Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Golden Door

Golden Door

» Links zum Artikel
Original Titel
Nuovomondo

Kinostart
31.05.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
I/ F

Verleih
Prokino

Regie
Emanuele Crialese

Autor
Emanuele Crialese

Laufzeit
118 Minuten

Hauptdarsteller
Charlotte Gainsbourg
Vincenzo Amato
Aurora Quattrocchi
Francesco Casisa




Eine Neue Welt

INHALT

Golden Door Sizilien zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Bauernfamilie Mancuso bestellt seit Generationen dasselbe karge Land. Eins mit der Natur wird die harte, unveränderliche Eintönigkeit ihres alltäglichen Lebens einzig durch Geschichten über die Neue Welt und ihre Einwohner unterbrochen: Kartoffeln so groß wie Kutschen, Karotten so lang wie Kanus und Bäume, auf denen Goldmünzen wachsen. Eines Tages trifft Salvatore (Vincenzo Amato) eine bedeutsame Entscheidung: Er verkauft all sein Hab und Gut um zusammen mit seinen beiden Söhnen Angelo (Francesco Casisa) und Pietro (Filippo Pucillo) und seiner Mutter Donna Fortunata (Aurora Quattrocchi) über den Ozean in das gelobte Land und in ein besseres Leben zu reisen.

Es folgen vier schwierige Wochen an Bord eines Schiffes auf engstem Raum mit vielen unterschiedlichen Menschen, wie der unnahbaren und faszinierenden Lucy (Charlotte Gainsbourg), von der niemand so genau weiß, woher sie kommt und wohin sie geht. Salvatore fühlt sich sofort zu der geheimnisvollen Schönen hingezogen. Beide träumen von einer besseren Zukunft, in der Neuen Welt Amerika. Es entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die am Ende der Reise, auf Ellis Island, ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.



KRITIK

Golden Door Riesen-Karotten, in milchartiger Flüssigkeit schwimmende Menschen – Emanuele Crialeses "Golden Door" ist in jeder Hinsicht ein besonderer Film. Und ähnlich besonders ist die Karriere des Italieners. Schon mit seinem Regiedebüt "Once We Were Strangers" wurde er zum renommierten Sundance-Festival eingeladen, sein zweiter Film "Lampedusa" gewann beim Festival in Cannes den Großen Preis der Semaine de Critique. Mit "Golden Door" liefert Crialese jetzt seine dritte Arbeit ab und auch dieser Film wird mit Sicherheit für überwiegend positive Kritiken sorgen. "Golden Door" erzählt eine wichtige und vor allem noch nicht häufig erzählte Geschichte in wunderbaren Bildern und mit durchweg sehr guten Darstellern. Und trotzdem: Es fehlt etwas in diesem Film und es ist nicht leicht zu sagen was.

Zweifellos verstehen Crialese und seine Kamerafrau Agnès Godard ihr Handwerk. Die Bildsprache von "Golden Door" ist an einigen Stellen wahrlich beeindruckend und das nicht nur im ersten Teil, in dem die dankbaren sizilianischen Landschaften eingefangen werden. Crialese gelingen immer wieder großartige Einstellungen, so zum Beispiel die Abfahrt des Schiffes aus dem italienischen Hafen: Fast senkrecht von oben gefilmt vergrößert sich in zeitlupenartiger Langsamkeit die Distanz zwischen Schiff und Ufer, zwischen den Auswanderern und ihrer Heimat mitsamt den Daheimgebliebenen – selten wurde uns die Endgültigkeit einer Schiffsfahrt so eindrücklich vor Augen geführt. Die surrealen Sequenzen des Films sind nicht minder originell. So träumt Salvatore, wie er bis zum Kopf in der Erde vergraben ist und Geldstücke auf ihn niederregnen; das überdimensionale Gemüse, das auf Propaganda-Fotos für die "Neue Welt" zu sehen war, erscheint immer wieder in den Fantasien der Emigranten.

Golden Door Trotz dieser handwerklich beeindruckenden Kameraarbeit bleibt vom Film erstaunlich wenig hängen. Die Schönheit der genannten Einstellungen beeindruckt nur im jeweiligen Moment und nur unter technischen Gesichtspunkten, gerät dafür erstaunlich schnell wieder in Vergessenheit. Crialeses Inszenierung ist fast zu glatt, um eine emotionale Reaktion hervorzurufen. Selbst die großartige Charlotte Gainsbourg ist in "Golden Door" häufig nur anwesend. Sie wirkt in einigen ihrer Szenen unterfordert, kann in anderen wiederum mit subtiler Mimik überzeugen. Vincenzo Amato, der bislang in allen Filmen von Crialese die Hauptrolle spielte, gelingt eine herrlich naive und vor allem ehrliche Darstellung des sizilianischen Auswanderers. Erwähnenswert ist hier auch die letzte Rolle des 2005 verstorbenen Vincent Schiavelli, einem der ewigen Nebendarsteller, deren Namen niemand weiß, die aber stets wiedererkannt werden – Schiavelli vor allem aus den Filmen von Milos Forman ("Einer flog übers Kuckucksnest", "Amadeus").

Dass "Golden Door" trotz seiner eher kühlen Inszenierung überzeugt, liegt auch am Thema des Films, das noch nicht allzu häufig behandelt wurde. Italienische Einwanderungsschicksale tauchten bisher eher in Filmen auf, die weitaus später spielen. Crialeses Film über die Ursprünge italienischer Migration ist auch ein Film über die Ursprünge neuerer amerikanischer Geschichte und nicht zuletzt auch des amerikanischen Kinos. Die Helden von "Golden Door" sind die Eltern oder Großeltern von Coppolas "Paten" oder den Protagonisten aus Martin Scorseses Filmen, die immer wieder im italienischen Milieu New Yorks angesiedelt sind. Außerdem ruft uns der Film eindrucksvoll in Erinnerung, mit welchen Methoden die amerikanischen Behörden auf Ellis Island vorgingen, um ihre Gesellschaft zu "perfektionieren." Sozialdarwinistische Theorien von "vererbbarer Intelligenz" waren hier ebenso die Regel wie die grausame Praxis der Zwangssterilisation für "abnormale" Menschen.

Beim Filmfestival in Venedig gewann "Golden Door" den "Silbernen Löwen für die Beste Neuentdeckung", außerdem wurde Crialese für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie "Beste Regie" nominiert. Vielleicht ist es das Problem des Films, dass man das Gefühl nicht los wird, Crialese hätte genau auf Auszeichnungen dieser Art hingearbeitet. So kunstvoll sein Film auch ist, die schnörkellose Inszenierung stört in gewisser Weise den Filmgenuss; es fehlt "Golden Door" an individueller Kraft, die kein Regisseur und kein Drehbuchautor planen kann. Und doch gebührt den Filmemachern großer Respekt für ein ambitioniertes Experiment, bei dem trotz der genannten Einwände ein sehenswerter Film herausgekommen ist.



FAZIT

Golden Door "Golden Door" ist ein schöner Film, der in eindringlichen Bildern von der großen Reise in die Neue Welt erzählt. Die etwas zu kalt geratene Inszenierung verhindert eine emotionale Bindung zum Leinwand-Geschehen, auch wenn die geheimnisvollen Blicke von Charlotte Gainsbourg und die sympathische Naivität der Auswanderer einen gewissen Charme ausstrahlen. Emanuele Crialese hat einen Film geschaffen, dem man durchaus mehr Aufmerksamkeit wünschen würde, ist die Art von Kino, für die dieser Film steht, doch relativ rar gesät. Ein Kino-Ereignis, das die Schnittstelle sucht; zwischen Realismus und Traumbildern wie zwischen Populärfilm und Filmkunst.

Von Till Kadritzke



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex