unentwegt sein Denken und Handeln. Da kommt der Tod seines Onkels Henry (Albert Finney, "Unter dem Vulkan") ziemlich ungelegen, denn der alte Mann hinterlässt seinem einst so geliebten Neffen ein heruntergekommenes Schlösschen in der Provence, das Skinner nun persönlich aufsuchen muss, um den Nachlass zu verwalten. Der kurze Trip ins ländliche Frankreich wird allerdings zum Zwangsurlaub für Skinner, als er von seinem Chef eine Woche von der Arbeit suspendiert wird. Um sich daheim nicht vor seinen Kollegen mit der unfreiwilligen Beurlaubung zu blamieren, sitzt Skinner seine Strafzeit stillschweigend in Frankreich ab und lässt verbreiten, er sei mit der dringenden Restaurierung des geerbten Weinguts beschäftigt, um es möglichst schnell auf den Immobilienmarkt zu bringen.

Freunde macht sich Skinner mit der Idee, das Grundstück zu verkaufen, natürlich nicht. Besonders Duflot, langjähriger Freund des verstorbenen Onkels und Hüter des Weinguts, fühlt sich von dem britischen Yuppie übergangen. Auch Café-Besitzerin Fanny (Marion Cotillard, "Taxi"), die auf der Straße fast von Skinners Auto überrollt wird, hält von dem eingebildeten Schnösel gar nichts. Der wiederum verliebt sich sofort in die hübsche, rachsüchtige Französin. Doch plötzlich taucht auch noch die junge Amerikanerin Christie (Abbie Cornish, "Candy") auf, die behauptet, die rechtmäßige Erbin des Weinguts zu sein. Und auch ihren Reizen kann Frauenheld Skinner kaum widerstehen.



KRITIK

Ein gutes Jahr In der Welt der Literatur gibt es ein Phänomen, das vielen Literaturwissenschaftlern immer wieder eisige Schauer über den Rücken laufen lässt: Die Groschenromane. Von belesenen Literaturkritikern wahlweise verrissen oder mitleidig belächelt sind die oberflächlichen Unterhaltungsfetzen trotzdem nicht tot zu kriegen. Wöchentlich verkaufen sich in Deutschland über 400 000 Exemplare der fummeligen Heftchen vom Kiosk. Soll heißen, es steckt viel Geld im romantischen Schund. Kein Wunder also, dass sogar renommierte Autoren dann und wann einmal heimlich zum Pseudonym greifen, um mit schnellem Schnulzenschreiben die private Haushaltskasse aufzufüllen oder um sich einfach einmal einer leichtfüßigen, romantischen Laune hinzugeben. Anders ist es im Filmgeschäft. Wenn einen Regisseur wie Ridley Scott, der für Werke wie "Die Akte Jane" und "Hannibal" bekannt ist, die Schmonzettenwut packt, kann er sich kaum hinter einem Decknamen verstecken. Das braucht er auch nicht, schließlich verzeiht Hollywood träumerische Liebeskomödien nach einer Karriere voller actionlastiger – und äußerst lukrativer - Blockbuster nur zu gerne. "Ein gutes Jahr" ist Ridleys neuer Film. Ein verfilmter Groschenroman.

Jede Liebesgeschichte braucht an erster Stelle einen Helden. Ist er männlich, sollte er ein bisschen verrucht sein, ein Liebhaber mit Flegel-Image. Unverschämt gutaussehend. Ach ja, und keine Frau will einen mittelosen Geizkragen zum Verehrer. Also braucht unser Held Marke Stereotyp auch noch ausreichend Zaster. Das Produkt dieser Vorstellungen heißt in "Ein gutes Jahr" Max Skinner. Er ist ein erfolgsverwöhnter Finanzexperte aus dem trendigen London, ein Casanova ohnegleichen, der vor Männlichkeit strotzt. Hinter ihm steht immer auch eine starke Frau, seine Sekretärin Gemma, ohne die unser potenter Kraftprotz selbstredend nicht zurechtkommen würde. So macht Max Skinner alias Russell Crowe sogar dem heißblütigen Latinlover Eduardo oder dem wollüstigen Pirat Hank vom Kioskregal Konkurrenz.

Ein gutes Jahr Groschenromane zeichnen sich im Allgemeinen nicht nur durch die Gegenwart charmanter Halunken aus, sondern auch durch omnipräsente Attribute wie Vorhersehbarkeit, Gerechtigkeit und Belohnung für vorbildliches Verhalten. Treibt es der böse Junge also doch einmal zu doll, folgt die Bestrafung auf dem Fuße. Der einsichtige und durch und durch geläuterte Held bekommt zur Belohnung die Dame seines Herzens oder zumindest eine Audienz mit ihr. "Ein gutes Jahr" hält sich an diese Formel. Skinner fällt nach seinem ersten, recht herrischen Auftritt im romantischen Chateau in den tiefen, leeren Swimmingpool des Anwesens und nur Französin Fanny kann ihm in der misslichen Lage helfen. Doch Mademoiselle ist von der Beinahe-Kollision mit Skinners limettengrünen Smart noch sehr verärgert. Sie hilft ihm schließlich, allerdings nicht, ohne ihn dabei zu demütigen. Der Katharsismoment für unseren Helden ist gekommen. Er besinnt sich fortan auf die Schönheit der provenzalischen Landschaft und auf die herrlichen Sommer, die er als kleiner Junge mit seinem Onkel in Frankreich verbringen durfte. Nostalgische Visionen ereilen ihn von Zeit zu Zeit und Fanny ist plötzlich viel empfänglicher für seine Annäherungsversuche. Jetzt darf geschmachtet werden!

Ganz reibungslos sollte jedoch selbst die simpelste aller Lovestorys von Groschenromanformat nicht einhergehen. Vor dem fulminanten Happy End sind ausreichend Irrwege der Liebe unabdingbar. Und so taucht auch in "Ein gutes Jahr" unvermittelt eine zweite potenzielle Liebschaft auf: Skinners vermeintliche Cousine. Blond, sexy, jung – und von der wahren Liebe ablenkend, das Luder! Dabei diktiert das Schicksal Skinner doch geradezu, mit Fanny anzubändeln. Nicht umsonst ist der Film gespickt mit kleinen, mysteriösen Hinweisen wie Büchern und Gemälden, die Skinners Seelenverwandtschaft mit der flotten Brünette ausschildern.

Wer sich nun vorstellt, Ridley Scotts Film könnte schon längst unter dem imposanten Titel "Sturm der Leidenschaft", "Fesseln der Liebe" oder "Französisch im Schlossbett" als Buch zirkulieren, ist nicht weit von der Wahrheit entfernt. Das literarische Werk, das von Peter Mayles in Zusammenarbeit mit Scott verfasst wurde, lautet auf den Namen "Ein guter Jahrgang" und erschien bereits 2004.



FAZIT

Ein gutes Jahr Die Liebeskomödie "Ein gutes Jahr" ist eine Ansammlung von Banalitäten und provenzalischem Wein-Palaver, die mit der Großartigkeit von Scott-Filmen wie "Gladiator" und "Alien" nichts gemein hat. Die unverblümte Abgedroschenheit der Figuren und die Vorhersehbarkeit der Handlung trüben den Filmgenuss erheblich. Ein Lichtblick: Der Film ist immerhin schneller konsumiert als der 300-Seiten-Schinken, der als Vorlage diente.

Von Therese Hopfmann



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