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Alpha Dog

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Kinostart
22.03.2007

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Concorde

Regie
Nick Cassavetes

Autor
Nick Cassavetes

Laufzeit
117 Minuten

FSK
ab 16 Jahren

Hauptdarsteller
Ben Foster
Sharon Stone
Justin Timberlake
Bruce Willis




Unfassbar, aber (fast) wahr

INHALT

Alpha Dog Jake Mazursky (Ben Foster, "X-Men") hat ein Problem. Ein Drogenproblem, um genau zu sein. Methamphetamin heißt die Suchtsubstanz seiner Wahl - und der Dealer seiner Wahl ist nie weit. Im Gegenteil, Jake und sein verlässlicher Lieferant Johnny (Emile Hirsch, "Lords of Dogtown") sind trotz ihres jungen Alters bereits alte Bekannte. Man kennt sich aus verkifften Highschool-Tagen, die sich für Jake als Sprungbrett ins ungebührliche Junkie-Leben erwiesen und im Gegenzug als Johnnys Karrieretreppchen ins profitabelere Spektrum der Drogenwelt fungierten.

Dass ihre geschäftsmännische Freundschaft nicht auf Sympathie, sondern Geld- und Drogenaustausch beruht und deshalb auf eher wackeligen Beinen steht, merkt der nicht minder wackelige Jake, als sein zweites Dauerproblem, Geldmangel, den sonst so kumpelhaften Austausch in ein recht einseitiges Geben seitens seines Dealers zu verwandeln droht. Johnny ist jedoch auf Zeche prellende Kundschaft nicht gut zu sprechen und dreht zur Demonstration seiner Macht über Jake erst dessen Meth-Hahn zu und macht sich schließlich als ausreichend bewaffneter Geldeintreiber auf, Jakes Schulden mit viel Tamtam einzufordern.

Alpha Dog Doch als sich der Junkie nicht blicken lässt, beschließen Johnny und seine Mitstreiter kurzerhand, Jakes jüngeren Bruder Zack (Anton Yelchin) zu kidnappen und als Pfand zu behalten, bis die ausstehende Rechung beglichen ist. Die leichtfertige Entführung des Jungen hat jedoch nicht die ersehnte Wirkung: Statt Geld entrichtet Jake unversehens die Drohung, die Polizei einzuschalten. Die Chancen stehen gut, Johnny und Co. der Geiselnahme zu überführen. Und jeder Tag, der verstreicht, macht den Tatbestand gravierender, lässt Johnnys Souveränität dahinschmelzen. Als die Perspektive des extravaganten und ausschweifenden Lebens des jungen Drogenhändlers binnen weniger Tage vollends von leicht verdientem Gangsterruhm zu garantiertem Knastaufenthalt gewechselt hat, beschließt er, dem Kidnapping so schnell wie möglich ein Ende zu bereiten. Nur wie?



KRITIK

Nick Cassavetes’ ("John Q", "She’s So Lovely") "Alpha Dog" basiert auf Dummheit. Anders lässt es sich nicht formulieren. Der Film strotzt vor kopflosen Kurzschlussentscheidungen, jugendlichem Übermut und hirnrissigen Aktionen, die dem Zuschauer jedes Mal ein – wenn nicht lautstark verbalisiertes, dann doch wenigstens ein aus Rücksicht auf den Sitznachbarn gebrummeltes, symbolisch geräuspertes oder zumindest aber gedachtes – "Wie kann man nur so dumm sein!" entlocken wollen. Wie kann man nur so dumm sein, auf offener Straße bei Tageslicht ein Kind zu entführen, wenn sich gleich zwei Zeugen in unmittelbarer Nähe aufhalten und weitere 35 hinzukommen? Wie kann man nur so dumm sein, das Opfer freimütig in seinen Plan einzuweihen und von Party zu Party zu schleppen? Und vor allem: Wie kann man nur so dumm sein zu erwarten, dass nach gewaltsamer Entführung und Erpressung eine glimpfliche Lösung für alle in Aussicht steht?

Fast möchte man meinen, Cassavetes sei selbst schön dumm gewesen, solch eine dreiste Geschichte zu Blatt zu bringen und zu verfilmen. Wer glaubt denn bitteschön, dass eine Gruppe Möchtegern-Gangster aus einer Vorstadt von Los Angeles so viel Mist auf einmal verzapfen kann und sich blindlings von einer Zwickmühle in die nächste manövriert? Doch genau hier liegt der Knackpunkt von "Alpha Dog": So unglaublich und unglaubwürdig die Geschehnisse auch wirken mögen, die Geschichte selbst ist nicht erfunden. Sie ist wahr.

Obwohl Cassavetes selbstredend nicht in allen Details an den wahren Begebenheiten, an denen sich "Alpha Dog" orientiert, festhält – das wäre wohl ein Ding der Unmöglichkeit -, stimmt der Kern des Films durchaus mit dem überein, was vor einigen Jahren im San Gabriel Valley wirklich passierte. Einschließlich der sagenhaften Dummheit und dem anschließenden Kontrollverlust der noch fast jugendlichen Täter, deren vorschnelle Idee, einen Menschen als rechtmäßiges Pfand einzukassieren, in einem Disaster endete, dessen Nachwehen bis heute Schlagzeilen machen.

Alpha Dog Erst vor ein wenigen Wochen meldete die Mutter des entführten Jungen, die im Film von Sharon Stone ("Casino", "Basic Instinct") verkörpert wird, öffentlich Gesprächsbedarf an. Nach drei misslungenen, von Schuldgefühlen beflügelten Selbstmordversuchen, die von der Presse nicht unentdeckt blieben und deren emotionaler wie exploitativer Schilderung sich auch Cassavetes mit einiger Skrupellosigkeit bedient, verurteilte sie die Verfilmung des Schicksals ihres Sohns erneut und fand dabei wenig Gehör in Hollywood, wo man die Kinokassen für "Alpha Dog" bereits klingeln hörte. Das Aufbegehren der Mutter hätte jedoch Beachtung finden müssen, schließlich ist die Tatsache, dass "Alpha Dog" auf einer wahren Geschichte und somit ihrem Leben basiert, die einzige Attraktion des Films.

Anderweitige Offerten der Filmmacher, die nebst dem vielversprechenden Siegel "Based on a true story" der Attraktivitätssteigerung dienen sollen, sind allenfalls mehr Schein als Sein. Die Hollywood-Größen Sharon Stone und Bruce Willis ("Sin City", " The Sixth Sense") beispielsweise steuern außer ihren wohlklingenden Namen und ihrer formellen Verpflichtung, ab und zu in Erscheinung zu treten, nichts bei. Schauspielerische Glanzleistungen hat "Alpha Dog" mit wenigen Ausnahmen nicht zu bieten. Ben Foster macht zwar in seiner Nebenrolle als zappeliger Junkie Jake Mazursky einen guten, ausgereiften Eindruck, doch die Hauptrollen des Films fallen mit Ausnahme der Rolle des naiven Zack Mazursky oft fragwürdigen und unausgegorenen schauspielerischen Leistungen zum Opfer.

Pop-Sänger Justin Timberlake etwa, wohl ein weiterer potenzieller Zuschauermagnet von entscheidendem finanziellen Interesse für die Filmvermarktung, schwächelt als Johnnys Kumpel Frankie erheblich und muss als ungeschultes Leichtgewicht der Traumfabrik erstaunlich viel – offenbar zu viel – Gewicht stemmen. Seinem durch die Musikindustrie in jahrelanger Schwerstarbeit zurechtgestutztem Wesen werden fröhlicher Schwachsinn, ernsthafte Gewissensbisse und sklavische Untergebenheit gleichzeitig abverlangt, wo sonst seifige Songtexte und sinnentleerte Tanzschritte um die Vorherrschaft ringen. Das K.O. erfolgt dementsprechend bereits in der ersten Runde, als Frankie alias Timberlake vulgär sein muss und es nicht kann.



FAZIT

Alpha Dog Wenn Drehbuchautoren eines wissen, dann dieses: Die Realität schreibt die schönsten Geschichten. Und die grausamsten. Sie produziert Ereignisse, die unglaublicher sind, als jede Fiktion sie je fabrizieren könnte. Im Prinzip heißt das, man muss auf ein gutes Drehbuch nur geduldig warten, bis die Wirklichkeit es einem ganz von allein vor die Füße legt. Während der Warterei die Zeitung aufmerksam zu studieren, lohnt sich ganz besonders. Das wusste auch Nick Cassavetes. Was seinem Film "Alpha Dog" indes fehlt, ist ein eigenständiger und einzigartiger Blickwinkel und der Versuch, emotionale Einblicke zu geben, die über die bloße Chronolgie einer Entführung und ihr voyeuristisches Potenzial hinausgehen und die Verfilmung einer Zeitungsschlagzeile rechtfertigen. Vielleicht hätte man dafür die echte Mrs. Mazursky zu Wort kommen lassen müssen.

Von Therese Hopfmann



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