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Home Page : Movies : Brothers Grimm

Brothers Grimm

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Original Titel
The Brothers Grimm

Kinostart
06.10.2005

Genre
Abenteuer/ Fantasy

Erscheinungsjahr
2005

Land
GB/ CZ

Verleih
Concorde

Regie
Terry Gilliam

Autor
Ehren Kruger/ Terry Gilliam

Laufzeit
119 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Matt Damon
Heath Ledger
Monica Bellucci
Peter Stormare
Lena Headey




Die Grimms in der Märchenschleuder

INHALT

Brothers Grimm Neues über die Brüder Grimm, die Verfasser der weltberühmten Märchensammlung. Der renommierte Literaturwissenschaftler Terry Gilliams, eine anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Grimmforschung ("Monty Python", "Twelve Monkeys", "König der Fischer", "Brazil") hat Erstaunliches zutage gebracht. In Wahrheit waren die Brüder Grimm hauptberuflich Geisterjäger. Genauer gesagt: Scharlatane, die ihr Wissen über Sagen, Märchen und Aberglauben ausnutzten, um dummen Provinzlern in theatralisch inszenierten Hexenaustreibungen das Geld aus den Taschen zu ziehen. Ein unschönes Treiben, dem die militant aufgeklärten französischen Besatzer, als sie dahinter kamen, schnell ein Ende setzten. Normalerweise hätten die beiden Hochstapler rechtmäßig zum Tode verurteilt werden müssen. Doch General Delatombe ließ Gnade walten. In einem Wald vor dem Städtchen Marbaden schien nämlich ein anderer Krimineller mit ähnlichen Methoden, einen Spuk zu inszenieren. Nur war er offensichtlich weniger harmlos als die Grimmbrüder und raubte die Kinder des Ortes. Wenn es Jakob und Wilhelm gelänge, diesen Verbrecher gewissermaßen mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, könnten sie am Leben bleiben. Um sicherzugehen, dass sich die Brüder auch schön brav an die Arbeit machten, stellte Delatombe ihnen seinen liebenswert sadistischen Foltermeister Cavaldi an die Seite, der sie regelmäßig zur Erinnerung mit den neusten Technologien seiner Zunft vertraut machte. Zusammen mit ihm und der schönen, im Dorf wegen emanzipierter Lebensweise und hoher Bildung als verflucht geltenden Fährtensucherin Angelika, mussten sie jedoch bald feststellen, dass dieser Wald tatsächlich verzaubert war. Die Brüder Grimm waren plötzlich selbst mitten in einem Grimmsmärchen mit verzauberten Bäumen, Wölfen, bösen Hexen, schönen Königinnen und allem was dazugehört.

"Brothers Grimm" erzählt also die wahre wahre Geschichte der Brüder Grimm. Die Behauptung, ihr Leben sei weniger aufregend gewesen, ist ein Märchen.



KRITIK

Brothers Grimm Nette Idee, die Brüder Grimm als Geisterjäger in ihre eigene Märchenwelt zu verpflanzen, aber trägt sie einen ganzen Spielfilm? Schwierig. Wie müsste man sie umsetzen, damit der Film funktioniert? Auf jeden Fall nicht so, wie es Gilliams und Drehbuchautor Ehren Krueger ("The Ring" [US-Remake], "The Skeleton Key") gemacht haben.

Die vermeintliche Lösung, einfach den Erzählstrang mit Napoleons Besatzungstruppen auszuweiten und in ziemlich schiefer Weise auf das Entstehen der Befreiungskriege aus der deutschen Romantik anzuspielen, bringt gar nichts. Sie lenkt nur von der Phantastik der Grundidee ab und ist gut für ein paar sehr konventionelle dramaturgische Wendungen.

Natürlich ist es toll, die Brüder Grimm als trottelige Geisterjäger in Glitzerrüstung und James-Bond-Pose einzuführen. Allein schon deshalb, weil es tatsächlich immer noch Menschen gibt, die verbiestert und humorlos genug sind, das als Sakrileg an ihrem persönlichen Nationalheiligtum zu empfinden. Ganz abgesehen davon, dass man da wirklich erst mal drauf kommen muss und dass Matt Damon als Will/Wilhelm und Heath Ledger als Jake/Jacob sehr ansehnlich spielen. (Der Verleih hat die Namen für die deutsche Version nicht zurückübersetzt, genauso wenig wie den Filmtitel; offensichtlich in der freundlichen Annahme, dass der bekanntlich tumbe und ironieresistente Deutsche sonst nicht versteht, dass es sich nicht um die echten Brüder Grimm handelt.) Die Figuren der Brüder werden also nett eingeführt. Aber sie sind zu flach für 118 Minuten und die Dreiecksbeziehung mit der schönen Fährtensucherin ist so halbherzig erzählt, dass man Lena Headey ihr hilfloses Schauspiel kaum verübeln kann. Peter Stormare sucht dagegen sein Heil bei der Darstellung der Comicfigur Cavaldi im heftigsten Chargieren und ist damit immerhin unterhaltsam.

Natürlich ist Gilliams ganz spezielle Interpretation des berühmten Froschkusses mehr als sehenswert. Wie er unzählige Märchenmotive mischt und neu zusammensetzt, ist ein Vergnügen für alle, die sich nur ein bisschen in den Grimmsmärchen zuhause fühlen (und das tut ja schließlich jedes Kind). Wenn – selten! – eine Geschmacklosigkeit auf Python-Niveau (Warnung an alle Katzenfreunde!) kommt, brüllt der ganze Kinosaal. In Ausstattungsfragen und vor allem -details macht Gilliams ohnehin keiner was vor, und das Vorhaben, die düsteren Seiten der Märchen stärker in den Vordergrund zu stellen, kann man im Prinzip ebenfalls nur begrüßen. Hier hört es aber schon wieder auf. Das Drehbuch will einerseits düster sein, andererseits skurril, albern, spielerisch, postmodern zitathaft. Wie geht das zusammen? Es geht überhaupt nicht. Und dann soll das Ganze noch (auf Wunsch der Produzenten?) nach möglichst konventioneller Dramaturgie auf ein actionreiches Finale hinauslaufen, inklusive Cliffhanger für einen möglichen zweiten Teil. Das fühlt sich dann nur noch zäh und schief an.



FAZIT

Brothers Grimm Die Idee zu "Brothers Grimm" hätte vermutlich einen guten Monty-Python-Sketch ergeben. Ex-Monty-Python-Mitglied Terry Gilliams gelingt es nicht, sie in Spielfilmlänge umzusetzen. Die vielen wunderbaren Details und seine sympathische Albernheit verbergen nur schlecht, dass der Film gegen Ende viel zu lang und auch zu konventionell ist. Ein bisschen erinnert das an den "Fluch der Karibik". Der allerdings wurde von einem herausragenden Johnny Depp im Alleingang vor dem Absaufen gerettet. Bei allem Respekt: So gut sind Matt Damon und Heath Ledger nicht.



Von Martin Thoma



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