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Black Snake Moan

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Kinostart
05.07.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Universal

Regie
Craig Brewer

Autor
Craig Brewer

Laufzeit
115 Minuten

FSK
ab 16 Jahren

Hauptdarsteller
Samuel L. Jackson
Christina Ricci
Justin Timberlake
S. Epatha Merkerson




Schuld und Sühne und Sex

INHALT

Black Snake Moan Ein spindeldürres Girl aus Tennessee (Christina Ricci, "Sleepy Hollow”) kniet auf einer Wiese vor ihrem heruntergekommenen Haus. Sie hat gerade ihren Freund Ronnie (Justin Timberlake, "Alpha Dog”), der sich zur Army aufmacht, tränenreich verabschiedet, ihr dröhnt der Kopf, sie fühlt ihre Suchtgedanken in sich aufwallen, sie muss…Sex haben, sofort. Rae ist sexsüchtig und jeder Mann in ihrer Heimatstadt weiß das. Bis auf Lazarus (Samuel L. Jackson, "Jackie Brown", "Spurwechsel"). Der schlägt sich mit ganz anderen Dingen wie der Trennung von seiner Frau herum, als er das White-Trash-Mädchen zusammengeschlagen, halbnackt und bewusstlos nach einer berauschten Nacht vor seinem Haus findet. Lazarus will Rae heilen, vor allem von ihrer Nymphomanie. Dazu kettet er sie vorerst an seine Heizung und erntet dafür allerhand Protest von Raes Seite, bis die junge Frau zutraulicher wird.



KRITIK

Black Snake Moan Um es kurz zu machen: "Black Snake Moan” ist einer dieser verflixten Filme, die man entweder als total genial oder aber völlig daneben empfindet, die man liebt oder hasst. Der Film hinterlässt den Eindruck einer eigenartigen Losgelöstheit, die nicht leicht in Worte zu fassen ist, aber dennoch spürbar genau diese Kluft zwischen begeisterter Verfallenheit und gnadenlosem Spott ausmacht. "Black Snake Moan" zu sehen ist, als würde man durch ein Schlüsselloch in eine fremde Welt schauen, die unserer verdächtig ähnlich und trotzdem unendlich überdreht und anders ist. Die Entscheidung, ob man diese Fremdartigkeit als anstößig oder stumpfsinnig ablehnt oder sich von ihr für zwei Stunden vereinnahmen und provozieren lässt, ist vermutlich die wesentlichste für die Findung eines persönlichen Urteils über "Black Snake Moan".

Doch zurück zum Anfang des Films. Vor dem Zuschauer entfaltet sich eine trostlose Landschaft irgendwo im Süden der USA. Die Gegend ist arm und ländlich, es ist unerträglich heiß. Und dieses ständige Qualmen. Immerzu rauchen die Menschen, paffen eine Zigarette nach der anderen. Doch die immerwährenden blauen Dunstwolken, die sich vor Amy Vincents Kamera kräuselnd empor schlängeln, und das Aufflackern von Feuerzeugen sind mehr als nur ein einfacher Teil des Porträts der Bevölkerung im Land der Tabakplantagen. Man spürt sofort, dass mehr dahinter steckt, doch die Dechiffrierung der Rauchschwaden lässt erst einmal auf sich warten. Zunächst zwingt uns "Black Snake Moan" nämlich Symbolik ganz anderen Kalibers auf.

Black Snake Moan So trifft die übel zugerichtete, sexbesessene Rae auf den liebeskranken Bluesmusiker Lazarus, der seinem biblischen Namen alle Ehre macht und sich entsprechend wie ein Heiliger gebärdet, als er die junge Frau bei sich aufnimmt. Von Lazarus’ Einfahrt geht es geradewegs in Lazarus’ Lazarett, wo Raes Erretter verkündet: "Ich habe die Aufgabe, dich von deiner Verruchtheit zu befreien." Fest an seine Mission glaubend, legt er das Mädchen buchstäblich in Ketten, um ihre Dämonen auszutreiben – und Rae findet in ihrem gefesselten Zustand schon bald Geborgenheit. Natürlich ist die Situation der Ankettung prekär, nicht nur weil (in diesem Fall gutgemeinter) Missbrauch für Rae ein gewohnter und absurderweise sicherer Platz ist, mit dem sie sich seit sexuellen Übergriffen in Kindertagen ohnehin identifiziert. Die Metallfessel zwecks Exorzismus böser Geister, die eine halbnackte Nymphomanin zur Besinnung bringt, muss ganz einfach für Empörung sorgen, weil sie empfindlich schnell die Grenze des guten Geschmacks hin zum skandalösen und derben Voyeurismus zu überschreiten droht. "Black Snake Moan" schafft es durchaus nicht immer, diese Grenze zu wahren.

Craig Brewers ("Hustle & Flow") Film provoziert – genauso wie Kindfrau Rae, als sie versucht, Lazarus zu verführen, während sie an seiner Kette hängt. Stück für Stück lichten sich nun auch die Nebelschwaden der Metapher des Rauchens. Verbindungen werden geknüpft zwischen Lazarus und Rae einerseits und Rae und ihrem Kindheitspeiniger andererseits, dessen zuschnappendes Feuerzeug in ihrer Erinnerung unweigerlich mit den Misshandlungen und so der Quelle ihrer Sexpsychose verschmilzt. Als Sinnbild für die "Sünde in mir" (O-Ton Lazarus) fungiert das Rauchen im Film und alle Protagonisten, die daran teilnehmen, scheinen unwissentlich ein geheimes Sünder-Bündnis einzugehen, das im Falle von Lazarus, Rae und Ronnie offen gelegt wird und der gegenseitigen Heilung dient.

Doch in demselben Maße, wie Rae sich während ihres skurrilen Zusammenlebens mit Lazarus ihren Problemen stellt und an der Erleuchtung irgendwie trotzdem um Haaresbreite vorbeischlittert, verpasst auch "Black Snake Moan" den Moment des Film-Nirvanas. Sobald Lazarus Rae reumütig aus den Fesseln befreit – und das geschieht recht schnell – und einen Abschiedsblues geträllert hat, verliert "Black Snake Moan" zusehends an Momentum und verabschiedet sich mit einem kitschigen, religiös übertönten Ende, das in seiner Merkwürdigkeit mehr kaputt macht als alle anderen abstrusen Wendungen des Films. Nun ist gegen das provokante Dekonstruieren und mutwillige Auflösen von scheinbar vorprogrammierten Szenarios an sich nichts einzuwenden, aber Brewer treibt es mit dem unerwartet witzlosen Happyend seines Films doch ein wenig zu weit. Der offensichtliche Hang zur Selbstzerstörung stört dabei weniger als der Verlust der Provokation selbst.



FAZIT

Black Snake Moan "Black Snake Moan" ist ein polarisierendes Südstaaten-Märchen, das genauso wie seine Protagonisten immerzu gegen seine eigenen Dämonen ankämpfen muss. Symbolik, Religion und Moral erdrücken den Film an vielen Stellen fast, während Ricci, Jackson und eine Auswahl anrührender Blues-Songs sich abrackern, das Werk am Leben zu halten. Am Ende bleibt allerdings nur ein Abschlussbefund zu vermelden: Operation gelungen, Film tot.

Von Therese Hopfmann



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