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Stirb langsam 4.0

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Original Titel
Live Free or Die Hard

Kinostart
27.06.2007

Genre
Action

Erscheinungsjahr
2007

Land
USA

Verleih
FOX

Regie
Len Wiseman

Autor
Mark Bomback

Laufzeit
129 Minuten

Hauptdarsteller
Bruce Willis
Timothy Olyphant
Justin Long
Cliff Curtis




Digital goes Hollywood – alle Jahre wieder

INHALT

Stirb langsam 4.0 Amerika ist in Gefahr. Hacker haben sich Zugang zu regierungsinternen Computernetzwerken verschafft und legen nun Schritt für Schritt die US-amerikanische Infrastruktur lahm. In kürzester Zeit kontrollieren sie von der Ampel bis zum Handynetz alles, was über Computer gesteuert wird. Das FBI tut sich schwer, die Schuldigen zu finden. Eine Liste von Verdächtigen wird erstellt, doch noch bevor die möglichen Delinquenten von der Polizei aufgegabelt werden können, hat sie bereits der Tod ereilt. Das hochtalentierte Programmiergenie Thomas Gabriel (Timothy Olyphant, "Lieben und Lassen“), das hinter dem Cyberangriff steckt, lässt von seinen Handlangern alle Hacker beseitigen, die ihm bei der Vorbereitung seines Anschlags behilflich waren. Einzig Matt Farrell (Justin Long, "Dreamland“) entkommt, weil Polizist John McClane (Bruce Willis, "Das fünfte Element“, "Sixth Sense“) schneller ist als die Terroristen und Farrrell beschützt. Der mürrische McClane soll den jungen Hacker dem FBI überstellen, doch Gabriel setzt alles daran, das Hacker-Cop-Gespann vorher zu eliminieren.



KRITIK

Stirb langsam 4.0 Holen Sie schon mal Mamas bestes Spitzendeckchen raus: Hoher Besuch hat sich angekündigt. Es ist das Kinojahr 1995, das gekommen ist, um uns ein kleines Ständchen zu bringen. Dabei gibt es bei Kaffee und Kuchen natürlich nur ein Thema: Das verrückte neue Digital-Universum. Ganz recht, 1995 gab es nichts Spannenderes als Computer, Internet und Disketten. Alles war so wahnsinnig faszinierend und zukunftsweisend. Da dürfte es nicht verwundern, dass auch die Filmindustrie in diesem Jahr besonders heiß auf Daten, Chips und jede Menge Cyborgs war. 1995 war das Jahr von Teeniekultfilm "Hackers – Im Netz des FBI“, Sandra Bullocks Kampf um eine Top-Secret-Diskette in "Das Netz“ und vielsagenden Titeln wie "Digital Man“. In demselben Jahr erblickte kurioserweise auch "Stirb langsam – Jetzt erst recht“, der dritte Teil der "Stirb langsam“-Reihe, das Licht der Cyberspace-Welt. Nach einer Pause von zwölf Jahren meldet sich das Franchise nun zurück und erzählt eine Geschichte, die stark an den Computerwahn von damals erinnert. Die Infiltrierung von digitalen Netzwerken zwecks Übernahme der Weltherrschaft skizzierte ja bereits 1995 der Thriller "Die Rembrandt-Connection“. Handelt es sich bei "Stirb langsam 4.0“ also nur um pure Nostalgie oder wurde das Sequel vielleicht doch schon im Geburtsjahr seines Vorgängers geschrieben? Das Zeitreise-Feeling tut dem Actionstreifen jedenfalls nur bedingt gut.

Das Gefühl, der Adaption einer andernorts längst durchexerzierten Vision des Zusammenbruchs der computerisierten Welt beizuwohnen, verlässt einen während der zweistündigen Laufzeit von "Stirb langsam 4.0“ nie. Obwohl man vermuten darf, dass der virtuelle Aufzug des Films dazu konzipiert ist, auch das junge Publikum ob des Alters des Helden mithilfe von Virus, Hacker und Co. ins Kino zu locken, verströmt die computerorientierte Versuchsanordnung von "Stirb langsam 4.0“ im Gegenteil ein eher überholtes Flair. Es ist heute offenbar gar nicht mehr so einfach, mit halbgeglücktem Programmierer-Singsang selbst die unschlüssigsten Vorgänge zu plausibilisieren und Handlungslöcher zu kaschieren. Die laienhafte Lächerlichkeit ist sofort entlarvt, weil uns die vermeintlich undurchschaubare Technik im Alltag näher ist, als den Drehbuchautoren Doug Richardson und Mark Bomback vielleicht lieb ist.

Stirb langsam 4.0 Auf der anderen Seite ist die Einbettung des Films in die technischen Wunder der Computerwelt eine willkommene Ablenkung vom drögen Actioneinerlei, zumindest für die Macher des Films. Die Inszenierung der eigentlichen Kampfszenen und Verfolgungsjagden bricht allerdings aus dem Konzept der Virtualität schnell wieder aus – ein Krieg der Festplatten wäre wohl auch nicht besonders fotogen – und bewegt sich in den sehr körpergebundenen Fußstapfen der Vorgängerfilme. Den immateriellen, digitalen Terror auf eine körperliche, analoge Ebene niederbrechend sorgt McClane stetig dafür, dass sich anstatt von Daten auch Menschen und Maschinen duellieren. Höhepunkte sind ein Zweikampf zwischen McClane und einem gegnerischen Hubschrauber, der mit einer Hydrantenfontäne Bekanntschaft macht und spektakulär in die Flugbahn eines Autos gerät, sowie der Schlagabtausch zwischen Truck und Kampfjet auf einer kollabierenden Autobahn.

Was indes alle "Stirb langsam“-Filme gleichermaßen ausmacht, ist die Durchdringung von Weltrettung mit John McClanes Privatleben. Das Kredo, Arbeit und Familie auseinander zu halten, besitzt für den Helden der Geschichte in keinem der vier Teile Gültigkeit. So dauert es nicht lange, bis Oberschurke Gabriel gereizt fragt: "You want to make this personal?“ Und persönlich wird es dann auch. McClane liefert sich eine epische Schlacht mit Gabriels Kung-Fu-Flamme (gespielt von Maggie Q ("M:I:III“), die nach langer Tortur im Schacht eines Aufzugs endet, woraufhin Gabriel und sein europäisch durchsetztes Gangsterteam McClanes Tochter Lucy (Mary Elizabeth Winstead, "Death Proof - Todsicher“) in Gewahrsam nehmen. Die Errettung der Welt wird zur Rettung der Familie, auch wenn diese eigentlich nie intakt war und trotz aller Bemühungen schon in den vergangenen Filmen immer wieder als gescheitert gelten musste.



FAZIT

Stirb langsam 4.0 Wenn sich ein Film heute als Leitmotiv Modernität auf die Fahne schreibt und sich mit viel Karacho auf Computer-Terrorismus stürzt, dann darf man sich als Zuschauer berechtigterweise in die Steinzeit zurückversetzt fühlen. Es scheint, Modernität ist heute bereits ein altertümlicher Atavismus. Vielleicht überrascht es die Macher von "Stirb langsam 4.0“ also ein wenig, wenn gerade die nichtvirtuellen, nichtpseudomodernen, sondern aufrichtig traditionellen Inhalte ihres Werks den größten Reiz ausüben. John McClanes bekannte Sturköpfigkeit, seine unbeirrte Jagd nach Familienharmonie und die simultane Sinfonie von Explosionen und Handgreiflichkeiten – all diese Antiquitäten konstituieren den Charme von "Stirb langsam 4.0“, dem sich Actionliebhaber genüsslich hingeben können.

Von Therese Hopfmann



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