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Das Comeback

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Original Titel
The Cinderella Man

Kinostart
08.09.2005

Genre
Action-Drama

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
Ron Howard

Autor
Charlie Mitchell / Cliff Hollingsworth

Laufzeit
145 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Russell Crowe
Renée Zellweger
Craig Bierko
Paul Giamatti




Ein Amerikaner kennt keinen Schmerz

INHALT

Das Comeback "Amerikaner verfügen über eine angeborene Härte. Sie geben sich mit Niederlagen nicht zufrieden. Versagen ist keine Option." Das meint der oscarprämierte ("A Beautiful Mind") Hollywoodregisseur Ron Howard. Es ist die Hauptthese, unter die er sein bisheriges filmisches Schaffen gestellt sehen möchte. Mit seinem neuen Film will er sie noch einmal ganz deutlich machen - anhand eines echten amerikanischen Helden. Originellerweise ist es kein Krieger, sondern ein Boxer. Howards völkischer Held heißt Jim Braddock und wird von Oscarpreisträger Gladiator Maximus Russell Crowe verkörpert. Entschuldigung, natürlich nicht "völkischer Held", schließlich ist Amerika ein Volk von Einwanderern und Jim Braddock zum Beispiel hatte irische Wurzeln. Jedenfalls, es gab ihn wirklich, und er wurde in Amerika verehrt wie hierzulande vielleicht Max Schmeling. Howards Film erzählt seine Geschichte:

Ende der 20er Jahre ist Braddock ein talentierter Boxer, vielleicht demnächst Weltmeister im Schwergewicht. Doch es kommt anders: Eine empfindliche sportliche Niederlage, Verletzungen, schließlich die große Wirtschaftskrise und der Verlust des in Aktien angelegten Geldes. Vom luxuriösen Haus in eine lichtlose Kellerwohnung umgezogen muss Braddock nun trotz Verletzungen für 50 Dollar Preisgeld in den Boxring, um sich, seine Frau und seine drei Kinder ernähren zu können. Seine Auftritte dort werden den Veranstaltern schließlich so peinlich, dass sie ihm die Lizenz entziehen. Obwohl es Braddock gelingt mit gut getarntem Gipsverband um die beim letzten Kampf vollends gebrochene Rechte eine Arbeit als Dockarbeiter zu bekommen (und dank des solidarischen Verhaltens eines Kollegen auch zu behalten), schafft er es nicht mehr, seine Schulden zu bezahlen. Er muss um staatliche Unterstützung anstehen und bei den Boxveranstaltern um Geld betteln. Dann – Braddocks Hand ist schon längst wieder verheilt - kommt doch noch die Gelegenheit für einen allerletzten Kampf. Als Ersatz für einen plötzlich ausgefallenen Gegner soll er sich von einer jungen Boxhoffnung verprügeln lassen. Es wird sein Comebackkampf. Von da an schlägt Braddock jüngere, bessere und stärkere Boxer, weil er mehr einstecken kann als sie und nie aufgibt. Am Ende geht es um die Weltmeisterschaft gegen Max Bear, einen Boxer, der nicht nur so aussieht, wie er heißt, sondern auch so zuhaut, was schon zwei seiner Gegner das Leben kostete, und der auftritt wie ein Hollywoodstar. Halb New York hockt vor dem Kampf in der Kirche und betet für den Außenseiter, für den sympathischen Familienmenschen Braddock, für einen von ihnen, der es geschafft hat.



KRITIK

Das Comeback Ein harter aber fairer Vergleich: Der letzte Boxerfilm aus Hollywood (und das ist sicher nicht der beste, der je gedreht wurde) stammt von Clint Eastwood und heißt "Million Dollar Baby". Dirty Harry geht ohne Rücksicht auf Verluste voll drauflos. Er riskiert, mit dem nicht wirklich unumstrittenen Frauenboxen beim Publikum durchzufallen, und er setzt noch das Thema Sterbehilfe obendrauf, obwohl er wissen muss, dass er dafür Schläge bekommt. Howard dagegen kommt erst kaum aus der Deckung und dann klammert er innig mit den tonangebenden US-Neo-Cons und Hurra-Amerikanern.

Howard gönnt seinem Helden nicht auch nur die kleinste negative Eigenschaft. Nicht um ihn etwa – Gott bewahre! – in einem zweifelhaften Licht dastehen zu lassen. Nein, bloß um ihn vielleicht ein bisschen interessanter zu machen. Nix da. Der Film-Braddock ist ein sympathischer, verantwortungsbewusster Familienvater, natürlich nicht intellektuell, aber intelligent, von einnehmendem Wesen, schlagfertig, aber nie auftrumpfend, sportlich-fair (keine Tiefschläge, niemals!), besonnen und von optimistischer Wesensart. Diese Figur ist nicht als Identifikationsfigur gedacht, sie soll Vorbild sein. Hier wird nicht in erster Linie eine Geschichte erzählt, hier wird dem Amerikaner von heute ein Beispiel gegeben.

Und der Amerikanerin: Braddocks Frau Mae wird von Renée Zellweger gespielt. Dank "Bridget Jones" ist Zellweger die Verkörperung der modernen Durchschnittsfrau. Als Vorbild für die moderne Durchschnittsfrau gibt sie hier die 30er-Jahre-Hausfrau, die ein wenig frühe Emanzipationsrhetorik beherrscht. Letztlich steht sie bedingungslos hinter dem, was ihr Mann tun muss, und zwischendurch hat sie einzusehen, dass es falsch ist, eigenmächtige Entscheidungen zu treffen und sich von ihrer Aufgabe, die Familie zusammenzuhalten, verabschieden zu wollen.

Das Comeback Das hört sich nicht nur ärgerlich, sondern auch unglaublich langweilig an. Langweilig ist der Film aber zugegebenermaßen zunächst einmal nicht. Dafür sorgen die witzigen Nebenfiguren: Das sind einmal Braddocks schön schräge Gegner im Ring, und dann vor allem sein Trainer und Manager Joe Gould, der von Paul Giamatti ("Sideways") als ein Mann mit beeindruckender kindlicher Energie gegeben wird. Und schließlich gibt es noch einen richtigen Charakter: den solidarischen Dockarbeiterkumpel (Paddy Considine), der Braddock davor bewahrt, bei seinem neuen Arbeitgeber gleich wieder rauszufliegen. Er heißt Mike Wilson und war bevor ihn die große Depression ins Elend stürzte, Broker an der Wallstreet (Was sonst?). Im Gegensatz zu seinem neuen Freund Braddock neigt er zu übermäßigen emotionalen Ausbrüchen und übermäßigem Alkoholkonsum. Vor allem aber hat er nicht nur - wie Braddock kurzfristig auch - den Glauben an Gott verloren, sondern - viel schlimmer! – auch den Glauben an sein Land. Mit anderen Worten: Er wird Kommunist und prompt bei einem Polizeieinsatz (so wie einige andere Revoluzzer auch) getötet - ein Unfall, den die Polizei bedauert. Er verschwindet im nummerierten Sperrholzsarg in einem Massengrab.

Bis hierhin hätte der Film noch etwas Vernünftiges werden können. Er wird aber etwas ganz Schreckliches. Er instrumentalisiert nämlich Braddocks Karriere als Gegenbeispiel zu Mike Wilsons Schicksal. Kommunist werden heißt in Wahrheit, den Kampf für sich selbst und seine Familie aufgegeben zu haben, den darfst du in Amerika aber niemals aufgeben, dann kannst du auch immer alles erreichen.

Einen Tag nach dem "Unfall" geht dem Patrioten Braddock in einer Pressekonferenz vor dem Bear-Kampf der Satz, Amerika sei das wunderbarste Land der Welt, mühelos von den Lippen. Diese Art Patriotismus ist nur bedingt glaubwürdig oder gar erstrebenswert, aber ganz unbedingt die Haltung des Films. Die präsentiert er in seinem letzten Drittel in einer Art, wie sie peinlicher und peinvoller nicht sein könnte.

Der Weltmeisterschaftskampf wird zum Armageddon hochstilisiert, oder sagen wir es ruhig mit den hier ebenfalls passenden Worten einer anderen Sportlegende: hochsterilisiert. Die Musik hört gar nicht mehr auf immer dramatischer und dramatischer zu werden, Mae trägt als Witwe in spe nur noch schwarz und Max Bear (stets in Begleitung von mindestens so viel aufgedonnerten jungen Damen wie der treue Familienvater Braddock großäugig guckende Kinder hat) ist ja so etwas von fies. Kurz gesagt: Man ist schon bedient, bevor es dann noch einmal über 15 Runden voll auf die Birne gibt, und nicht mehr wirklich geschockt, wenn es schließlich im Abspann heißt, dass Braddock natürlich auch im Weltkrieg ehrenvoll seinem Land gedient habe.



FAZIT

Das Comeback "Das Comeback" ist ekliger neokonservativer US-Patriotismus, zunächst noch gut gemacht, dann im letzten Drittel aber nur um so ärgerlicher, trotz – eigentlich gerade wegen – der durchweg guten Schauspieler. Übrigens: Die amerikanischen Filmkritiker haben "Das Comeback" geliebt, das Publikum eher weniger. Die zweitgrößte Kinokette der USA ließ sich wegen des mauen Filmstarts sogar dazu hinreißen, eine Geld-zurück-bei-Nichtgefallen-Garantie zu geben. Die amerikanischen Kinogänger schenken sich diesen Film. Das ist vorbildlich.



Von Martin Thoma



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