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Catch A Fire

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Kinostart
18.01.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Universal

Regie
Phillip Noyce

Autor
Shawn Slovo

Laufzeit
101 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Derek Luke
Tim Robbins
Bonnie Mbuli
Mncedisi Shabangu




Der Mythos vom positiven Terror

INHALT

Catch A Fire Südafrika, 1. Juni 1980. Bomben explodieren auf dem Gelände mehrerer Ölraffinerien in Sasolburg und Secunda. Personenschaden: Null. Image-Schaden für das regierende Apartheid-System: Gewaltig. Die Aktivisten des African National Congress (ANC) treffen das rassistisch segregierende Regime an einer seiner empfindlichsten Stellen, schließlich sollen Südafrikas Ölraffinerien die Selbstversorgungsfähigkeit des Staats demonstrieren, der durch internationale Sanktionen stark ökonomisch geschwächt ist. Die Attacke erschüttert das Selbstbewusstsein der weißen Machthaber zutiefst.

Basierend auf diesen wahren Begebenheiten erzählt Regisseur Phillip Noyce ("Der stille Amerikaner") in "Catch a Fire – Wer Feuer sät" die Geschichte des Aktivisten Patrick Chamusso (Derek Luke, "Spiel auf Sieg"), der eigentlich nie Aktivist sein wollte. Als Vorarbeiter der Secunda-Ölraffinerie kennt sich Patrick zwar mit dem Prestigeobjekt der Regierung aus, aber politisch aktiv zu werden oder seinem Arbeitgeber zu schaden, kommt für ihn zunächst gar nicht in Frage. Im Gegenteil, Patrick ordnet sich unter, begnügt sich damit, mit seiner Frau Precious (Bonnie Henna) und seinen zwei Töchtern in einem kleinen Häuschen unweit der Raffinerie zu leben. Erst als er und Precious auf den irrsinnigen Verdacht auf Sabotage hin festgenommen, gefoltert, verhört und schließlich wieder auf freien Fuß gesetzt werden, beschließt Chamusso, zum Aktivisten zu werden. Er verlässt Frau und Kinder, um sich in Mozambique vom ANC ausbilden zu lassen und sich seinen Folterknechten daheim endlich zu widersetzen.



KRITIK

Catch A Fire Phillip Noyces "Catch a Fire" ist nur auf den ersten Blick ein typischer Polit-Thriller. Obgleich eine eindeutige Definition des Genres schwierig ist, lässt sich zumindest ein Kriterium feststellen: Politik ist ein entscheidender Teil des Plots. Für "Catch a Fire" trifft das natürlich insofern zu, als dass sich die Handlung im Apartheid-Südafrika abspielt. Hinzu kommt, dass sich der Film an einem tatsächlichen Ereignis, dem Anschlag auf die Secunda-Raffinerie, und einem wirklichen Menschen, Patrick Chamusso, orientiert. Umso erstaunlicher ist, dass die im Mittelpunkt stehenden Hauptfiguren des Films erstaunlich unpolitisch sind.

Patrick Chamusso zieht nicht aus, um ein Held der Anti-Apartheid-Bewegung zu werden. Vielmehr handelt er aus persönlichen Gründen. Er will Rache nehmen, nicht am politischen System Südafrikas, sondern an einem sehr viel konkreteren Feind. Nic Vos, gespielt von Tim Robbins ("Mystic River"), Oberstleutnant der nationalen Sicherheitsbehörde und Peiniger Chamussos, wird zugleich Auslöser und indirektes Ziel von Chamussos Racheagenda, die ihn ins Exil nach Mozambique treibt. Erst unter der Anleitung der Aktivisten dort bekommen seine Pläne eine politische Nuance, die allerdings schon bald wieder verblasst. Chamussos Frau Precious, die vom Abschied ihres Mannes völlig überrumpelt wird, ist ebenso unpolitisch. Aus Hass und Liebeskummer verrät sie ihren Mann schließlich an Vos. Von der politischen Bedeutung ihres Handelns ahnt sie nichts.

Catch A Fire Selten ist sind die Protagonisten einer Heldengeschichte so ehrlich. Patrick Chamusso ist weder Märtyrer noch Übermensch im klassischen Sinne, wie er durch unzählige Hollywoodproduktionen geistert. Chamusso hat in seiner Wut und seinem Rachebestreben schon fast mehr Schwächen als Stärken – trotzdem trägt er zu der Befreiung eines ganzen Landes bei. Inwiefern ein riskanter Terroranschlag mit Befreiung gleichzusetzen ist, lassen die Filmemacher allerdings offen. Ähnlich ambivalent verfahren sie mit Chamussos Gegenspieler Nic Vos. Der Oberstleutnant hat viele Gemeinsamkeiten mit seinem Opfer: Beide sind verheiratet und aufopfernde Väter zweier Töchter. Doch während die vermeintlich heile Welt des unschuldigen Vorarbeiters durch Vos’ Verhör und Folter zerstört wird, lässt sich Vos in seinem Glauben, zu Recht Terroristen so radikal wie möglich zu bekämpfen, nicht beirren, auch wenn er spürt, dass Apartheid keine Zukunft hat.

Auch wenn "Catch a Fire" seine Figuren in den Mittelpunkt stellt und mit seinen begnadeten Darstellern Derek Luke und Tim Robbins brilliert, kommt man als Zuschauer kaum darum herum, den politisch brisanten Fragen, die der Film aufwirft, Beachtung zu schenken. Ein zentrales Thema in "Catch a Fire" ist Terrorismus. Einerseits illustriert der Film, wie Folter und Unterdrückung zu Terrorismus führen können. Oder einfacher gesagt: Gewalt ist der Nährboden für Gegengewalt. Zugegeben, diese Erkenntnis ist alles andere als revolutionär. Komisch nur, dass es Politiker und Machthaber weltweit immer noch schaffen, dieses einfache Prinzip zu ignorieren.

Andererseits bewegt sich der Film von der unmissverständlichen Verknüpfung von Misshandlung und Terrorismus, die der politisch engagierte Regisseur Phillip Noyce sicherlich nicht ungeachtet der herrischen US-amerikanischen Außenpolitik und fragwürdigen Missionierungsarbeit in Afghanistan und Irak inszenierte, dann allerdings auf unsichereres Terrain, suggeriert er doch, "positiver" Terrorismus – in Form eines Bombenanschlags auf eine Ölraffinerie - sei in Ordnung, solange er der Befreiung diene. Dass die Befürwortung oder Verurteilung eines Terroranschlags und dessen Motivation eine Frage der Perspektive bzw. Interpretation ist, unterschlägt "Catch a Fire" leider und büßt deshalb an politischer Aussagekraft ein. Nimmt man jedoch wohlwollend an, dass der Film sowieso eher ein menschlicher als ein politischer Thriller ist, in dem Einzelschicksale im Mittelpunkt stehen, kann man über diese Vergröberung hinwegsehen.



FAZIT

Catch A Fire "Catch a Fire" ist ein großartig inszenierter Film mit kleinen inhaltlichen Schwächen. Er bietet Action und Verfolgungsjagden, besinnliche und romantische Momente vor dem Hintergrund der wahren Geschichte eines südafrikanischen Freiheitskämpfers. Genießen lässt sich der Film erst, wenn man sich von seiner unausgegorenen, mainstream-politischen Botschaft verabschiedet und sich von seinen fabelhaften Hauptdarstellern Tim Robbins alias Nic Vos und Derek Luke alias Patrick Chamusso begeistern lässt.

Von Therese Hopfmann



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