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Borat

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Original Titel
Borat: Cultural Learnings of America for ...

Kinostart
02.11.2006

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Fox

Regie
Larry Charles

Autor
Sacha Baron Cohen/ Anthony Hines/ ...

Laufzeit
82 Minuten

Hauptdarsteller
Sacha Baron Cohen
Ken Davitian
Pamela Anderson




Neues vom Diskriminator aus Kasachstan

INHALT

Borat Was der britische Komiker Sacha Baron Cohen als Alistair Leslie Graham, kurz Ali G., in seiner dreisten TV-Sendung „Da Ali G. Show“ so alles verzapfte, war für viele Zuschauer absolutes Neuland: Der sexistische Hip-Hop-Aspirant konfrontierte zumeist nichts ahnende Interviewpartner aus Kultur, Wissenschaft und Politik in seiner wortverstümmelnden Szenesprache, ohne davor zurückzuschrecken, selbst unangenehmste Fragen zu Geschlechtsverkehr und Toilettengang zu stellen. Ähnlich präsentierte sich in der Sendung Cohens Figur Borat Sagdiyev, ein kasachischer Journalist, der vor allem in den USA sein Unwesen trieb, um eine Reportage für das heimische Staatsfernsehen zu machen. Nachdem zunächst nur Ali G. der große Karrieresprung auf die Kinoleinwand gelang, folgt nun Borats Filmdebüt.

Der schnauzbärtige Kasache rückt mit dem Produzenten Azamat (Ken Davitian) und einer Filmcrew aus, um für das Ministerium für Rundfunk und Fernsehen „kulturelle Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen“. In New York angekommen muss der hinterwäldlerische Borat allerdings feststellen, dass seine Annäherungsversuche bei Amerikanern auf nicht viel Gegenliebe stoßen. Auch Borats latenter Sexismus und Homophobie erfahren dort keine Unterstützung. Als er Baywatch-Nixe Pamela Anderson im Fernsehen sieht, beschließt er deshalb kurzerhand, die unfreundliche Großstadt zu verlassen und sich auf den heiklen (Land-)Weg zu seiner neuen Angebeteten zu machen. Sein Fernsehteam begleitet ihn auf seiner Odyssee durchs ländliche Amerika selbstverständlich.



KRITIK

Borat Borat Sagdiyev ist stolz auf sein Heimatland. Fernab von dem Einfluss westlicher Gepflogenheiten gedeihen dort Armut, Antisemitismus, Prostitution und Inzest und der gelockte Journalist lässt es sich als patriotischer Diener der Nation nicht nehmen, seinen Judenhass zu pflegen, mit seiner Schwester ins Bett zu steigen und jedem „Zigeuner“ argwöhnischen Aberglauben entgegenzubringen. Alles andere als erfreut über diese Darstellung des kasachischen Lebensstils ist – und das überrascht nicht - die Regierung des Landes. Nachdem Borat die Moderation der MTV Europe Music Awards letztes Jahr übernommen hatte, gab es mächtig Ärger mit dem kasachischen Staatsoberhaupt, das die Ehre Kasachstans beschmutzt sah. Der Rest der Weltöffentlichkeit fand sich auch eher peinlich berührt. Wirklich lustig fand das verunsicherte Live-Publikum vor Ort den Auftritt nicht. Um den Witz in Borats beleidigendem Kauderwelsch zu verstehen, braucht es offenbar ein wenig mehr Distanz zum Geschehen. Ein Film ist also eine ideale Plattform für den kasachischen Reporter.

„Borat“ ist eine Mischung aus inszenierter Handlung, Interviews und versteckter Kamera. Die Grenzen sind dabei jedoch so fließend, dass sich manchmal nur schwer sagen lässt, ob Borat alias Cohen sich gerade in Absprache mit dem Umfeld bewegt oder Menschen ungefragt überrumpelt. Sicher ist, dass beides zur Genüge vertreten ist und dass Cohen es vermag, seine Interviewpartner gefragt und ungefragt in die Irre zu führen. Als Antisemit, Frauenunterwerfer und Irakkriegunterstützer Borat lässt sich Cohen von den Aussagen seines Gegenüber durch das Gespräch leiten und entlockt ihm oder ihr dabei unglaubliche Geständnisse und abstruse Ratschläge. So lässt sich beispielsweise ein Autoverkäufer tatsächlich auf die Frage ein, wie schnell man fahren müsse, um ein paar „Zigeuner“ zu überfahren. Seine Antwortet lautet nach kurzem, ernsthaften Überlegen: „Da dürften schon 30 bis 40mph ausreichen.“ Des weiteren lässt sich Borat von einem Waffenhändler erklären, welche Waffe für die Vernichtung von Juden angebracht wäre, und macht im Rahmen einer texanischen Rodeo-Veranstaltung Bekanntschaft mit einem Cowboy, der meint, Homosexuelle müsse man gefälligst hängen.

Borat Neben schlagfertiger politischer Satire, die Borat ohne viel Zutun durch verblüffend leichtgläubige Durchschnittsamerikaner vortragen lässt, ist der Film „Borat“ natürlich auch ein Sammelsurium grotesker Scherze ohne satirischen Hintergrund, die einen in erster Linie darüber staunen lassen, wie sehr Cohen in seiner Rolle aufgeht. Es gehört nicht nur viel Mut dazu, sich bei der kasachischen Landesregierung äußerst unbeliebt zu machen, fast noch mehr Chuzpe braucht es wohl, um sich nur mit einem knappen Neon-String bekleidet vor der Kamera zu zeigen, wildfremde New Yorker auf der Straße zu küssen und sich mit einem übergewichtigen und verschwitzen Kerl die wohl haarsträubendste Nacktszene des Jahres zu liefern.

In ständiger Gefahr, für seine unflätigen Kommentare Prügel einstecken zu müssen, geht Cohen oft bis an die Schmerzgrenze des Humors. In seiner Heimat Großbritannien war der Comedian deshalb schon öfter Ziel öffentlicher Proteste. Von Diskriminierung ethnischer Minderheiten und Verherrlichung von Drogenkonsum bis zu Sexismus wurde ihm schon alles vorgeworfen, während es für seine Sendung trotzdem unentwegt Auszeichnungen hagelte. Antisemitismus gehörte bisher nicht zu den Schwerpunkten öffentlicher Kritik, Cohen selbst ist jüdischer Abstammung und war viele Jahre ein aktives Gemeindemitglied. „Borat“ mit seinen unzähligen antisemitischen Verbalausrutschern könnte das nun ändern. Der Film ist dazu prädestiniert, den Zorn der jüdischen Gemeinde heraufzubeschwören. Vielleicht entschied sich Cohen deshalb dazu, Borats Reportage recht versöhnlich ausklingen zu lassen. Der Film schließt mit einem Happy End, das von viel Satire leider nur ein Augenzwinkern übrig lässt. Die kasachische Regierung, die im Vorspann des Films als offizieller Initiator des Projekts genannt wird, wird das indes kaum beruhigen können. Erst recht nicht, wenn im Abspann eine verhunzte Version der Nationalhymne ertönt, die von schmutziger Geschwisterliebe und kasachischen Prostituierten kündet.



FAZIT

Borat „Borat“ ist Geschmackssache. Als Zuschauer muss man viel ertragen können und sich auf Sacha Baron Cohens Humor einlassen, um an dem Film Spaß zu haben. Es ist in jedem Fall empfehlenswert, sich die englische Originalversion eventuell mit deutschen Untertiteln anzusehen. Eine synchronisierte Version wird zwar auch über deutsche Leinwände flimmern, kann Cohens Klamauk aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gerecht werden. Ein Brite, der vorgibt ein Kasache zu sein, hat schließlich seinen ganz eigenen, unsynchronisierbaren Charme. Chenquieh!

Von Therese Hopfmann



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