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Flug 93

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Original Titel
United 93

Kinostart
01.06.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Paul Greengrass

Autor
Paul Greengrass

Laufzeit
111 Minuten

Hauptdarsteller
Khalid Abdalla
Lewis Alsamari
Omar Berdouni
Jamie Harding




Echtzeit-Epos mit Doku-Design

INHALT

Flug 93 Am 22. Juli 2004 wurde in den USA ein 568 Seiten umfassender Untersuchungsbericht über die Ereignisse des 11. Septembers 2001 veröffentlicht. Fabriziert von einer Delegation von Politikern (bestehend aus fünf Republikanern und der ausgleichenden Gerechtigkeit halber auch fünf Demokraten) repräsentiert der "9/11 Commission Report" die offizielle Sicht der US-amerikanischen Regierung bezüglich Hintergrund und Ablauf der Terroranschläge. Paul Greengrass’ ("Bloody Sunday", "Die Bourne Verschwörung") Film "Flug 93" basiert auf den Schlussfolgerungen des Berichts und schildert die Entführung der Boeing 757, die als einziges der am 11. September gekidnappten Flugzeuge nicht das von den Terroristen angepeilte Ziel erreichte, sondern in der Einöde Pennsylvanias abstürzte.

Mit einiger Verspätung hebt der United-Airlines-Flug 93 in Newark Richtung San Francisco am 11. September 2001 um 8:42 Uhr ab. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits drei gekidnappte Flugzeuge in der Luft und wenige Minuten später schlägt das erste davon ins World Trade Centre ein. Auch an Bord des San-Francisco-Flugs warten drei Attentäter auf das Zeichen ihres Anführers Ziad Jarrah, die Maschine in ihre Gewalt zu bringen. Scheinbar ewig zögert Jarrah den Moment der Übernahme hinaus, während draußen, außerhalb des kleinen, abgeschotteten Universums der Boeing 757, die Welt bereits Kopf steht.



KRITIK

Flug 93 44 Menschen starben bei dem Absturz des United-Airlines-Flugs in der Nähe von Shanksville, Pennsylvania. In "Flug 93" wird keiner von ihnen zum Held der Leinwand. Weder eines der sieben Crewmitglieder, noch einer der 33 Passagiere, geschweige denn einer der vier Terroristen wurden dazu auserkoren, das Gesicht des Films zu werden. Regisseur und Drehbuchautor Greengrass verweigert seinem Publikum emotionale Nähe zum Geschehen oder Einblicke in das Leben der Protagonisten. "Flug 93" hebt sich dadurch von anderen Katastrophenfilmen ab: Statt in die Gefühlswelt der Menschen einzutauchen und auf Kosten der Opfer theatralisch auszuschlachten, protokolliert "Flug 93" unbarmherzig und fast schon abgeklärt die Ereignisse in Echtzeit.

Greengrass lässt dabei die Grenzen zwischen Dokumentarfilm und fiktivem Spielfilm verschwimmen. Der Hergang der Flugzeugentführung konnte anhand von Flugschreibern und Telefonaten der Passagiere teilweise rekonstruiert werden und "Flug 93" hält sich in vielen Aspekten an die Fakten. Trotzdem muss der Film große Lücken fiktiv füllen, wo Erkenntnisse über die tatsächlichen Ereignisse fehlen. Doch Barry Ackroyds wackelige Handkamera, die den Zuschauer nach kurzer Zeit schwindelig macht und die Verwirrung der Protagonisten auf das Publikum meisterhaft und effektiv überträgt, lässt einen überraschend schnell vergessen, dass es sich bei "Flug 93" nicht um eine Dokumentation, sondern eine fiktive Inszenierung handelt.

Greengrass ist sehr um Authentizität bemüht. Deshalb treten im Film neben unbekannten Schauspielern sogar reale Personen auf, die am 11. September als Mitglieder der Luftfahrtbehörde bzw. Luftverteidigung und als Personal in den Kontrollzentren Boston und New York panisch versuchten, die Situation zu bewältigen. Obwohl originalgetreuer Fachjargon, der für den Laien nicht wie üblich in mundgerechte Hollywood-Häppchen zerteilt wird, die Szenen beherrscht, wird wohl jedem schnell klar, dass weder Flugverkehrüberwachung noch Militär auf die Entführung von Flugzeugen durch Selbstmordattentäter vorbereitet sind. Die Experten sind dazu verdammt, auf dem Nachrichtensender CNN mitzuverfolgen, wie drei Flugzeuge in das World Trade Centre und das Pentagon rasen.

Um das vierte Flugzeug, United-Airlines-Flug 93, ranken sich bisweilen allerlei Legenden. So behauptet der offizielle Regierungsbericht – und folglich auch "Flug 93" -, die Boeing 757 sei abgestürzt, als die Passagiere gemeinsam versuchten, die vier Terroristen zu überwältigen und aus dem Cockpit zu vertreiben, um die Selbstmordmission zu verhindern, deren Ziel das Weiße Haus in Washington D.C. war. So wurden aus verzweifelten Menschen amerikanische Patrioten. Helden. Bewiesen ist das nicht. Im Gegenteil: Verschwörungstheoretiker haben sich an den Ungereimtheiten des Absturzes von Flug 93 festgebissen. So weigert sich das FBI bis heute, den Inhalt der letzten drei Minuten, die der Cockpit Voice Recorder aufzeichnete, preiszugeben. Hartnäckig hält sich daher der Verdacht, das Flugzeug sei vom US-amerikanischen Militär abgeschossen worden. Augenzeugen gibt es dafür angeblich auch.



FAZIT

Flug 93 "Flug 93" ist ein beängstigend realistischer Film, dessen Dokumentarcharakter sich wohltuend von Katastrophenschinken aus Hollywood abhebt. Dennoch, wer sich der Vermarktung und Ausbeutung der Ereignisse des 11. Septembers entziehen möchte, muss sich wohl auch von der spekulativen Pseudo-Doku "Flug 93" fernhalten. Was wirklich an Bord des Flugzeugs geschah, ist unklar und Greengrass’ Anspruch an seinen Film, den Opfern gerecht zu werden, ist wohl zum Scheitern verurteilt. Schließlich kann keines der Opfer die Darstellung der Ereignisse in "Flug 93" bestätigen oder widerlegen.

Von Therese Hopfmann



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