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Mr. Bean macht Ferien

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Original Titel
Mr. Bean's Holiday

Kinostart
29.03.2007

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2007

Land
GB

Verleih
Universal

Regie
Steve Bendelack

Autor
Robin Driscoll/ Hamish McColl

Laufzeit
90 Minuten

Hauptdarsteller
Rowan Atkinson
Willem Dafoe
Karel Roden
Max Baldry




Ohne Worte

INHALT

Mr. Bean macht Ferien Er war nie ein Mann großer Worte, dieser Mr. Bean (Rowan Atkinson). Eigentlich war er immer mehr eine Art moderne Pantomime mit altmodischer Erscheinung, die den verbalen Kontakt zu anderen Menschen scheut und lieber daheim mit einem stummen Teddybär telepathische Diskussionen führt. Bis, ja bis vor etwa zehn Jahren, als dieser schrullige Lulatsch made in UK eine Reise in die Vereinigten Staaten antrat und plötzlich vor den Augen eines großen Kinopublikums das Sprechen lernte. Sein altes mausgraues Jackett, die schmale rote Krawatte, das weiße Hemd und der Seitenscheitel, alles war noch da, aber irgendwie war Mr. Bean nicht mehr wirklich Mr. Bean mit dieser tiefen Stimme. Zum Glück verschlägt es ihn nun per Losgewinn nach Frankreich, wo er – nicht der Landessprache mächtig – Urlaub zu machen gedenkt. Doch auf dem Weg ins schöne Cannes an der Küste widerfährt dem notorischen Schussel ein Malheur nach dem anderen und seine fragwürdigen Sprachkenntnisse, die sich auf Oui, Non und Gracias beschränken, machen es ihm nicht gerade leichter. Zu allem Übel gesellt sich dann auch noch ein russischer Junge zu dem Menschenmuffel. Stepan (Max Baldry) muss in Cannes seinen Vater wiederfinden, nachdem er durch Mr. Beans Verschulden in Paris von ihm getrennt wurde. Verbale Verständigung ausgeschlossen.



KRITIK

Mr. Bean macht Ferien Es ist schon merkwürdig: Während Komikern wie Charlie Chaplin, Buster Keaton, Harold Lloyd und anderen Vertretern der wortlosen Komödie heute Ruhm und Beachtung seitens vieler Filmconnaisseurs zuteilwerden, kann Rowan Atkinson alias Mr. Bean ebendiesen partout kein Lob abringen, obwohl seine lakonische Art der Comedy, die der der hochgelobten Stummfilmtalente nicht unähnlich ist und sich beim vermeintlich weniger anspruchsvollen Publikum großer Beliebtheit erfreut. Was haben wir 08/15-Kinogänger und Bean-Sympathisanten also verpasst? Was unterscheidet einen Rowan Atkinson, der in einem französischen Nobelrestaurant versehentlich Austern bestellt und diese heimlich in einer benachbarten Damenhandtasche entsorgt, von einem Charlie Chaplin, der sich in „The Pawnshop“ als Verkaufsassistent eine Essensschlacht liefert? Was unterscheidet ihn von Buster Keaton und dessen wüster Verfolgungsjagd in „The General“ oder Harold Lloyd, der in „Safety Last“ von der Uhr einer Hochhausfassade baumelt? Eigentlich nichts.

„Mr. Bean macht Ferien“ bedient sich wie seine Stummfilmvorgänger einer recht einfachen Struktur. In Zentrum des Geschehens steht der flapsige Mr. Bean mit seiner allgegenwärtigen Videokamera, der ein klares Ziel verfolgt: Er will an die Côtes d’Azur, s’il vous plaît! Das allein wäre für einen frankophoben Briten vielleicht schon schwer genug, doch in Mr. Beans speziellem Falle kommen dabei einige Prädispositionen zum Tragen, durch die er sich zumeist selbst in missliche Lagen bringt. Keaton war der liebestolle Nationalheld in spe, Lloyd der charmante Hochstapler und Atkinson ist der kindliche Sonderling. Ihre Gemeinsamkeit: Ihre besonderen Rollen, die sie vom Rest der Gesellschaft abheben, erfordern Cleverness. Einfallsreichtum allein reicht allerdings kaum aus, um einen Frankreichurlaub zum Überlebensabenteuer zu machen. Sie gleicht vielmehr eine Reihe wahrlich desaströser Eigenschaften aus. Mr. Bean ist ungeschickt, vergesslich, vor allem aber von sich selbst besessen. Sein treuer Begleiter, die Videokamera, dient eigentlich nur einem Zweck, der Dokumentation der eigenen Präsenz. Sie ist stets auf ihren narzisstischen Besitzer gerichtet und Urquell fast allen Übels. Beans Egomanie ist nicht nur verantwortlich für eine Irrfahrt durch Paris, sondern auch der Grund für das Zurückbleiben von Stepans Vater. Erst später im Film wird sich Beans Videokamera-Fetisch revanchieren und sich gar als schicksalhaft im positiven Sinne herausstellen.

Mr. Bean macht Ferien Ganz in der Tradition der Stummfilmkomödien darf natürlich in „Mr. Bean macht Ferien“ die holde Weiblichkeit nicht fehlen. Sabine (Emma de Caunes) heißt die Angebetete und anders als in den Schwarz-Weiß-Lachnummern von früher ist die weibliche Hauptrolle diesmal nicht der Auslöser einer amourösen Verfolgungsjagd und tollpatschigen Imponiergehabes, sondern ein französischer Engel in der Not, der plötzlich in einem uringelben Mini – dem Auto, versteht sich – auftaucht und dem verzückten Briten anbietet, seiner inzwischen bargeldlosen Odyssee durchs ländliche Frankreich endlich ein Ende zu bereiten und ihn geradewegs nach Cannes zu chauffieren.

Neben den Parallelen zu bekannten frühen Komödien entwickelt „Mr. Bean macht Ferien“ ganz bewusst ein eigenständiges Konzept. Dazu gehört natürlich Atkinsons unnachahmliche Darstellung des mürrisch-liebenswerten Mr. Bean, die bis ins kleinste Detail perfektioniert ist. Darüber hinaus ist die Handlungsstruktur ebenfalls recht eigenwillig konstruiert. Nach dem Motto „Man sieht sich immer zweimal im Leben“ werden wichtige Figuren des Films fast beiläufig durch zufällige Begegnungen eingeführt und treffen erst später wieder aufeinander. So ist auch die engelsgleiche Errettung durch Sabine schon längst vorbereitet, ja vorbestimmt, als sie schließlich eintritt. Und auch die Wege von Regisseur Carson Clay (Willem Dafoe, „Spider-Man“) und Bean kreuzen sich mehr als einmal – nicht nur in physikalischer Hinsicht, sondern auch in psychologischer: Clay ist dem Narzissmus genauso verfallen wie Bean, dessen privates Urlaubsvideo ungeahnten Einfluss auf Clays neueste Selbstinszenierung, die auf dem Filmfestival in Cannes vorgestellt werden soll, haben wird.



FAZIT

Mr. Bean macht Ferien Es gibt zurzeit keinen Komiker, der es besser versteht, eine friedliche Frankreichreise innerhalb kürzester Zeit in eine vergnügliche Strapaze zu verwandeln, als Rowan Atkinson alias Mr. Bean. Nichts ist vor ihm sicher: Kleine Katastrophen ereignen sich in Beans Umfeld, egal, ob er es gerade mit Zügen, Autos, Bussen, Fahrrädern, Panzern oder Erdbeerjogurt Marke Fruzzi zu tun hat. Atkinsons Film „Mr. Bean macht Ferien“ ist wunderbar wortkarg, voller Situationskomik, familienfreundlich – und vielleicht genauso unterschätzt wie Lloyds und Chaplins Werke seinerzeit.

Von Therese Hopfmann



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