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Fast Food Nation

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Kinostart
01.03.2007

Genre
Drama/ Satire

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Senator

Regie
Richard Linklater

Autor
Eric Schlosser

Laufzeit
113 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Patricia Arquette
Bobby Cannavale
Paul Franklin Dano
Luis Guzmán




MacZeigefinger ohne Biss

INHALT

Fast Food Nation Die Fast-Food-Kette Mickey’s ist gut im Geschäft. Ihr neuester Magensprenger für Moppel-Amerikaner, "The Big One", ist ein regelrechter Verkaufsschlager. Neueste Forschungsergebnisse eines unabhängigen Instituts zeigen jedoch, dass das Fleisch mit Kolibakterien belastet ist. Die Firmenzentrale reagiert relativ gelassen auf den offenbar wenig überraschenden Befund. Fäkalien im Burgerfleisch haben schließlich noch niemanden umgebracht. Um einen Image-Schaden zu vermeiden, schickt das Firmenoberhaupt aber doch seinen Marketingchef Don Henderson (Greg Kinnear, "Besser geht’s nicht") nach Colorado, wo das betroffene Hamburgerhack zum Dumpingpreis produziert wird. Dort soll Henderson nach dem Rechten sehen.

Die Fleischfabrik in der Kleinstadt Cody birgt für den frappierten Marketingmann eine Hiobsbotschaft nach der anderen. In jedem Winkel lauert ein Skandal, von dem der naive Henderson noch nie gehört haben will: Zur Fleischproduktion müssen im Akkord lebende Kühe in einem blutigen Prozess geschlachtet und auseinander genommen werden? Potzblitz! In der Fabrik arbeiten frustrierte Billigarbeitskräfte aus Mexiko unter schlechten Sicherheitsbedingungen? Schockschwerenot! Und die profitgeile Firma weiß davon und billigt alles? Skandal! Zum Glück gibt es ja Menschen wie Farmer Rudy (Kris Kristofferson, "Blade"), Onkel Pete (Ethan Hawk, "Training Day") und Aktivistin Alice (Avril Lavigne), die die üblen Geheimnisse der gottlosen Fleischindustrie kennen und dem Zuschauer und Henderson mal so richtig den Kopf waschen.



KRITIK

Fast Food Nation In Richard Linklaters kritischem Film "Fast Food Nation" steckt viel Recherche. Der Schriftsteller Eric Schlosser erkundete etwa zwei Jahre lang die Machenschaften der amerikanischen Fastfood-Konzerne und förderte dabei erwartungsgemäß allerlei schmutzige Details zutage, die er in einem Sachbuch zusammentrug. Die skandalöse Faktensammlung verkaufte sich im Geburtsland von McDonald’s und Burger King hervorragend und die Idee, daraus einen Film zu machen, war schnell geboren. Eric Schlosser schrieb alsbald das Drehbuch für "Fast Food Nation" und versuchte, in den fiktiven Film die Faktenvielfalt seiner ursprünglichen Reportage einzubauen - und ist dabei eindeutig über das Ziel hinausgeschossen.

"Fast Food Nation" hat gleich zwei große Probleme. Erstens entwickelt der Film keine überzeugende Geschichte und zweitens ist er zu sehr darauf versessen, den Zuschauer zu belehren. Dabei besteht ein direkter Zusammenhang: Eine glaubwürdige Erzählung zeichnet sich meistens dadurch aus, dass sie – auch wenn Fakten ihr Hintergrund sind – menschliche Schicksale in den Vordergrund stellt und ihren Figuren Raum und Zeit gibt, sich nachvollziehbar individuell zu entwickeln. "Fast Food Nation" hat weder Zeit noch Raum für seine Protagonisten, weil der Film viel zu beschäftigt damit ist, seine Figuren zu charakterlosen Faktenträgern und wandelnden Zeigefingern umzufunktionieren. Schlosser versucht offenbar krampfhaft, mit dem Film so viele Unsäglichkeiten des Fastfood-Geschäfts wie möglich zu illustrieren. Die klischeehaften Figuren werden dabei regelrecht dazu missbraucht, in überdeutlichen Dialogen mit ungeheuerlich viel Faktenwissen über das amerikanische Fleischkonglomerat zu referieren.

Schlosser und Linklater gehen dabei nach dem Kahlschlagprinzip vor. Kein gutes Haar wird an der Burgerindustrie gelassen, wirklich alles kommt so schlimm wie es nur kommen kann: Die illegal eingereisten mexikanischen Fabrikarbeiter Raul, Coco und Sylvia, die großen Sympathieträger des Films, leiden auf ihrem Weg in die USA schreckliche Qualen, werden von Vorgesetzten sexuell missbraucht, rutschen in den Drogensumpf ab und verlieren prompt in Arbeitsunfällen Gliedmaßen. Die Aktion der jugendlichen Aktivisten rund um Alice, die von dem talentfreien Teenie-Rock-Püppchen Avril Lavigne gespielt wird, misslingt. Henderson beugt sich schließlich dem Druck seines mächtigen Arbeitgebers und zieht unverrichteter Dinge aus Cody ab. Schlimmer geht’s nimmer. Dass alle exemplarisch dargestellten Anti-Fastfood-Argumente generell ihre Berechtigung haben, dürfte unumstritten sein. Auf wenige Protagonisten aufgeteilt und auf 113 Filmminuten komprimiert hinterlassen sie in "Fast Food Nation" jedoch eher den Eindruck der Dramatisierung und der ständigen bevormundenden Ermahnung.

Nicht trotz, sondern gerade wegen seiner aufklärerischen Attitüde ist "Fast Food Nation" ineffektiv. Der Film formuliert seine Kritik an der Fastfood-Industrie und am Fastfood-Konsum so explizit und unerbittlich, dass er nur Zuschauer anlocken kann, die sowieso schon eine starke Anti-Fastfood-Haltung haben. Den Zugang zu Menschen, die erst von der Schnellimbiss-Abstinenz überzeugt werden müssen, verbaut sich "Fast Food Nation" selbst. Leider.



FAZIT

Fast Food Nation Richard Linklater hat sich mit "Fast Food Nation" zu viel zugemutet. Nach herrlich belanglosen Filmen wie "School of Rock" und "Before Sunset" dürstete der Regisseur wohl nach politischeren Botschaften. Doch "Fast Food Nation" verfehlt sein Ziel, uninformierte Zuschauer politisch aufzuklären, völlig. Stattdessen zeigt der Film eine nicht enden wollende Verkettung von überdramatischen Fastfood-Schicksalen und Wahrheiten, die in einer Zeit der Gammelfleischskandale Aha-Momente vermissen lassen.

Von MPeX.net/Therese Hopfmann



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