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Schräger als Fiktion

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Original Titel
Stranger Than Fiction

Kinostart
08.02.2007

Genre
Komödie/ Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Sony

Regie
Marc Forster

Autor
Zach Helm

Laufzeit
113 Minuten

FSK
ab 6 Jahren

Hauptdarsteller
Will Ferrell
Maggie Gyllenhaal
Dustin Hoffman
Queen Latifah




Just for laughs

INHALT

Schräger als Fiktion Die exzentrische Schriftstellerin Karen Eiffel (Emma Thompson, "Tatsächlich…Liebe") bastelt an ihrem neuen Roman – und das schon seit zehn Jahren. Die Schreibblockade der Autorin soll nun ein Ende haben, findet ihr Verleger und stellt ihr eine Assistentin (Queen Latifah, "Chicago") zur Seite, die sich darauf versteht, schreibfaule Schriftsteller auf Trab zu bringen. Gemeinsam machen sie sich daran, Eiffels Romanfigur Harold Crick umzubringen, denn das unverhoffte Dahinscheiden der Protagonisten am Ende jedes Romans ist Eiffels Markenzeichen. Dass Harold Crick (Will Ferrell, "Ricky Bobby – König der Rennfahrer") mehr als ein literarisches Konstrukt ist, sondern auch in der Wirklichkeit existiert, ahnen sie nicht. Crick seinerseits bekommt eine leise Vorahnung von seinem Doppel-Dasein, als er auf einmal von einer Stimme verfolgt wird, die sein Leben und sogar seine Gedanken kommentiert. Alles, was Eiffel zu Blatt bringt, hört Crick nun in seinem Kopf. Als die Stimme aus dem Off ihm seinen baldigen Tod ankündigt, versucht Crick verzweifelt, die Quelle der unheilvollen Botschaft zu finden.



KRITIK

Schräger als Fiktion Zugegeben, die Geschichte, die uns "Schräger als Fiktion" aufzutischen versucht, ist reichlich bizarr, wunderbar unplausibel und herrlich schräg. Sie erzählt von einem Mann, der jede Minute seines Alltags verplant und nach präzisen Berechnungen auslegt. Seine Kaffeepause dauert exakt 4,3, seine Mittagspause 45,7 Minuten. Harold Crick ist noch dazu Steuerfahnder, morgens bis abends beschäftigt er sich mit seinen geliebten Zahlen. Und dann taucht plötzlich eine Stimme auf, die vorher nie da gewesen war und nach Belieben – oft in entscheidenden Momenten - auch wieder verstummt, und stellt Cricks Leben völlig auf den Kopf. Hört sich sehr konstruiert an? Ist es auch, aber "Schräger als Fiktion" macht aus der schwierigen Konstruktion des Plots und seinen stilisierten Protagonisten eine Tugend.

Dass "Schräger als Fiktion" nicht an seinen Logikschlaglöchern scheitert, ist zum größten Teil das Verdienst der Darsteller. Will Ferrell meistert seine Rolle mit viel Situationskomik, melancholischer Ernsthaftigkeit und schusseliger Prolligkeit, die ihm in seiner Schauspielkarriere seit "Saturday Night Live"-Tagen immer gut gestanden hat. Das Auftreten der Stimme, die Zahlenfreund Crick sein Leben "vorliest" und ihm die Kontrolle über seine Zukunft entreißt, zwingt den isolierten Steuerfahnder dazu, Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen. Dazu gehört zunächst eine Psychologin, die aussieht wie eine menschliche Version der Zeichentrick-Designerin Edna Mode aus "Die Unglaublichen", und wenig später mischt sich Professor Hilbert (Dustin Hoffman, "Wag the Dog"), ein Experte für Literatur, ein. Der selbstverliebte Fachmann fühlt sich von Cricks einzigartigem Problem dazu angestachelt, dessen "literarisches" Rätsel zu lösen. Cricks Tod abzuwenden, ist für den verblendeten Professor allerdings sekundär. Notfalls muss der Steuerfahnder eben dem meisterhaften Ende eines Romans Vorrang geben und auf sein langweiliges Leben verzichten. So drakonisch jedenfalls interpretiert Hoffman seine Rolle und verleiht der skurrilen Figur Hilbert dadurch erstaunlich viel Tiefe.

Schräger als Fiktion Cricks Dasein als Behördenbanause wird natürlich gerade durch Hilberts Vorschläge und Eiffels Zutun aus seiner jähen Lethargie gerissen. Cricks chaotischer Gefühlszustand und seine tollpatschigen Versuche herauszufinden, ob er der Protagonist einer Komödie oder Tragödie ist, sind unschlagbar komisch. Obwohl Ferrell alias Crick natürlich auch nachdenkliche Momente durchlebt – schließlich geht es um Leben und Tod -, ist Emma Thompson als verzweifelte Schriftstellerin Eiffel eindeutig der ernste Pol des Films. Wie alle anderen Figuren auch ist die Autorin eine recht überdrehte, konstruierte Figur, die sich ihrer Schreiberei genauso fanatisch widmet wie Hilbert der Literatur und Crick den Zahlen. Sie lebt in einem fast leeren Apartment, tippt ihre Texte auf einer einsamen Schreibmaschine und lässt sich im Krankenhaus für den Romantod Cricks inspirieren. Als sie schließlich davon erfährt, dass ihr Protagonist tatsächlich lebt, stürzt sie das in eine Lebenskrise. Wie viele Menschenleben hat sie schon auf dem Gewissen?

"Schräger als Fiktion" beantwortet viele inhaltliche Fragen, die aufgeworfen werden, nicht. Ein großes Fragezeichen dürfte auch die integrierte Liebesgeschichte hinterlassen. Crick verliebt sich während all der Turbulenzen in seinem Leben in die rebellische Bäckerin Ana (Maggie Gyllenhaal, "Secretary"), die zwar auch in das Romankonzept eingebunden wird, aber irgendwie immer fehl am Platz wirkt. Will Ferrell und Maggie Gyllenhaal sind als Pärchen so unansehnlich wie Keanu Reeves und Sandra Bullock in "Das Haus am See" oder das Cruz-Cruise-Geschwader aus "Vanilla Sky". Die Chemie stimmt einfach nicht. Zudem ist Cricks Motivation bezüglich Kontaktaufnahme und Bezirzung der Dame eher berechnend als romantisch.



FAZIT

Schräger als Fiktion Marc Forsters ("Monster’s Ball") Komödie "Schräger als Fiktion" ist eine Fundgrube frischer Ideen und kurioser Figuren, die in einer leichtfüßigen Geschichte vereint werden. Einziger Wehrmutstropfen sind Will Ferrells Unfähigkeit, sich mit dem Lovestory-Teil der Handlung zu arrangieren, und die zu kurz gekommenen ernsten Augenblicke, die das bemerkenswerte tragikomische Potenzial des Films kaum mehr als andeuten. So ist und bleibt "Schräger als Fiktion" eine gute Komödie.

Von Therese Hopfmann



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