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Freedom Writers

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Kinostart
05.04.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Universal

Regie
Richard LaGravenese

Autor
Richard LaGravenese

Laufzeit
123 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Hilary Swank
Patrick Dempsey
Scott Glenn
Imelda Staunton




Restposten Sonderschüler

INHALT

Freedom Writers Großer Ausverkauf in einem Kino in Ihrer Nähe! Alles muss raus: Häusliche Gewalt, gefährliche Gangs – und Ghettokinder! Was für ein Schnäppchen: Sie bekommen nicht ein, nicht zwei, nein, Sie erhalten einen ganzen Vorratspack mit mehr als zehn Ghettokids für Ihr Geld! Die halbstarken Problemkinder kommen mit verschiedenen Accessoires sowie ethnischen Hintergründen und sind nach realen Vorbildern gefertigt. Sie werden ihrem Drogendealer-Charme und Gassen-Slang kaum widerstehen können! Jetzt zuschlagen, bevor es die Kids tun! Ihr exklusiver Vorteil: Der ungezähmte Trupp kommt inklusive treusorgender Lehrerin (Hilary Swank, "Million Dollar Baby"). Diese Powerfrau nimmt gleich drei Nebenjobs an, um für ihre neuen Zöglinge Schulmaterial zu kaufen und sie für den Unterricht zu begeistern. Ihre geniale Idee, die Schüler Tagebücher schreiben zu lassen, ist besonders effektiv. Im Nu holt sie die Ghettokids von der Straße und macht sie zu vorbildlichen Eleven. Sie werden innerhalb kürzester Zeit Glückseligkeit und Harmonie verspüren!



KRITIK

Freedom Writers Was genau reizt Hollywood derzeit so an Ghettoschülern? Ist es das breite Spektrum von Ethnien? Von Problemen? Oder Greueltaten? Sollen die mirakulösen Rettungsszenarien, wie sie in "Dance!", "Dangerous Minds" und nun "Freedom Writers" durchgespielt werden, Mut und Hoffnung auf bessere Zeiten machen oder die Ghettoproblematik eher unter den Teppich kehren, um sie guten Gewissens als Häkchen auf der Hollywood-Checkliste der brenzligen Themen zu verewigen? Egal, wie man diese Fragen beantwortet, sicher ist: Die Ghettomärchen sollen zu Tränen rühren. Immer geht es um überaus dramatische Schicksale, die sich während des Films von Missmut und Verzweifelung zu Zuversicht und Zukunftschancen korrigieren. "Freedom Writers" macht da keine Ausnahme.

Wie üblich teilt sich der Film zwischen der Dokumentation der Entwicklung der zunächst verdrießlichen Highschool-Schüler und der Entwicklung der engagierten Lehrerin, die alles ändern wird, auf. Im Falle der Schüler genügen dabei exemplarische Einzelschicksale. Latina Eva (April Lee Hernandez) etwa ist die knallharte Gangsterbraut mit weichem Kern, die die frischgebackene Lehrerin Erin Gruwell mit dem harten Gangsterleben konfrontiert. Mitschüler Andre (Mario) versucht, sich als kleiner Drogendealer ein bisschen Geld dazuzuverdienen, während Ben (Hunter Parrish) vergeblich darum ringt, sich als einziger Weißer in die Problemklasse zu integrieren.

Freedom Writers Erin Gruwell alias Hilary Swank ist der Gutmensch des Films, der ebenso wenig von Schicksalsschlägen verschont bleibt wie die Ghettokids. Ihr Engagement für ihre Schüler kostet sie letztlich sogar ihre Ehe mit Scott (Patrick Dempsey, "Sweet Home Alabama"). Von nun an ist sie die sitzen gelassene Lehrerin mit Herz, die von ihren hochnäsigen Kollegen gehasst wird und für die Finanzierung der Lehrmittel nicht weniger als drei Nebenjobs Tag und Nacht bedient. Kullern die Mitleidstränchen schon? Dann kommt das Happyend ja wie gerufen, um noch ein paar Freudentränen dazuzuaddieren. Gruwells Tagebuchprojekt hat nämlich durchschlagenden Erfolg. Und schließlich kommt sogar noch das Schicksal von Anne Frank ins Spiel. Hollywood will Sturzbäche weinende Zuschauer sehen.

Ist der geneigte Zuschauer dann einer möglichst ergiebigen Salzwasserlache entstiegen und wankt glückstrunken aus dem Kinosaal, hat "Freedom Writers" seine Mission erfüllt. Aber ist die idealtypische Ghettofabel die Tränensuppe wert? Die Vorbilder der Filmkinder aus dem wirklichen Leben vielleicht, der kitschige Film nicht. In jedem Falle können erlösende Tränchen wohl kaum etwas an der Realität von echten Armutsopfern in den USA ändern, spülen dafür aber Bares in weniger arme Hollywoodkassen. Ob es da wirklich nur darum geht, Aufmerksamkeit für Ghettoschicksale beim Zielpublikum zu schaffen?



FAZIT

Freedom Writers "Freedom Writers" ist nicht viel mehr als eine Rabattaktion auf grobmotorische Ghettokids, die schnell und formelhaft vermarktet werden müssen, bevor sie zu Ladenhütern werden. Mit von der Partie sind die obligatorischen Rabeneltern, bösen Lehrer und natürlich die gute Fee Hilary Swank, die dem Armutsreigen vorerst zumindest auf Bildungsebene ein Ende bereitet. Gegenüber Filmen wie "Dangerous Minds", der vor mehr als zehn Jahren noch echte Aufklärungsarbeit leistete, lässt "Freedom Writers" jegliche Weiterentwicklung des Themas vermissen und bedient sich stattdessen aller alten Klischees.

Von Therese Hopfmann



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